Menschen stehen vor einem Corona-Testzentrum. © Picture Alliance-dpa-Zentralbild Foto: Jens Büttner

Corona: AstraZeneca-Impfung auch für unter 60-Jährige?

Stand: 27.04.2021 11:18 Uhr  | Archiv

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bayern haben den AstraZeneca-Impfstoff für alle freigegeben - unabhängig von Alter und Priorisierung. Die impfenden Mediziner müssen nun genau abklären, für wen die Impfung infrage kommt.

Nach dem Auftreten von Sinusvenenthrombosen bei Geimpften empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) eine Impfung mit AstraZeneca derzeit nur für Menschen über 60 Jahren. Eine Erst- oder Zweitdosis mit diesem Impfstoff kann aber auch unterhalb dieser Altersgrenze nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz gegeben werden - nach sorgfältiger Aufklärung über eventuelle Nebenwirkungen. Ärzte haften nicht, wenn es nach ausführlicher Aufklärung doch zu Nebenwirkungen kommt.

Führen Eiweiße der Adenoviren zu Sinusvenenthrombosen?

Was genau die Sinusvenenthrombosen auslöst, ist unklar. Forscher der Universität Greifswald fanden heraus, dass Betroffene der seltenen Nebenwirkung im Verlauf der Immunreaktion auf die Impfung bestimmte Antikörper bildeten. Diese aktivierten dann die Blutplättchen, was wiederum zu Blutgerinnseln führte. Welche Bestandteile des Impfstoffs diese Reaktion und damit die Sinusvenenthrombosen auslösen, ist weiter unklar. Ein Grund könnten nach Erkenntnissen der Greifswalder Forscher bestimmte Eiweiße der Adenoviren sein, die beim AstraZeneca-Impfstoff als Transporter für das Genmaterial des Coronavirus eingesetzt werden. Dann könnte es auch bei den anderen Adenovirus-basierten Vektorimpfstoffe von Johnson & Johnson oder auch dem russischen Impfstoff Sputnik V zu solchen Reaktionen kommen.

Wie häufig gibt es Sinusvenenthrombosen nach einer Impfung mit AstraZeneca?

Bis zum 21. April wurden dem für die Sicherheit von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Institut (PEI) 63 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach einer Impfung mit AstraZeneca bekannt. In 34 dieser Fälle wurde zusätzlich ein schwerer Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) gemeldet. Zwölf Menschen starben. Verimpft wurden bis dahin fast 4,8 Millionen Erstdosen und rund 10.000 Zweitdosen des Vakzins. Zum Vergleich: Bei 11,5 Millionen Erst- und 5,3 Zweit-Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer kam es zwölf Mal zu dieser Komplikation. Allerdings trat bei den Betroffenen, die mit Biontech geimpft worden waren, keine Thrombozytopenie auf. In Großbritannien verzeichnete die Arzneimittelbehörde MHRA bis Mitte April 168 Fälle von schweren Blutgerinnseln mit dem gleichzeitigen Mangel an Blutplättchen nach einer AstraZeneca-Impfung. In 77 Fällen handelte es sich dabei um Sinusvenenthrombosen. Rund 21,2 Millionen Menschen wurden bereits erstmals mit dem Präparat geimpft.

Bei Älteren überwiegt der Nutzen das Risiko bei Weitem

Klar ist: Je älter die Menschen sind, desto geringer wird das Risiko und der Nutzen der Impfung überwiegt. Nur ein verschwindend geringer Teil der Geimpften bekommt schwere Nebenwirkungen. Die meisten Menschen aber erkranken dank der Impfung nicht an Covid-19 und landen deshalb auch nicht auf der Intensivstation.

Impfen beeinflusst den Verlauf der Pandemie

Lassen sich immer mehr Menschen impfen, hat das Auswirkungen auf den Pandemie-Verlauf. Das lässt sich an den sinkenden Infektionszahlen in Israel und England erkennen, wo bereits Menschen um die 50 und jünger geimpft worden sind. Diese Gruppe ist mobiler als die Älteren. Darum sind es vor allem die jüngeren Altersgruppen, die jetzt auf den Intensivstationen landen und dort lange Zeit Beatmungsplätze belegen. Impft man jetzt diese Altersgruppe, entschärft das auch die Situation auf den Intensivstationen.  

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Visite | 27.04.2021 | 20:15 Uhr

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