Stand: 20.07.2020 10:36 Uhr

Corona-Ansteckung im Flugzeug: Wie groß ist die Gefahr?

Ein Mann mit Mund-Nasen-Bedeckung sitzt in einer Flughafen-Abfertigungshalle. © picture alliance / NurPhoto Foto: Nicolas Economou
Auch auf Flugreisen sollten Passagiere eine Alltagsmaske tragen und, wenn möglich, mindestens 1,50 Meter Abstand halten.

Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Flugzeug halten die Fluggesellschaften offenbar für gering. Ihr Argument: Die Luft im Flugzeug sei so sauber wie in einem Operationssaal. Sie werde alle drei Minuten ausgetauscht und durch sogenannte HEPA-Filter komplett gereinigt. Doch Studien weisen darauf hin, dass dennoch ein Infektionsrisiko besteht.

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Corona-Ansteckung im Flugzeug möglich

Der Sicherheitsabstand von 1,50 Meter lässt sich in den Sitzreihen der Flugzeuge nicht einhalten. Das Einatmen der Tröpfchen und Aerosole vom Sitznachbarn scheint unter diesen Bedingungen leicht möglich. Die Gefahr einer Ansteckung mit Coronaviren im Flugzeug ist Forschern längst bekannt: Zum Beispiel zeigt eine Untersuchung der Purdue University, wie sich 20 Menschen im Jahr 2003 bei einem mitreisenden Passagier mit dem Sars-Virus angesteckt haben.

Unterschiede zu HEPA-Filtern im OP

Die im Flugzeug verwendeten Belüftungssysteme unterscheiden sich von HEPA-Filtern in OP-Sälen:

  • Im OP-Saal herrscht Unterdruck und die verbrauchte Luft wird komplett verdrängt. Beim Flugzeug kommt die Hälfte der Kabinenluft zunächst ungefiltert aus dem Flugzeugmotor in die Kabine. Erst danach strömt die gebrauchte Luft aus der Kabine im Frachtraum des Flugzeugs durch den HEPA-Filter. Welche Wirkung der Filter an dieser Stelle hat, ist wenig erforscht.

  • Im Flugzeug wird die alte Luft - anders als im OP - nicht verdrängt, sondern mit der gefilterten Luft vermischt. Dadurch entstehen Verwirbelungen. Für eine Verdrängung der alten durch die gefilterte Luft sind die Ein- und Auslässe im Flugzeug zu klein.

  • Oft heißt es, die Kabinenluft werde alle drei Minuten komplett ausgetauscht. Doch das bezweifelt Dieter Scholz, Professor für Flugzeugsysteme an der HAW Hamburg. Seine Studien deuten darauf hin, dass sich Viren etwa 15 Minuten in der Kabinenluft halten und durch Verwirbelungen weit verbreiten. So könnten sich möglicherweise viele Passagiere anstecken.

FFP2-Maske kann Risiko für andere erhöhen

Ein Mann mit einer Atemschutzmaske der Kategorie FFP3. © dpa Foto: Christoph Schmidt
FFP-Masken haben einen integrierten Filter. Es gibt sie in drei Schutzklassen.

Viele Reisende hoffen, dass sie das Ansteckungsrisiko im Flieger verringern können, indem sie eine FFP2-Maske tragen. Doch diese Masken schützen nur, wenn sie optimal sitzen, sagt der Krankenhaushygieniker Professor Johannes Knobloch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Eine schlecht sitzende FFP2-Maske biete Studien zufolge möglicherweise weniger Schutz als eine sogenannte Alltagsmaske. Trägt eine infizierte Person eine FFP2-Masken mit Ausatemventil, könnte die Gefährdung für Mitreisende sogar noch höher sein.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Dieter Scholz, Flugzeug-Systemingenieur
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Berliner Tor 5
20099 Hamburg
(040) 428750
www.haw.de

Prof. Dr. Johannes Knobloch
Leiter Arbeitsbereich Krankenhaushygiene
Universitätskrankenhaus Eppendorf (UKE) Hamburg
Martinistraße 52
20246 Hamburg
www.uke.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.07.2020 | 20:15 Uhr

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