Stand: 05.06.2020 09:18 Uhr  - Visite

Bambusware: Schadstoffe in Bechern und Geschirr?

Geschirr aus Bambus wie die zurzeit beliebten Coffee-to-go-Becher gilt als umweltfreundlich und nachhaltig. Tatsächlich bestehen die oft als Bambusware bezeichneten Produkte zu einem gewissen Teil aus Melaminharz, in das geschredderte Bambusfasern vor allem als Füllstoff gemischt werden. Das Melaminharz sorgt für eine gute Stabilität des Materials. Je nach Hersteller bestehen die Bambusbecher allerdings nicht einmal zur Hälfte aus Bambus.

VIDEO: Bambusware: Schadstoffe in Bechern und Geschirr? (5 Min)

Freisetzung von Melamin und Formaldehyd

Das Gefährliche an dem Geschirr ist, dass durch den Kontakt mit säurehaltigen Lebensmitteln - wie Phosphorsäure in Cola oder Fruchtsäuren in Säften - sowie mit über 70 Grad Celsius heißen Speisen und Flüssigkeiten aus dem Melaminharz gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd freigesetzt werden können. Dabei wirken Säuren und Hitze gemeinsam wie ein Beschleuniger und lösen Melamin und Formaldehyd schneller und in größerer Menge aus dem Material heraus. Werden melaminhaltige Produkte nicht erhitzt oder mit heißen oder säurehaltigen Speisen oder Getränken befüllt, gelten sie als sicher.

Bambusholz ist aufgrund seiner Faserstruktur und des hölzernen Aussehens gut von Bambus-Harz-Mischungen, die wie Kunststoff aussehen, zu unterscheiden. Von reinen Bambusprodukten geht keine Gefahr aus.

Bestandteile werden als krebserregend eingestuft

Melaminharze oder auch Melamin-Formaldehyd-Harze sind polymere Kunststoffe aus Melamin und Formaldehyd. Löst sich Formaldehyd zum Beispiel aus einem Kochlöffel, der in kochendes Wasser getaucht wird, gelangt es nicht nur über direkten Kontakt in Speisen und Lebensmittel, sondern durch den Wasserdampf auch in die Raumluft.

Formaldehyd wird von der EU als krebsverdächtig eingestuft. Es kann zu Krebs in der Nase und im Rachen führen, zudem Haut und Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Melamin kann zu Nierensteinen und Nierenschäden führen, wenn es ins Essen gelangt.

Keine Kennzeichnungspflicht für Inhaltsstoffe

Ob Produkte diese bedenklichen Stoffe enthalten und wie hoch der Bambusanteil an den Produkten ist, können Verbraucher meist nicht erkennen. Da Bambusgeschirr immer eine stumpfe Optik hat, können Verbraucher nicht erkennen, ob das Material bereits gesundheitsgefährdende Stoffe freigesetzt hat.

Bei anderem Melamingeschirr ist das einfacher: Die ursprünglich glänzende Oberfläche wird stumpf, wenn es zu heiß geworden ist und giftige Stoffe abgegeben hat.

Gesundheitlich unbedenkliche Alternativen

Mehrwegbecher gibt es auch aus gesundheitlich unbedenklichen Materialien wie Edelstahl, Porzellan, Glas oder auch schadstofffreien und hitzebeständigen Kunststoffen wie Polypropylen.

Weitere Informationen
Plastikgeschirr © fotolia Foto: Africa Studio

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Edmund Maser, Direktor
Tobias Bünning, Doktorand
Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel
Brunswiker Straße 10
24105 Kiel
www.toxi.uni-kiel.de

Weitere Informationen
Bambusbecher im Test
www.test.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 09.06.2020 | 20:15 Uhr

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