Stand: 04.04.2017 14:37 Uhr  | Archiv

Arthrofibrose: Schmerzen nach Gelenk-OP

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Rötungen und Schwellungen können erste Anzeichen einer Arthrofibrose sein.

Eine Arthrofibrose ist eine überschießende Narbenbildung an einem der großen Gelenke, zum Beispiel an Knie, Hüfte, Schulter, Sprung- oder Handgelenk. Sie tritt als häufige, aber kaum bekannte Komplikation nach einer Operation oder Verletzung am Gelenk auf. In Deutschland erkranken mehr als 40.000 Menschen pro Jahr an Arthrofibrose. Dabei verdrängen die Bindegewebszellen der Narbe gesundes Gewebe und schränken dadurch die Beweglichkeit des Gelenks meist dauerhaft ein.

Symptome: Rötung, Schwellung, Unbeweglichkeit

Nach einer arthroskopischen Kreuzbandoperation kommt es in bis zu zehn Prozent der Fälle zu einer Arthrofibrose des Kniegelenks, nach einer Knieprothesenimplantation liegt das Risiko bei etwa vier Prozent. Eine Arthrofibrose macht sich zunächst durch typische Entzündungsreaktionen wie Rötung und Schwellung bemerkbar. Im Laufe der Zeit lässt sich das erkrankte Gelenk immer weniger beugen oder strecken. Bei Arthrofibrose am Knie wird die Kniescheibe immer unbeweglicher. Der Arzt sollte zunächst andere Erkrankungen ausschließen, die ähnliche Symptome verursachen, zum Beispiel Infektionen oder ein falsch eingesetztes Kunstgelenk im Knie.

Risikofaktoren für Arthrofibrose

Zu den möglichen Risikofaktoren für eine Arthrofibrose nach einer Verletzung oder Operation gehören:

  • eine Neigung zu ausgeprägter Narbenbildung
  • eine schlechte Beweglichkeit des Gelenks vor der Operation
  • Arthrofibrosen an anderen Gelenken
  • emotionale Belastungen und Störungen des vegetativen Nervensystems
In seltenen Fällen tritt Arthrofibrose ohne vorherige Verletzung oder Operation auf. Als Ursache für diese sogenannte primäre Arthrofibrose vermuten Forscher genetische Faktoren.

Therapie: Kortison und Operation

Eine Arthrofibrose wird zunächst mit Kortison behandelt. Halten die Beschwerden länger als ein Jahr an, kann eine sogenannte arthroskopische Arthrolyse das Gelenk wieder beweglicher machen. Dabei entfernt der Operateur im Rahmen einer Gelenkspiegelung das Narbengewebe und löst Verklebungen.

Bei einigen Patienten mit Arthrofibrose am Knie reicht das jedoch nicht aus. Wenn nicht nur das Gelenk, sondern auch die Oberschenkelmuskulatur vernarbt ist, hilft nur noch eine sogenannte Judet-Operation. Den aufwendigen Eingriff beherrschen nur wenige Chirurgen in Deutschland. Dabei löst der Operateur die komplette Oberschenkelmuskulatur von der Hüfte bis unter das Knie ab. Dadurch rutscht die Muskulatur nach unten und das Kniegelenk lässt sich wieder beugen.

Krankengymnastik mit viel Geduld

Wer an Arthrofibrose erkrankt ist, braucht in der Regel Krankengymnastik. Zu starke mechanische Belastung fördert jedoch die Narbenbildung. Deshalb sollten Betroffene ihren Körper langsam und mit viel Geduld trainieren. Bei Arthrofibrose fördert zum Beispiel langsames Auf- und Abrollen der Beine mit einer Decke unter dem Knie das Beugen des Gelenks. Bewegt man das Knie gerade so viel, wie das Gelenk zulässt, werden Narben langsam abgebaut.

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Visite | 04.04.2017 | 20:15 Uhr

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