Stand: 02.12.2019 15:15 Uhr

Aluminium: Gesundheitsgefahr durch Essen und Kosmetik?

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Spezielle Deos, sogenannte Antitranspirantien, enthalten viel Aluminium.

Aluminium steht im Verdacht an der Entstehung von Alzheimer und Brustkrebs beteiligt zu sein. Einen einwandfreien Nachweis gibt es zwar nicht, doch für Mediziner sind die Hinweise deutlich erkennbar: So fand man in den geschädigten Gehirnzellen verstorbener Alzheimer-Erkrankten überdurchschnittlich hohe Ablagerungen von Aluminium. Spuren des Metalls waren auch in den Lymphknoten von Brustkrebs-Erkrankten.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2019 erstmals die Gesamt-Aluminiumaufnahme der Bevölkerung in Deutschland geschätzt. Dabei wurden unter anderem Lebensmittel, Kosmetika und Medikamente einbezogen. Zudem wurde der Anteil der verschiedenen Aluminiumquellen für die Gesamtaluminiumbelastung der Bevölkerung gesundheitlich bewertet.

Aluminium.

Aluminium: Gesundheitsgefahr durch Essen und Kosmetik?

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Aluminium gelangt über Lebensmittel und Kosmetikartikel wie Deo und Zahnpasta in den Körper. Wie gefährlich ist das Metall? Und wie lässt sich Alu im Alltag vermeiden?

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Wie Aluminium in den Körper gelangt

In den Körper gelangt Aluminium vor allem über die Nahrung, Kosmetikartikel und Medikamente:

  • Von Natur aus steckt Aluminium in vielen Lebensmitteln, zum Beispiel in Nüssen, Kakao, Schokolade und Getreide. Auch über das Trinkwasser, Gemüse und indirekt auch über belastetes Tierfutter nehmen wir Aluminium auf.

  • Mehr als die Hälfte des Aluminiums, das wir aufnehmen, stammt nicht aus Lebensmitteln, sondern vor allem aus Kosmetika, wie zum Beispiel aus Sonnenschutzmitteln, Lippenstiften und Lidschatten.

  • Besonders viel Aluminium enthalten Deos, die das Schwitzen verhindern, sogenannte Antitranspirantien. Die Aluminiumsalze verkleben die Schweißdrüsen. Doch über die Haut gelangen sie in den Körper, vor allem über Mikroverletzungen, wie sie zum Beispiel beim Rasieren der Achselhöhlen entstehen.

  • In aufhellenden Zahncremes ("Whitening") kommen häufig Aluminiumoxide und Aluminiumhydroxide zur Anwendung, um den bleichenden Effekt zu erzielen. Wer die Zahncremes täglich nutzt, kann bereits erhebliche Mengen Aluminium aufnehmen, warnt das BfR.

  • Auch Medikamente können Aluminium enthalten, beispielsweise Gels gegen Sodbrennen.

Das meiste Aluminium scheiden die Nieren wieder aus, aber ein kleiner Teil lagert sich zum Beispiel in den Knochen, in der Lunge und im Gehirn ab.

Tolerierbare Höchtsmenge ist schnell überschritten

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat eine tolerierbare Höchstmenge für Aluminium festgelegt: 1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche. Bei einem 70 Kilogramm schweren Durchschnittsmensche, sind das 70 Milligramm pro Woche.

Wer sich abwechslungsreich ernährt, kommt in der Woche im Schnitt auf 40 Milligramm Aluminium. Doch der Wert kann schnell überschritten werden: Wer täglich Antitranspirantien benutzt, nimmt allein dadurch 70 Prozent der tolerierbaren Höchstmenge auf.

Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird die tolerierbare Höchstmenge schnell überschritten, da sie in der Regel weniger wiegen als Erwachsene.

Aufnahme von Aluminium vermeiden

Mit einigen Tipps kann man die Aluminiumaufnahme deutlich reduzieren:

  • Saure und salzige Lebensmittel wie Obst, Käse und Schinken sollten vorsorglich nie in Alufolie aufbewahrt werden, denn solche Nahrungsmittel zerstören die feine Oxidschicht auf dem Metall, sodass sich das Aluminium ungehindert im Essen ablagert.

  • Weitgehend unbedenklich sind die Joghurtbecher-Deckel und Tuben, da das Metall mit einer unsichtbaren Schutzschicht überzogen wird, um die Produkte haltbarer zu machen.

  • Vorsicht geboten ist aber bei Schlemmerfilets und anderen Fertiggerichten, die mit einer Schale in den Ofen gelegt werden. Denn Hitze verstärkt den Prozess des Ablösens. Deshalb sollte man sein Mittagessen aus der Fertigschale nehmen und mit Backpapier in einer Auflaufform garen.

  • Auch bei Laugenbrezeln kann Gefahr lauern: Benutzt der Bäcker kein Backpapier und landen die Brezeln direkt auf dem Aluminiumblech, können die Brezeln mit Aluminium belastet sein.

  • Als Ersatz für die klassische Alufolie verwendet man am besten gewachstes Papier, Frühstücksbeutel, Frischhaltefolie oder Plastikdosen - denn auch das Aluminium von der Rolle hat keine Schutzschicht.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. rer. nat. Martin Smollich, Arbeitsgruppenleiter Pharmakonutrition
Institut für Ernährungsmedizin
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein - Campus Lübeck
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
(0451) 31 01 84 01
www.uksh.de

Prof. Dr. Edmund Maser, Direktor
Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaftler
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Campus Kiel
Brunswiker Straße 10
24105 Kiel
www.toxi.uni-kiel.de

Weitere Informationen
Bundesinstitut für Risikobewertung
Fragen und Antworten zu Aluminium in Lebensmitteln und verbrauchernahen Produkten
www.bfr.bund.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 03.12.2019 | 20:15 Uhr

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