Stand: 01.04.2019 16:22 Uhr  | Archiv

Fake News: Warum lassen wir uns belügen?

Holzfigur mit langer Nase (Pinocchio) © Fotolia.com Foto: psdesign1
Die Kinderbuchfigur Pinocchio nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau - doch bei jeder Lüge wird die Nase länger und länger.

Lügen sind Alltag: Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht ein wenig flunkern. Meist sind es kleine Abweichungen von der Wahrheit, die aus Höflichkeit erfunden werden oder um einen Fehltritt zu vertuschen. Und oft wird das gar nicht groß hinterfragt. Doch nicht immer bleibt es bei der harmlosen Alltagslüge. Vor allem im Internet entwickeln gezielte Falschmeldungen, sogenannte Fake News, eine gefährliche Brisanz - oft mit fatalen Folgen für die Betroffenen.

Warum lügen Menschen?

"Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen", "Bonsai-Katzen werden im Glas gehalten" oder "Impfen führt zu Autismus" - das sind nur drei von Tausenden von Fake News, die uns im Alltag begegnen. Falschmeldungen haben durch Internet und soziale Medien rasant zugenommen. Meistens stecken politische oder wirtschaftliche Absichten dahinter. Bei Hochstaplern hingegen ist Anerkennung das Motiv. Sie erfinden sich eine neue Identität und lügen dabei so geschickt, dass sie am Ende selbst dran glauben.

Falsches verbreitet sich schnelle als Wahres

Eine im Fachblatt "Science" veröffentlichte Studie von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge/USA zeigte, dass sich Falschmeldungen beim Kurznachrichtendienst Twitter schneller und weiter verbreiten als wahre Nachrichten. Das gilt besonders, wenn sie an niedere Instinkte appellieren und emotionale Reizthemen behandeln, über die sich jeder sofort empören kann. Sind sie einmal im Umlauf, sind Falschmeldungen nur schwer wieder aus der Welt zu schaffen.

Fake News sind oft leicht zu erkennen

Um festzustellen, ob Aussagen wahr oder falsch sind, reicht oft eine kurze Recherche. Immer mehr Vereine, Institutionen und Plattformen machen sich inzwischen daran, kursierende Falschmeldungen zu entlarven. So hat sich zum Beispiel der Verein Mimikama der Aufklärung von Internet-Gerüchten verschrieben. Auch die ARD hat mit dem faktenfinder ein entsprechendes Angebot etabliert, in dem Aussagen und vermeintliche Fakten auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden.

Lügen ist kein neues Problem

Fake News sind aber kein neues Phänomen. Gelogen wurde schon immer - sei es, um Politik zu machen, Stimmungen zu beeinflussen, Menschen zu manipulieren oder einfach aus Geldgier und Geltungsdrang:

  • Im Oktober 1869 fanden Arbeiter auf einer Farm im US-Staat New York die versteinerte Leiche eines vermeintlichen Riesen. Doch schon nach wenigen Wochen entlarvten Wissenschaftler den Fund als Fälschung.
  • Der böhmische Trickbetrüger Victor Lustig verkaufte 1925 den Eiffelturm an Schrotthändler und kassierte dafür 200.000 Franc.
  • Konrad Kujau produzierte und verkaufte in den 1970er-Jahren Gemälde, die angeblich von Adolf Hitler gemalt worden waren. Bekannt und berüchtigt wurde er aber erst zehn Jahre später durch die von ihm fabrizierten Hitler-Tagebücher, die das Magazin "Stern" auszugsweise druckte.
  • Ein wahrer Lügen-Meister war Frank Abagnale. Schon vor seinem 21. Geburtstag gab er sich erfolgreich als Pilot aus, arbeitete als Anwalt und als leitender Arzt in einer Notaufnahme. Durch raffinierte Scheckbetrügereien ergaunerte er nebenbei rund zweieinhalb Millionen Dollar, bevor man ihn fasste.
  • Der Schneider Wilhelm Voigt raubte 1906 als Hauptmann verkleidet die Stadtkasse von Köpenick.

Manche Lügen sind leichter zu ertragen als die Wahrheit

Eine australische Studie zeigte, dass Menschen dazu neigen, manche Lügen zu glauben, selbst wenn sie durch Fakten widerlegt werden. Eine gefälschte Nachricht erscheint vielleicht vertraut, weil sie gut zur Weltanschauung passt. Diese Lüge weiter zu glauben ist daher einfacher, als andere, neue Informationen zu verarbeiten. Dazu kommt: Wer beim Versuch, eine Lüge zu widerlegen, die Lüge wiederholt, macht sie durch die Wiederholung vertrauter und sie verfestigt sich weiter. Eine Lüge weiter zu glauben, ist also für viele Menschen leichter zu ertragen als die Wahrheit.

Männer lügen häufiger als Frauen

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und des Technion Israel Institute of Technology fassten für eine Meta-Studie, die im Januar veröffentlicht wurde, 565 Studien zur Psychologie der Unehrlichkeit zusammen. Sie fanden heraus, dass Männer grundsätzlich häufiger lügen als Frauen. Bei den untersuchten Experimenten sagten 42 Prozent der Männer und 38 Prozent der Frauen die Unwahrheit. Zudem logen jüngere Probanden häufiger als ältere.

Dieses Thema im Programm:

tagesschau24 | 02.04.2019 | 09:20 Uhr

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