Stand: 21.11.2019 12:31 Uhr

Windräder: Nur jedes achte mit 1.000-Meter-Abstand

Jedes vierte Windrad in Niedersachsen ist weniger als 400 Meter von einer Wohnsiedlung entfernt.

Um die Akzeptanz von Windkraftanlagen in der Bevölkerung zu erhöhen, will Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) einen Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohnsiedlungen durchsetzen. So steht es in einem Gesetzentwurf zur "Stärkung des Ausbaus der Windenergie an Land". Dagegen gibt es heftigen Gegenwind vonseiten der Windindustrie, aus dem eigenen Kabinett und aus den Bundesländern. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat sich ebenso dagegen ausgesprochen wie Umweltminister Olaf Lies (beide SPD). Denn diese Vorgabe würde den Ausbau der für die Klimaschutzziele benötigten Windenergie stark eindämmen. Aktuell hält in Niedersachsen nur knapp jedes achte Windrad den avisierten 1.000-Meter-Abstand ein.

Jedes vierte Windrad weniger als 400 Meter entfernt

6.431 Windräder zählt das niedersächsische Energieministerium zwischen Nordsee und Harz. Damit ist Niedersachsen das Windland Nummer eins in Deutschland. Nur 854 der Anlagen sind 1.000 Meter von einer Siedlung entfernt, wie aus einer Auswertung des Energieministeriums hervorgeht. 1.582 Anlagen haben demnach weniger als 400 Meter Abstand zu Wohnhäusern - das entspricht etwa jedem vierten Windrad in Niedersachsen. Besonders viele dieser Anlagen stehen im Landkreis Aurich. Insgesamt bildet der Nordwesten entlang der Küste den landesweiten Windenergie-Schwerpunkt.

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Weil: Politik mit Schuld an der Windkraft-Krise

19.11.2019 19:30 Uhr
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1.000-Meter-Regel: Nur Bruchteil der Landesfläche nutzbar

Mit einem vorgegebenen Abstand von 1.000 Metern zu Siedlungen könnten in Niedersachsen nur 3,61 Prozent der Landesfläche für Windkraft genutzt werden, wie aus Karten des Energieministeriums hervorgeht. Bei 800 Metern wären es 6,75 Prozent der Landesfläche und bei 400 Metern 20,62 Prozent. Sollte das Gesetz mit dem 1.000-Meter-Mindestabstand verabschiedet werden, hätte dies auch Folgen für alte Windräder, die sich innerhalb der Sperrzone befinden: Laut einer Studie des Umweltbundesamts zu "Auswirkungen von Mindestabständen zwischen Windenergieanlagen und Siedlungen", könnten alte Windräder nicht modernisiert werden, die nach Ablauf von 20 Jahren nicht mehr nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vergütet werden.

Weil will von Öffnungsklausel Gebrauch machen

Ministerpräsident Weil hat bereits angekündigt, dass Niedersachsen eine potenzielle 1.000-Meter-Regel nicht übernehmen werde. Sollte das Gesetz kommen, werde Niedersachsen von einer Öffnungsklausel Gebrauch machen, kündigte er an. Der Ausbau der Windenergie an Land ist zuletzt ins Stocken geraten. Das bringt auch die Branche ins Straucheln. Erst vor Kurzem kündigte der Anlagenbauer Enercon aus Aurich an, rund 3.000 Stellen abzubauen, davon etwa die Hälfte in Ostfriesland. Laut Weil sind in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze in der Windenergiebranche verloren gegangen. "Wenn es so weitergeht, dann wird es in Zukunft keine deutsche Windindustrie mehr geben", sagte Weil am Dienstag in einer Regierungserklärung im Niedersächsischen Landtag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 21.11.2019 | 17:00 Uhr

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