Stand: 10.09.2020 21:27 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Schweinepest alarmiert Landwirte in Niedersachsen

Wildschweine bei der Nahrungssuche. © dpa-Bildfunk Foto: Lino Mirgeler
Der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest in Deutschland wurde bei einem toten Wildschwein im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße bestätigt. (Themenbild)

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat Deutschland erreicht. Am Donnerstag hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) den ersten Fall bei einem toten Wildschwein in Brandenburg, nahe der polnischen Grenze, bestätigt. Für Menschen sei die Seuche zwar ungefährlich, bei Schweinen ende sie jedoch fast immer tödlich, sagte Klöckner. Für Niedersachsen ist der Nachweis alarmierend. Denn hier werden mehr als acht Millionen Schweine gehalten. "Wir sind in höchster Alarmbereitschaft", sagte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU).

VIDEO: Afrikanische Schweinepest erreicht Deutschland (7 Min)

Pest könnte auf Hausschweine übergreifen

Angespannt ist auch die Stimmung bei Haltern. "Wir sind schon sehr besorgt“, sagte der Vizepräsident des Landvolks, Jörn Ehlers, im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen. Denn mit dem Fund des infizierten Wildschweins in Brandenburg steige auch die Gefahr, dass die ASP auf den Hausschweine übergreift. Da die ASP aber nicht überraschend kommt, sieht Ehlers die Landwirte insgesamt gut vorbereitet. Es habe häufiger Übungen für den Seuchenfall gegeben. Auch die Veterinärämter und Landkreise sehen sich gut auf einen Seuchenausbruch präpariert. Krisenpläne lägen vor, heißt es aus verschiedenen Regionen.

Otte-Kinast sieht das Land "gut vorbereitet

"Niedersachsen ist auf den Ernstfall gut vorbereitet", betonte Otte-Kinast. Das Land habe diverse Maßnahmen umgesetzt um eine Einschleppung der ASP zu verhindern und im Fall eines Ausbruchs bestmöglich vorbereitet zu sein. Das Ministerium verweist in diesem Zusammenhang auf Infoveranstaltungen, die Ausgabe von Merkblättern sowie regionale und landesweite Übungen. Zudem stellt das Ministerium die Bedeutung der Jagd heraus - für eine "wirkungsvolle Prävention und eine effektive Seuchenbekämpfung".

Wirtschaftliche Folgen durch Exportstopp

Trotz Vorbereitung auf die ASP und Zuversicht könnte der Fall in Brandenburg auch für Niedersachsens Schweinebauern wirtschaftliche Folgen haben. Das Landwirtschaftsministerium hält die Sorge für berechtigt, dass Länder außerhalb der EU nun Handelsbeschränkungen für den Export von Schweinefleisch verhängen. Laut Ehlers könnte insbesondere Asien den Import von deutschem Schweinefleisch verbieten. In der Folge würden die Preise für Schweinefleisch fallen. Der Vorsitzende des Bauernverbands Nordost-Niedersachsen, Thorsten Riggert, fürchtet gar eine Pleitewelle unter Schweinehaltern. Der Verband bezeichnete den ersten Fall von Schweinepest in Deutschland als Katastrophe für die mehr als 5.000 Schweinehalter in Niedersachsen.

Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen einhalten

Schweinezüchter wollen nun aber erst einmal den Fokus auf die Eindämmung der ASP legen. So will etwa das Veterinäramt in der Grafschaft Bentheim die Landwirte jetzt verstärkt über Sicherheitsmaßnahmen informieren. Um den Eintrag der Seuche in die Ställe zu verhindern, rät Veterinäramtsleiter Hermann Kramer, das sowohl die Landwirte als auch andere Stall-Besucher, etwa Handwerker, die eingerichteten Hygieneschleusen nutzen. Dazu gehöre auch der Wechsel von Stiefeln und Kleidung vor dem Betreten des Stalls. Zudem sollten die doppelt umzäunten Auslaufgehege regelmäßig kontrolliert werden. Mit den doppelten Zäunen soll ein möglicher Kontakt zwischen Hausschweinen und Wildschweinen verhindert werden.

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Veterinäramt mahnt Jäger zu besonderer Vorsicht

Besonders in der Pflicht sieht Kramer Jäger, die regelmäßig an der polnischen Grenze - also auch in Brandenburg - auf die Pirsch gehen. Das seien nicht wenige in der Grafschaft Bentheim. Er rät zur Vorsicht: "Auch Dinge, die erlaubt sind, sind manchmal nicht statthaft." So rät er davon ab, Wild aus Brandenburg in den Westen Deutschlands zu bringen. Denn damit sei immer ein deutlich erhöhtes Risiko verbunden, diese Seuche einzuschleppen. Zudem müssten Jäger ihre Fahrzeuge und ihr Material, das sie dort in der Jagd im Wald einsetzen, immer gründlich reinigen. Auch dürften Jäger unter keinen Umständen mit ihrer Jagdkleidung in den Schweinestall gehen.

Schweinehaltung in Niedersachsen

- Niedersachsen erzeugt von allen Bundesländern das meiste Schweinefleisch. Bundesweit lag die sogenannte Schlachtmenge im ersten Halbjahr 2020 bei 2,6 Millionen Tonnen.
- Knapp ein Drittel der bundesweit etwa 25,4 Millionen Tiere (Mai 2020) werden hier gehalten. Das Landesamt für Statistik (LSN) weist für Niedersachsen einen Wert von 8,3 Millionen Schweinen aus (Daten vom November 2019).
- Etwa 5.300 schweinehaltende Betriebe zählt das LSN - bundesweit sind es knapp viermal so viele (20.400).
- Seit Jahren geht der Trend hin zu immer mehr Schweinen in weniger Betrieben. Zum Vergleich: 2002 gab es in Niedersachsen knapp 20.000 schweinehaltende Betriebe. Diese hielten rund 7,8 Millionen Tiere.
- Die Region um Vechta und Cloppenburg wird im Volksmund als Schweinegürtel bezeichnet. Hintergrund ist die im bundesweiten Vergleich besonders große Zahl an Betrieben mit Massentierhaltung in diesem Raum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.09.2020 | 12:00 Uhr

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