Wendelin Schmücker, Schäfer, geht mit seinen Schafen über eine Wiese. © picture alliance/dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Schafhalter fordern Regulierung des Wolfsbestandes

Stand: 31.08.2021 17:54 Uhr

Mit Herdenschutzhunden und immer höheren Zäunen versuchen niedersächsische Schafhalter, Übergriffe von Wölfen zu verhindern. Oft allerdings ohne Erfolg. Sie fordern, den Wolfsbestand zu regulieren.

"Herdenschutz ist utopisch. Ich kann nicht ewig den Wölfen davonlaufen, jeder Zaun ist schon überwunden worden", sagt der Vorsitzende des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung, Wendelin Schmücker. 2018 hat er nach eigenen Angaben als Wanderschäfer im Landkreis Lüneburg 28 Tiere verloren. Wenn der Bestand nicht reguliert werde, sei die Schafhaltung dahin, sagt Schmückers Vater Adolf, der seinen Betrieb an den Sohn übergeben hat.

Andere Tierhalter geben aus

Wendelin Schmücker, Schäfer, baut einen Weidezaun auf. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze
Auf Wanderschaft baut Schmücker jeden Tag einen Zaun auf. Das sei teuer und anstrengend, sagt er.

Wenn er jetzt auf Wanderschaft sei, baue er jeden Tag unter Strom stehende Zäune auf, so Wendelin Schmücker. Die jedoch seien teuer - "60 Euro für 50 Meter" - , zudem komme er an den Rand der körperlichen Belastbarkeit. Andere Schäfer, wie beispielsweise Kay Krogmann, haben darauf keine Lust mehr. Der Deichschäfer gibt seinen Familienbetrieb bei Cuxhaven Ende des Jahres auf. Die Wolfsrisse hätten ihn mürbe gemacht, sagt der 41-Jährige. Weder Zäune noch Kameras noch Esel hätten geholfen, den Wolf fernzuhalten. Hunde will Krogmann wegen der vielen Touristen an der Nordseeküste nicht anschaffen.

Minister für Obergrenze beim Wolfsbestand

Wie viele andere Tierhalter wünscht Krogmann sich eine Regulierung des Wolfsbestandes. Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) befürwortet eine Obergrenze. Benötigt werde ein Grenzwert, liege die Zahl der Wölfe über dieser Akzeptanzgrenze, müsse der Bestand reguliert werden, sagt der Minister. Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 1.477 Nutztiere durch Wölfe gerissen. 38 Rudel leben inzwischen im Land, 2017 waren es laut Lies lediglich zehn.

Videos
Eine Menschenkette auf einem Deich für eine größere Regulierung von Wölfen.
7 Min

Aktionstag: Menschenkette gegen den Wolf

Kay Krogmann war einer der Teilnehmer. Der Deichschäfer gibt seinen Betrieb auf - einen Schutz für seine Tiere gäbe es nicht. (11.07.2021) 7 Min

Naturschützer gegen Abschuss

Umweltschützer sprechen sich nach wie vor gegen einen möglichen Abschuss aus. Herdenschutz wirke sich langfristig aus, heißt es zum Beispiel vom NABU. In Gegenden, in denen der Wolf länger präsent sei und in denen bereits seit längerem Herdenschutz betrieben werde, gingen die Risszahlen nachweislich zurück. Die Schmückers aus Winsen an der Luhe haben übrigens noch keinen Zuschuss für Zäune in Anspruch genommen. Dafür müsse man sich für fünf Jahre verpflichten, den Betrieb weiterzuführen, sagen sie. Das Risiko sei ihnen bisher zu groß gewesen.

Weitere Informationen
Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. © dpa-Bildfunk Foto: Lino Mirgeler

Umweltminister Lies fordert erneut Obergrenze für Wölfe

Der Minister hat ein Gutachten dazu angekündigt, wie viele Wölfe nötig sind, um die Art nicht zu gefährden. (20.08.2021) mehr

Jörn Ehlers (l.), Vizepräsident Landvolk Niedersachsen, übergibt die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Thema Wolf an Olaf Lies (SPD), Umweltminister in Niedersachsen. © picture alliance/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Umfrage zu Wölfen im Land: Mehrheit begrüßt Rückkehr

Über 70 Prozent seien aber gegen "unregulierte Ausbreitung". Das Umfrageergebnis wurde Umweltminister Lies präsentiert. (05.07.2021) mehr

Trecker stehen bei einer Demo in einer Reihe. An einem hängt ein Banner mit der Aufschrift: "Wolf, nein danke". © NonstopNews

Wippingen: Demonstranten fordern mehr Schutz vor Wölfen

Nach einer mutmaßlichen Wolfsattacke auf eine Kuh haben sich am Sonnabend im Emsland Hunderte Menschen versammelt. (12.06.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.07.2021 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident Niedersachsen, spricht in der Landespressekonferenz im niedersächsischen Landtag. © dpa Foto: Julian Stratenschulte

Omikron-Variante: Weil fordert allgemeine Impfpflicht

Mit der Virus-Variante gebe es eine neue Lage, so der Ministerpräsident. Auch einen harten Lockdown schließt er nicht aus. mehr