Stand: 27.04.2020 21:12 Uhr

Niedersachsen: 70.000 Schüler zurück im Unterricht

Eine Lehrerin unterrichtet mit Mundschutz eine Klasse, die ebenfalls Mundschutz trägt.  Foto: Torben Hildebrandt
Schüler und Lehrer wie hier an der KGS Schwarmstedt müssen Abstands- und Hygieneregeln beachten.

In Niedersachsen hat am Montag der Unterricht an den Schulen teilweise wieder begonnen. Zunächst durften Schülerinnen und Schüler der Abiturklassen und der Jahrgangsstufen 9 und 10, die ihren Haupt- beziehungsweise Realschulabschluss machen, zurück in die Klassen. Die Schulbehörden waren mit dem Wiederanlauf zufrieden. Der Start scheint weitgehend gelungen. Das zeigten erste Rückmeldungen, wie das Kultusministerium am Montag mitteilte. Die Schulen hätten präzise geplant und umfangreich vorgedacht. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) räumte zugleich ein, dass es Zeit brauche, bis alles wieder in gewohnten Bahnen laufe. Er kündigte an, dass die man auf entsprechende Rückmeldungen kurzfristig reagieren werde.

VIDEO: Gesamtschule Langenhagen: Lernen auf Abstand (3 Min)

Rund 70.000 Schüler sind zurück

Landesweit begann der Unterricht für 70.000 Schüler, wie das Kultusministerium auf Anfrage des NDR in Niedersachsen mitteilte. Demnach stünden 11.600 Schüler - 5.500 an Gymnasien, 4.100 an Gesamtschulen - vor dem Abitur. Rund 58.000 werden ihre Abschlussprüfungen in der Sekundarstufe I antreten. Eine genaue Anzahl sei "vorab nicht exakt zu ermitteln, da insbesondere in Bezug auf den 9. Schuljahrgang erst nach der Durchführung konkrete Zahlen vorliegen", hieß es von einem Ministeriumssprecher. Die übrigen Klassenstufen sollen in den kommenden Wochen schrittweise in den Unterricht an den Schulen einsteigen.

Gelungener Start in Schwarmstedt

An der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Schwarmstedt im Heidekreis ging es zum Schulstart ziemlich entspannt zu. Nur 85 Schüler waren da, jede Klasse hat ihre eigenen Toiletten und Waschbecken. Von den rund 60 Klassenräumen wurden gerade einmal sechs genutzt. Auf den Fußböden sollen Linien für die Einhaltung des Mindestabstands sorgen, manche Flure wurden mit roten Kordeln gesperrt. "Alles funktioniert sehr gut", sagte Lehrerin Isabel Fischer NDR 1 Niedersachsen zum Wiederanlaufen des Unterrichts.

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Lehrerverband bemängelt sanitäre Anlagen

Wegen der Corona-Pandemie gelten an allen Schulen strikte Abstands- und Hygieneregeln. Masken müssen allerdings nicht getragen werden. Ein Rahmenhygieneplan soll gewährleisten, dass das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduziert wird. Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte kritisierte vorab, dass dieser Plan vielerorts kaum einzuhalten sei. So würden in zahlreichen Klassenräumen Waschbecken fehlen. Außerdem gebe es auf vielen Schultoiletten kein warmes Wasser.

Viel Disziplin erforderlich

Die Maßnahmen setzen insbesondere beim Einhalten der Abstände eine hohe Disziplin der Schüler voraus. Diese müssen eine feste Sitzordnung einhalten. Außerdem gibt es Wegekonzepte, damit sich in den Pausen nicht alle gleichzeitig durch die Gänge bewegen.

Schülerin: "Wie Versuchskaninchen"

An der Ursulaschule in Osnabrück kehrten 50 Abiturienten an die Schule zurück. Einige von ihnen dies vorab mit großer Sorge. "Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin ein Versuchskaninchen", sagte Schülerin Lea Herkenhoff NDR 1 Niedersachsen. "Wir atmen die gleiche Luft, wir gehen auf die gleichen sanitären Anlagen. Da kann man das Risiko nicht komplett zurückfahren." Sie und einige Mitschüler hätten daher die Befürchtung, dass sich die Schulen zu Corona-Herden entwickeln könnten.

Kultusministerium hält an Abitur-Prüfungen fest

Herkenhoffs Jahrgangsstufe hat sogar einen Brief ans Kultusministerium verfasst - mit dem Wunsch, das Abi ausfallen zu lassen und stattdessen die Durchschnittsnote heranzuziehen. Die erhoffte Resonanz blieb jedoch aus: Nach aktuellem Stand sollen die Prüfungen am 11. Mai beginnen. "Das ist eine ziemliche psychische Belastung", so Herkenhoff. "Unter den Bedingungen ist es wirklich schwierig, ein faires Abitur zu schreiben."

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