Halbzeit beim Neun-Euro-Ticket: Bilanz und Forderungen

Stand: 15.07.2022 20:31 Uhr

Das Neun-Euro-Ticket hat zu einer deutlich gestiegenen Nachfrage im Nahverkehr geführt. Angesichts des Erfolges hat die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mehr Einsatz des Bundes gefordert.

Das Ticket sei auf großes Interesse gestoßen, woraus der Bund "seine Schlüsse ziehen" sollte, sagte der Sprecher der Landesnahverkehrsgesellschaft, Dirk Altwig, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ) am Freitag. Bisher ist das Angebot des Neun-Euro-Tickets auf die Monate Juni, Juli und August beschränkt.

VIDEO: Ein Monat Neun-Euro-Ticket: Wie fällt die Bilanz aus? (05.07.2022) (3 Min)

Althusmann für Verlängerung des Tickets

Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) hatte sich für eine Verlängerung des Neun-Euro-Tickets im Nahverkehr über den August hinaus ausgesprochen. Er forderte, dass die Tarifstrukturen in Niedersachsen und Deutschland angepasst werden müssten. Jedem Bürger solle es möglich sein, einfach ein Ticket über die App zu einem vernünftigen Preis kaufen zu können. Dafür brauche es, so Althusmann, ein bezahlbares und langfristiges Gesamtkonzept. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte zuletzt erklärt, er rechne nicht mit einer Verlängerung des Neun-Euro-Tickets, da es keine Anzeichen für ein weiteres finanzielles Engagement des Bundes gebe.

Nahverkehr: Deutlich gestiegene Nachfrage

Bereits im Juni wurden Branchenangaben zufolge 21 Millionen der bundesweit im Nahverkehr gültigen Fahrscheine verkauft. Werden Abonnenten von Monatskarten dazugerechnet, besaßen insgesamt mehr als 30 Millionen Menschen eine Fahrkarte. "Wir sehen in den Nahverkehrszügen eine erfreulich gestiegene Nachfrage", sagte Altwig. "Wir würden gerne mehr Wagen einsetzen, aber das ist nicht möglich, weil das Netz bereits jetzt überlastet ist."

Regionalverband Braunschweig fordert mehr Geld für ÖPNV

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass das Neun-Euro-Ticket einen Nerv bei der Bevölkerung getroffen habe, sagt der Vorsitzende des Regionalverbands Braunschweig, Detlef Tanke. Er fordert, dass es auch nach dem bisher geplanten Ende des Neun-Euro-Tickets weiterhin einen günstigen Fahrschein gibt - zum Beispiel ein 365-Euro-Jahresticket für Niedersachsen oder für bundesweite Fahrten ein Ticket für 1.095 Euro. So könnte das Ziel erreicht werden, bis zum Jahr 2030 doppelt so viele Fahrgäste zu gewinnen. Bund und Land müssten für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) deutlich mehr Geld bereitstellen.

Vechta: 35 Prozent mehr Fahrgäste

Die Beliebtheit des Neun-Euro-Tickets wird auch in den Bussen der Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd bemerkt, wie eine Sprecherin berichtet. Geschäftsführer Thomas Bojes von der Verkehrsgemeinschaft im Landkreis Vechta sagt, man verzeichne 35 Prozent mehr Fahrgäste. Das seien Menschen, die vorher keine Dauerkarte besaßen. Viele Fahrgäste ließen das Auto für den Weg zur Arbeit stehen und führen stattdessen mit dem Bus, so Bojes. Meistens werde das Ticket für Ausflüge benutzt. Das lasse sich zum Beispiel an der Auslastung der Bahnunternehmen am Wochenende erkennen.

Kein spürbarer Effekt in Osnabrück

Laut eines Sprechers der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück gibt es in der Stadt keinen spürbaren Effekt durch das Neun-Euro-Ticket. Das sei aber erwartbar gewesen, denn die Menschen in Osnabrück würden lieber mit dem Fahrrad als mit dem Bus fahren. Dennoch sei die Verkehrsgemeinschaft zufrieden, da die Menschen nun eher auf Bus und Bahn umsteigen als vorher. Dies sei ein Grund, weshalb sich auch die Verkehrsbetriebe in der Region Osnabrück einen Nachfolger für das Neun-Euro-Ticket wünschen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 15.07.2022 | 06:30 Uhr

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