Stand: 06.08.2018 12:24 Uhr

Freiwillige Feuerwehr als UNESCO-Kulturerbe?

Feuerlöschen als Kulturerbe: Aus dem Nordosten Niedersachsens kommt ein Vorschlag für das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO. Und der hat aus Sicht der Freiwilligen Feuerwehr Norden im Landkreis Aurich gute Gründe. Es scheint selbstverständlich, dass bei einem Brand oder einem Unfall die Feuerwehr kommt. Doch was viele nicht wissen dürften: Die wenigsten Feuerwehrleute, die teils unter Einsatz ihres Lebens Feuer bekämpfen oder Unfallopfer aus Autowracks schneiden, bekommen für ihren Einsatz Geld. Denn: Der Großteil der Feuerwehrleute gehört nicht zu einer der Berufsfeuerwehren in 105 Städten.

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"Das System ist einmalig"

Im Jahr 2015 gab es deutschlandweit in 22.690 Freiwilligen Feuerwehren insgesamt 996.688 ehrenamtliche Mitglieder. Demgegenüber stünden "nur" 31.308 Berufsfeuerwehrleute, teilte die Freiwillige Feuerwehr Norden in einer Pressemitteilung mit. Und das ist, international betrachtet, gar nicht so selbstverständlich, wie Thomas Weege, stellvertretender Stadtbrandmeister von Norden, dem NDR sagte. Er wisse nur von Österreich, den Niederlanden und Süd-Tirol, wo es ebenfalls freiwillige Wehren gebe, wenn auch in kleinerem Umfang. Regierungsbrandmeister Ernst Hemmen fasste es gegenüber NDR.de so zusammen: "Das System ist einmalig."

Oft fehlten Verständnis und Respekt für die Feuerwehrleute

Auf die Kulturerbe-Idee machte laut der Pressemitteilung Angela Lißner, Leiterin des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz bei der Polizeidirektion Osnabrück, in ihrer Eröffnungsrede der 9. Norddeicher Feuerwehrtage aufmerksam. Lißner sprach demnach vom hohen Stellenwert der Freiwilligen Feuerwehren für die Gesellschaft und von der hohen Professionalität der Einsatzkräfte. Und dennoch fehlten oftmals Verständnis, Respekt und Anerkennung, heißt es in der Pressemitteilung der Norder Freiwilligen Feuerwehr. Zudem bringe der Dienst bei der Feuerwehr nächtliche Einsätze sowie physische und psychische Gefahren mit sich.

Hoffnung: Mehr Nachwuchs bei den Feuerwehren

Mit einem Eintrag in die UNESCO-Liste hofft Regierungsbrandmeister Hemmen, das System der freiwilligen Feuerwehren und damit einen flächendeckenden Schutz zu sichern. Ein Überangebot an Beschäftigungsmöglichkeiten im Freizeitbereich mache es den Wehren schwer, Nachwuchs zu finden, sagte Hemmen NDR.de. Und Hemmen hofft, mit einem UNESCO-Siegel bei den Mitbürgern die Erkenntnis zu fördern, dass es doch nicht ganz so selbstverständlich ist, wenn Privatleute in ihrer Freizeit Brände löschen oder Unfallopfern helfen. Der Landesfeuerwehrverband habe schon signalisiert, die Idee zu unterstützen, sagte Hemmen. Jetzt sucht Hemmen beim Präsidenten des Bundesfeuerwehrverbandes um Unterstützung.

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Der Landtag hat die Altersgrenze für aktive Feuerwehrleute von 63 auf 67 Jahre angehoben. Mit diesem Schritt soll der Nachwuchsmangel bei vielen Feuerwehren abgefedert werden. (16.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 07.08.2018 | 17:00 Uhr

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