Eine alte Frau sitzt in einem Rollstuhl, der Kamera abgewandt. © photocase.de Foto: davidpereiras

Corona in Altenheimen: Ermittlungsverfahren vor Einstellung

Stand: 04.10.2020 11:45 Uhr

In der Corona-Pandemie gelten Altenheime als gefährdet. Im März und April kam es in Bramsche, Wildeshausen und Wolfsburg zu tödlichen Ausbrüchen. Seitdem wird ermittelt - oft ins Leere.

Acht Menschen starben nach einem Corona-Ausbruch Ende März in einem Altenheim in Wildeshausen. Der Landkreis Oldenburg stellte Strafanzeige gegen den Betreiber, die Staatsanwaltschaft Oldenburg nahm Ermittlungen auf wegen des Verdachts des Verstoßes gegen die Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes und möglicher andere Straftaten. Sechs Monate später steht das Verfahren vor der Einstellung. Stand jetzt gebe es keinen konkreten Verdacht darauf, dass die Fälle als Straftaten wie fahrlässige Körperverletzung oder fahrlässige Tötung zu werten seien, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg mit.

Fehlende Obduktionen erschweren Ermittlungen

Schwierig gestalten sich auch die Ermittlungen im Fall eines Altenheims in Bramsche bei Osnabrück. 25 Menschen starben infolge eines Corona-Ausbruchs Anfang April im Alloheim. Wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung nahm die Staatsanwaltschaft Osnabrück Ermittlungen gegen den mittlerweile abgelösten Heimleiter auf. Das Verfahren läuft noch, eine Verurteilung hält ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück aber für unwahrscheinlich. So müsse unter anderem nachgewiesen werden, dass die Menschen tatsächlich an dem Virus gestorben seien und nicht an einer anderen Ursache. Der Nachweis dafür ist nahezu unmöglich: Die Opfer wurden nicht obduziert. Die zuständige Rechtsmedizin habe seinerzeit keine Corona-Fälle angenommen, so der Sprecher.

Verfahren gegen Diakonie-Vorstand läuft noch

In Schutzkleidung stehen Pflegekräfte am Hanns-Lilje-Heim in Wolfsburg. © dpa Foto: Peter Steffen
Im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim starben nach einem Corona-Ausbruch mehr als 40 Menschen (Archivbild).

Im Fall des Corona-Ausbruch Ende März im Wolfsburger Hanns-Lilje-Heim, bei dem mehr als 40 Menschen starben, ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Frühestens im November erwarte man einen Abschluss, teilte ein Sprecher mit. Die Ermittlungen richten sich gegen den Vorstand der Diakonie Wolfsburg als Betreiberin des Heims für Menschen mit Demenz-Erkrankungen. Wie in Bramsche und Wildeshausen lautet der Vorwurf auch hier fahrlässige Tötung.

Aktuelle Fälle nehmen wieder zu

Nachdem sich zu Beginn der Pandemie in Niedersachsenfolgenschwere Corona-Ausbrüche in Altenheimen häuften, stellte das Gesundheitsministerium im Sommer eine Beruhigung der Lage fest. Mittlerweile nehmen die Ausbrüche in Altenheimen wieder zu - etwa in Vechta und in Neu Wulmstorf (Landkreis Harburg).

 

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 04.10.2020 | 10:00 Uhr

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