Stand: 29.03.2020 08:49 Uhr

Corona: Sommersemester startet digital - aber wie?

Ein leerer Hörsaal an der Universität. © dpa Foto: Peter Endig
Ein Hörsaal im Sommersemester 2020: Zurzeit sitzen die Studierenden am heimischen Schreibtisch. (Themenbild)

Leere Hörsäle, verschlossene Bibliotheken: In Corona-Zeiten stehen auch die Universitäten und Hochschulen in Niedersachsen vor großen Herausforderungen. Während die Einrichtungen dicht sind, soll das Sommersemester für die Studierenden "kein verschenktes Semester" sein, sagt Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Universität Hildesheim und Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz (LHK), dem NDR Niedersachsen. Für ihn und seine Kollegen ist klar, die Hochschulen im Land müssen dieser Tage handlungsfähig bleiben. Darum wollen die 20 Einrichtungen verstärkt Lehrveranstaltungen online anbieten, erklärte Friedrich.

"Können uns nicht zurücklehnen"

Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich Präsident der Universität Hildesheim steht vor einem Universitätsgebäude.
Sieht große Versäumnisse in Sachen Digitalisierung: LHK-Vorsitzender und Hildesheims Uni-Präsident Friedrich.

"Das Semester ausfallen zu lassen, hätte zu drastische Folgen für die Studierenden", sagt der LHK-Vorsitzende. Und das nicht nur, weil diesen für die Unterstützung durch Bafög auch Studienleistungen nachweisen müssten. Folgen hätte es auch für die Lehre und Wissenschaft: Labore an den Hochschulen und Universitäten müssten aufrecht erhalten werden. Ohne wissenschaftliche Forschung, ohne wissenschaftlich ausgebildetes Personal "wären wir alle nur noch Opfer der Pandemie". Außerdem: In Zeiten des Lehrermangels, "können wir uns zum Beispiel in Hildesheim nicht einfach zurücklehnen und die Ausbildung der Studierende unterbrechen", so Friedrich.

Unis wollen nach Ostern ins Semester

"Wir starten digital" lautet die Ansage der Hochschulen. Lehrmaterialien sind laut LHK in Datenbanken abrufbar und geprüft werden kann demnach via Skype. E-Learning-Kompetenzen würden gebündelt und ausgebaut. Die Hochschulen für angewandten Wissenschaften arbeiteten bereits auf diese Weise, die Universitäten folgen nach Ostern.

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Diskussionen in den digitalen Raum übertragen

Die Universität Hildesheim steckt mitten in der Vorbereitung. Konkret bedeutet das: Online-Zugänge für die Studenten müssen funktionieren, "wir schaffen Chat- und digitale Konferenzräume", erklärt Ewald Brahms, Leiter der Universitätsbibliothek und Vorstand des Zentrums für digitalen Wandel an der Uni. Es gilt in dieser kurzen Zeit eine Infrastruktur auf- und auszubauen. Von den 1.800 Lehrveranstaltungen in Hildesheim sollen mindestens 700 elektronisch stattfinden. Das Ziel ist es, die Diskussionen in Seminarräumen und Hörsälen ins Digitale zu übertragen. Und da gilt es auch Unterstützung zu geben - nicht nur für die Studenten, sondern auch für die Lehrenden, mit Anleitungen, Hotlines, Anlaufstellen.

"Es wird eine rumpelige Fahrt"

Den kompletten Lehrbetrieb mal so im Internet stattfinden zu lassen, das sei nicht auf Anhieb umsetzbar. "Es wird zunächst ein sehr stark eingeschränktes Angebot geben", sagt Uni-Präsident Friedrich, "aber es gibt ein Angebot." Und dieses würde im Lauf des Semesters weiter ausgeweitet werden. So oder so, und darauf weist der LHK-Vorsitzende hin: "Es wird eine sehr rumpelige Fahrt."

Ausbauprogramm liegt beim Ministerium

Dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium hat die Landeshochschulkonferenz bereits ein Programm zum Ausbau der Informations-Infrastruktur vorgeschlagen, den es braucht, um den Betrieb online stattfinden zu lassen. Das Programm umfasst Sofortmaßnahmen für das Jahr 2020 und ein Anschlussprogramm bis 2025. Dabei gehe es um mehrere Millionen Euro, sagt Friedrich. Hochschulen benötigen laut LHK einen deutlichen Ausbau ihrer lokalen Lernsysteme, Softwarelizenzen sowie mehr IT-Beratung für die Studierenden und das Lehrpersonal.

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Ziel und Forderung: Ein Landeswissenschaftsnetz

Neben dem lokalen IT-Ausbau, bei dem die Besonderheiten jeder Hochschule im Zentrum stehen, müssten ergänzend gemeinsame Daten- und Rechendienste geschaffen werden. "Wir brauchen eine zusätzliche Speicherbedarf von geschätzten 50 Prozent zu den bestehenden Speicherkapazitäten, sonst können wir das online nicht schaffen", sagt Friedrich. Am Ende steht das Ziel, ein Landeswissenschaftsnetz zu errichten, das die einzelnen Hochschulen miteinander verbinde, hieß es.

"Werden Prüfungen nach hinten verschieben"

Nach Angaben der Landeshochschulkonferenz sind an Niedersachsens Hochschulen rund 210.000 Studierende eingeschrieben, mehr als 40.000 Menschen sind beschäftigt. Die Hochschulen arbeiteten im Krisenmodus – "aber wir arbeiten", hieß es dem Zusammenschluss. Jede Hochschule organisiere eigenverantwortlich das kommende Sommersemester.

Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) habe an die Universitäten appelliert, ihr Recht auf Selbstverwaltung voll auszuschöpfen, sagt Friedrich. Das bedeutet: "Wir dürfen darüber entscheiden, wann Prüfungen stattfinden. Wir werden sie nach hinten verschieben und auch die Bewerbungsfristen für Studieninteressierte werden nach hinten geschoben. Wir müssen flexibel handeln - im Sinne der Studierenden."

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 27.03.2020 | 19:30 Uhr

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