Stand: 21.04.2020 17:52 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Corona: Kita-Notbetreuung sorgt für Ärger und Frust

Jacken und Rucksäcke von Kindern hängen an einer Garderobe. © imago/Thomas Müller
Die Kita-Träger beklagen Unklarheiten bei den Kriterien für die Kita-Notbetreuung. (Symbolbild)

Die Lockerung der Kita-Notbetreuung in Niedersachsen führt nach Angaben großer Träger bei vielen Eltern zu Verunsicherung und Missverständnissen. Die Nachfrage habe in dieser Woche deutlich zugenommen, sagte Diakonie-Vorstandssprecher Hans-Joachim Lenke. Viele Eltern gingen fälschlicherweise davon aus, dass alle, die etwa in den wieder geöffneten Geschäften arbeiten, auch einen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekämen. Dies sei nicht der Fall, so Lenke. "Das führt natürlich zu Enttäuschungen und Ärger, den unsere Kita-Leitungen zu spüren bekommen."

Träger fordern mehr Handlungssicherheit

Auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) registriert eine deutliche Zunahme der Anfragen. Es werde bereits deutlich, dass die Aufnahmekriterien dringend nachgeschärft werden müssten, sagte AWO-Landesgeschäftsführer Marco Brunotte. "Hier brauchen wir als Träger mehr Handlungssicherheit, besonders vor dem Hintergrund begrenzter Kapazitäten."

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Spielraum bei der Umsetzung der Notbetreuung

Das Kultusministerium betonte nach einer Telefonschalte mit den kommunalen Spitzenverbänden, dass die Kita-Träger Spielraum bei der Umsetzung der Notbetreuung hätten. Das gelte etwa für den Hinweis, dass nicht mehr als fünf Kinder in einer Gruppe zusammenkommen sollen. Zudem sei die beispielhafte Nennung von Berufsgruppen, die die Betreuung für ihre Kinder nutzen können, weder vollständig noch lasse sich daraus ein Rechtsanspruch ableiten.

Komplizierte Definition der Berechtigten

Voraussetzung für die Teilnahme an der Notbetreuung ist laut der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung, dass mindestens ein Erziehungsberechtigter "in betriebsnotwendiger Stellung in einem Berufszweig von allgemeinem öffentlichen Interesse" arbeitet. Das sei für Eltern und Kita-Leitungen schwer verständlich und erfordere gute Erläuterungen, wenn nur wenige zusätzliche Plätze zu vergeben sind, beklagte Lenke. Dazu müssten praktische Leitfäden vom Kultusministerium kommen.

Einschränkungen wegen vorerkrankter Erzieherinnen

Sorge bereitet den Kita-Trägern außerdem der Umgang mit Risikogruppen bei den Beschäftigten. "Viele Erzieherinnen sind älter und haben Vorerkrankungen", sagte Lenke. Auch deshalb könnten die Kapazitäten nur behutsam und nicht überall erweitert werden. Kommunen und freie Träger stimmten sich derzeit über die Umsetzungskriterien ab. "Dann werden die Eltern um Nachweise durch ihre Arbeitgeber gebeten, sodass zum Ende der Woche hoffentlich Klarheit besteht, wer weitere Plätze in Notgruppen erhalten kann", sagte Lenke.

Dauer der Kita-Schließungen wird regelmäßig überprüft

Möglicherweise lösen sich die Probleme mit der Notbetreuung aber auch schneller als erwartet von selbst. Denn laut Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ist die Dauer der Kita-Schließungen bis zu den Sommerferien "keineswegs in Stein gemeißelt". Etwa alle zwei Wochen solle anhand der Infektionslage neu entschieden werden, betonte Tonne.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.04.2020 | 16:00 Uhr

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