Ein Bus der Göttinger Verkehrsbetriebe mit der Anzeige "Evakuierungsfahrt" ist während einer Evakuierung nach dem Fund einer mutmaßliche Fliegerbombe unterwegs. © dpa-Bildfunk Foto: Swen Pförtner/dpa

Bombenräumung in Göttingen - wohin mit 8.000 Menschen?

Stand: 08.01.2021 18:32 Uhr

Für Göttingen kommen die neuen Corona-Regeln zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Am 30. Januar wird in der Stadt nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Aber wohin mit den Menschen?

Eigentlich hatte die Stadt Göttingen schon ein Evakuierungskonzept in der Tasche. Schulgebäude wurden vorbereitet, um die 8.000 Menschen aufzunehmen, die während der Suche nach mehreren Blindgängern mitten im Stadtgebiet ihre Wohnungen verlassen müssen. Doch dann kam die neue Corona-Verordnung - und es entstand eine neue Situation. "Ich habe deswegen, als erkennbar war, dass die Räumaktion auf uns zukommen wird, mit dem Sozialministerium Kontakt aufgenommen und gefragt, ob wir da gemeinsam Lösungen erarbeiten können", sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) NDR 1 Niedersachsen.

Bei der Stadt fängt das große Rechnen an

Eine Antwort hat die Stadtverwaltung bislang noch nicht erhalten. Also muss Göttingens Ordnungsdezernent Christian Schmetz jetzt durchrechnen, wie viele Personen in die vorgesehenen Schulräume überhaupt zusammen evakuiert werden können. Wenn man vorher bis zu acht Personen in einem Raum hätte unterbringen können, so seien es jetzt durchschnittlich nur noch fünf, rechnet Schmetz beispielhaft vor.

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Die Stadt bittet um Rückmeldungen

Coronainfizierte sollen nach Schmetz' Worten in gesonderten Räumen untergebracht werden. Zum Evakuieren werden Shuttle-Busse angeboten, FFP2-Masken sollen verteilt und Schnelltests gemacht werden. Die Stadt sagt aber auch: Wer sich selbst woanders im privaten Umfeld unterbringen kann, soll das bitte tun. Darüber hinaus böten elf Göttinger Hotels rund 800 Zimmer an, jeweils für zwei Personen zum Preis von 77 Euro die Nacht. Um besser planen zu können, bittet Schmetz diejenigen, die untergebracht werden müssen, um eine Rückmeldung bei der Stadtverwaltung. Die Stadt hat dazu eigens eine extra Seite auf ihrer Homepage eingerichtet.

Ab Montag ist das Bürgertelefon freigeschaltet

Ab Montag verteilt die Stadt Info-Flyer bei betroffenen Anwohnenden. Außerdem wird ein Bürgertelefon unter der Rufnummer (0551) 400-4048 freigeschaltet und auf der Internetseite ein Liveticker eingerichtet. Schon jetzt ist klar, dass von der Bombenentschärfung am 30. Januar auch der Zugverkehr betroffen sein wird, weil der Göttinger Hauptbahnhof im Sperrbereich liegt. Auch das Heimspiel der Basketballer der BG Göttingen gegen Brose Bamberg fällt der Räumung zum Opfer und muss verlegt werden. Die Sparkassen-Arena liegt ganz in der Nähe der vermuteten Bombenfunde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.01.2021 | 12:00 Uhr

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