Stand: 25.07.2019 20:12 Uhr

42,6 Grad: Warum ist es gerade in Lingen so heiß?

Lingen ist am Donnerstagnachmittag Deutschlands heißester Ort.

Zum ersten Mal seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist die Temperatur in Deutschland auf 42 Grad gestiegen. Und das in Niedersachsen. Genauer: In Lingen im Emsland wurden am Donnerstagnachmittag laut Deutschem Wetterdienst (DWD) erst 41,5 Grad gemessen - auch schon ein Rekord. Kurz danach waren es 41,6 Grad - und dann wurde die 42-Grad-Marke geknackt, später kletterte die Temperatur sogar auf 42,6 Grad. Der DWD sprach von zum Teil vorläufigen Werten. Aber warum ist es gerade in dieser Region so warm?

Ein Thermometer zeigt  34 Grad in einem Ladenlokal.

Lingen knackt mit 42,6 Grad deutschen Hitzerekord

Hallo Niedersachsen -

Erstmals seit Aufzeichnung der Temperaturmessungen in Deutschland hat das Thermometer mehr als 42 Grad angezeigt. Lingen im Emsland war der heißeste Ort bundesweit.

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Meteorologe: Hitzewellen werden durch Klimawandel extremer

Das hat verschiedene Gründe, wie Meteorologe Niko Renkosik von Meteomedia erklärt. Zum einen ist entscheidend, woher die Luftmassen kommen. In der Region kommt die Luft häufig aus dem Südwesten, dort reicht "die Wärmezunge aus Frankreich oft herein", sagt Renkosik. Dass der neue Rekord deutlich höher liegt als der alte aus dem Jahr 1992 überrascht den Meteorologen nicht. "Wir leben in Zeiten des Klimawandels. Durch die Verschiebung der mittleren Temperatur sind die Hitzewellen einfach extremer", sagt der Meteorologe und äußert sein Unverständnis gegenüber Klimawandel-Kritikern: "Das ist, wie die Schwerkraft anzuzweifeln." Darüber hinaus müsse die Wetterlage für derartige Temperaturspitzen passen. Dies war beispielsweise im vergangenen Jahr nicht der Fall, weil die Luftmassen durch die skandinavischen Hochs nicht aus dem Südwesten ins Land strömten.

Spezielle Lage der Wetterstation in Lingen

Ein weiterer wichtiger Punkt: die Lage der Wetterstation. Die ist laut Stefan Zimmer vom DWD in Lingen eine besondere. "Die Station liegt mehr oder weniger innerstädtisch", erklärt der Meteorologe. Mit 22 Metern über dem Meeresspiegel liegt sie verhältnismäßig tief, zudem noch in einer kleinen Senke, sodass kaum Wind für Luftzirkulation sorgen kann. Auf der einen Seite liegt eine kleinere Straße, auf der anderen der Dortmund-Ems-Kanal. Laut Renkosik ist ein idealer Standort für eine Wetterstation ein großes freies Feld mit ein wenig Rasen, keine Betonflächen, die für zusätzliche Hitze sorgen und auch keine Hecke oder ähnliche Hindernisse, die einen Hitzestau verursachen könnten, sollte es in der Nähe geben. "Das ist natürlich nicht immer möglich", sagt Renkosik.

Der Deutsche Wetterdienst stellt bis 2021 sein Messnetz um und setzt teilweise andere Sensoren ein. In Lingen ist in diesem Februar umgestellt worden, auffällige Werte hat es laut Zimmer seitdem aber nicht gegeben.

Karte: Lage der Wetterstation Lingen

Krankenhaus: "Minimal mehr Hitzeerschöpfte"

Die Hitze in Lingen hat auch das Bonifatius Hospital erreicht. In der Zentralen Notaufnahme seien bislang aber nur "minimal mehr Fälle von Hitzeerschöpften, Patienten mit Schwächeanfällen oder Herz-Kreislaufproblemen im Vergleich zu 'normalen, wärmeren Tagen' verzeichnet", heißt es von Carsten Börner, dem ärztlichen Leiter der Zentralen Notaufnahme, und Johannes Hebbelmann, dem pflegerischen Leiter der Zentralen Notaufnahme. "Die behandelten Patienten waren im Alter zwischen 18 und 94 Jahren." Die Notaufnahme hätte wegen der Wettervorhersagen gut vorgesorgt: "Viele Infusionen sind bereitgestellt worden. Diese mussten in der überwiegenden Zahl bislang noch nicht zum Einsatz kommen."

Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten

Auch Tipps der Klinik zum Verhalten in der Hitze seien mit Blick auf die Wettervorhersage in der lokalen Presse erschienen. "Viele Menschen in Lingen und Umgebung scheinen diese Tipps beherzigt zu haben", hieß es weiter. In den Pflegeheimen in der Umgebung und auf den Stationen des Krankenhauses werde zudem auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet, "so dass auch von dort keine vermehrte Anzahl von Patienten aufgrund der Hitze etwa wegen Dehydrierung zu versorgen ist."

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Niedersächsischer Hitzerekord bereits am Vortag gebrochen

Lingen hat bereits am Mittwoch den niedersächsischen Hitzerekord von 1992 gebrochen: 39,1 Grad wurden gemessen. Bislang hatte die höchste Temperaturmessung seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Niedersachsen bei 38,6 Grad gelegen, verzeichnet in Faßberg und Bergen im Landkreis Celle im Jahr 1992.

Hitze verursacht Brände

Die Hitze hat vielerorts in Niedersachsen für Probleme gesorgt. So kam es zu Bränden in Ihlow im Landkreis Aurich sowie in den Landkreisen Oldenburg, Rotenburg, Cloppenburg und Osnabrück. In Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta brannten zudem ein Hühnerstall mit 86.500 Tieren sowie ein angrenzendes Feld ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.07.2019 | 07:00 Uhr

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