Zeitzeichen

27. Oktober 1275

Dienstag, 27. Oktober 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr

Die Gründung von Amsterdam
Ein Beitrag von Heiner Wember (WDR)

Wie kann aus einem Fischerdorf eine Weltstadt werden? Durch Fleiß, Mut und Immigration. Damit wurde Amsterdam zeitweise eine der wichtigsten Handelsstädte der Welt. Eine Stadt, die als Dorf im Sumpf entstand. Das Bauen dort hatte auch Vorteile. Das heutige Ijsselmeer als Zugang zu den Weltmeeren, zwei Flüsse münden hier: die Amstel und die Ij. Ideale Bedingungen für Fischfang und für Handel.

Amsterdam wurde groß mit einem Monopol auf Hamburger Bier in der Region. Geld, das die aufstrebende Stadt in den Bau schneller und großer Schiffe investierte. Die Amsterdamer gründeten 1602 eine Vereinigte Ostindische Companie. Sie wurde zum weltweit agierenden Großunternehmen. Skrupellos und erfolgreich. Amsterdam wurde zum Kaufhaus Europas mit Waren aus aller Herren Länder. Kriege gegen Großbritannien drängten den Einfluss der Niederlande zurück. Der Pioniergeist der Amsterdamer erlahmte. Das biedere Tulpen-Image passt vielleicht für die Nachkriegs-Niederlande, aber nicht für Amsterdam. Die Großstadt blieb ein Schmelztiegel der Nationen und Ideen. Amsterdam wurde ein Magnet für Jugendkultur. Bis heute gibt es ein wildes neben- und durcheinander von Drogen und Prostitution, Coffeeshops und Rotlichtmilieu, Grachten und Bürgerhäuser. Hier kann jeder und jede bis heute weitgehend machen, was er oder sie will. Sich verwirklichen oder sich ruinieren.