Zeitzeichen

9. Juli 1955

Donnerstag, 09. Juli 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Das Russell-Einstein-Manifest wird veröffentlicht
Ein Beitrag von Martin Herzog (WDR)

Für den Mathematiker Bertrand Russel ist die Sache recht simpel: Die Atompolitik der Großmächte im Kalten Krieg führe fast unvermeidlich in die völlige Vernichtung der Menschheit. Das sagt der Nobelpreisträger am 9. Juli 1955 und fügt mit englischem Understatement hinzu: "Einige von uns fänden das doch sehr schade." An diesem Tag veröffentlicht Russel in London einen Aufruf gegen den Einsatz von Atomwaffen, das Russel-Einstein-Manifest.

Zehn Jahre zuvor hatte eine einzige Bombe im japanischen Hiroshima binnen Sekunden 80.000 Menschenleben ausgelöscht, ein paar Tage später eine zweite Bombe in Nagasaki noch einmal 22.000. Viele Zehntausend weitere starben in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren an den Folgen der atomaren Strahlung. Doch die Welt musste erfahren: Es geht noch schlimmer. 1954 testeten die USA Wasserstoffbomben - mit der tausendfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Für den Nobelpreisträger Bertrand Russell sind die Tests Anlass, renommierte Kernphysiker, Chemiker und Biologen zusammenzurufen, um die völlige atomare Abrüstung zu fordern. Unterzeichnet wird das Manifest kurz vor seinem Tod auch von Albert Einstein, der mit seiner Arbeit die theoretischen Grundlagen für die Entfesselung des Atoms gelegt hatte.