Zeitzeichen

16. Juli 1955

Donnerstag, 16. Juli 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Die Eröffnung der ersten "documenta" in Kassel
Ein Beitrag von Anke Rebbert (WDR)

Deutschland 1955: Zehn Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehren Tausende Kriegsgefangene aus der Sowjetunion zurück, der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod erfindet den Toast Hawaii und in Kassel schreibt Arnold Bode Kunstgeschichte. Er konzipiert die erste "documenta".

Und das kam so: Eigentlich sollte der Kunstpädagoge während der Bundesgartenschau in Kassel nur ein paar Skulpturen aufstellen. Aber dann gründete er einen Verein, warb Gelder ein und zeigte 670 Werke von 148 Künstlern. Er und seine Mitstreiter, wie der prominente Kunsthistoriker Werner Haftmann, wollten der Avantgardekunst, die durch die Nationalsozialisten verfemt worden war, Raum geben. Die "documenta" entwickelte sich zu einer der wichtigsten Ausstellungen weltweit und zeigte alle fünf Jahre die relevanten Entwicklungen zeitgenössischer Kunst. Wie es sich für eine Weltkunstschau gehört, hat es in der 65-jährigen Geschichte gekracht und geknirscht. Jüngere Forschungen zeigen, dass Werner Haftmann und andere Kunstgelehrte, die die "documenta" prägten, Mitglieder der NSDAP waren. 2022 steuert die "documenta" auf ihre 15. Ausgabe zu, kuratiert von ruangrupa, einem Künstlerkollektiv aus Indonesien.