Zeitzeichen

14. Februar 1980

Freitag, 14. Februar 2020, 20:15 bis 20:30 Uhr, NDR Info

Der Todestag des Stadtplaners Victor Gruen
Ein Beitrag von Veronika Bock und Ulrich Biermann (WDR)

Verödete Innenstädte, triste Vororte, alles in allem: deprimierend. So sah und empfand es Victor Gruen. 1938 vor den Nationalsozialisten in die USA geflohen, machte er sich dort schnell einen Namen als Neugestalter von Kaufhäusern, doch das war für ihn nur ein Anfang. Er dachte und plante größer. 1956 eröffnete in Minneapolis die erste Shopping-Mall der Welt, die Victor Gruen geplant hatte. Für ihn sollte die Mall nicht reiner Konsumtempel sein, sondern Stadt-Ersatz. Quirlige Dichte, Marktplatz, Agora, Basar, eine lebendige Einheit von Handel und Urbanität. Er wollte nicht die Kauflust steigern, sondern das soziale Leben in den Vorstädten stärken und strukturieren. Von Autos hielt er nicht viel, er wollte den Fußgängern Raum geben, war beteiligt an der Entwicklung erster Fußgängerzonen, auch in Wien, seiner Heimatstadt, in die er Ende der 1960er-Jahre zurückkehrte.

Geboren wurde er 1903 als Victor David Grünbaum in der Donaumetropole, studierte Architektur, doch der Tod des Vaters beendete seinen Traum vom Architektenberuf, eine Bautechniker-Ausbildung musste genügen. In den 20er- und 30er-Jahren schlug er sich mit Ladenbau und Inneneinrichtungen durch. Er war bekennender Sozialist, schrieb Artikel und Gedichte, machte politisches Kabarett und konnte gerade noch rechtzeitig fliehen. Ein Theaterfreund fuhr ihn und seine Frau in SA-Uniform zum Flugplatz.