Stand: 14.09.2014 16:00 Uhr  | Archiv

FAQ: Der Weg zur eigenen Stasi-Akte

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Wurde auch ich von der Stasi bespitzelt? Ein Antrag auf Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagenbehörde gibt Aufschluss.

Unzählige Menschen sind seinerzeit vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR und seinen "Inoffiziellen Mitarbeitern" (IM) ausspioniert worden, ohne je etwas davon mitbekommen zu haben. Für viele mag sich die Frage stellen, ob sie auch dazu gehören. Und auch, wer sie damals bespitzelt hat. Hier die wichtigsten Informationen auf dem Weg zur eigenen Stasi-Akte.

Gibt es Stasi-Akten über mich? Wie kann ich diese einsehen?

Links

BStU

Website der Bundesbeautragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. extern

Wer wissen möchte, ob der Staatssicherheitsdienst Informationen zur eigenen Person gesammelt hat, muss einen schriftlichen Antrag beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU) stellen. Ein entsprechendes Antragsformular gibt es auf der Internetseite des BStU. Der Antrag geht per Post an:

BStU
Zentralstelle Berlin
Karl-Liebknecht-Straße 31/33
10178 Berlin

Die im Formular geforderte Identitätsbescheinigung wird von der Meldebehörde ausgestellt. Bei der späteren Akteneinsicht sollte ein Personalausweis oder Reisepass mitgebracht werden.

Kann ich meinen Antrag per E-Mail versenden?

Nein. Eine Antragstellung per E-Mail ist mangels der persönlichen Unterschrift nicht möglich.

Was kostet die Akteneinsicht für Privatpersonen?

Betroffene, Dritte und nahe Angehörige sind bei der Akteneinsicht von der Erhebung der Gebühren und Auslagen befreit. Für die Anfertigung von Kopien ist eine Gebühr zu entrichten. Ehemalige Stasi-Mitarbeiter müssen für ihre Akteneinsicht 76,69 Euro zahlen.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Innerhalb eines halben Jahres gibt es Auskunft, ob Akten vorliegen. Bis zur Einsicht oder Übersendung kann es dann noch bis zu drei Jahre dauern.

Gibt es eine Frist für die Beantragung der Einsicht in die Stasi-Unterlagen?

Nein.

Beim ersten Antrag auf Akteneinsicht sind keine Unterlagen aufgefunden worden. Werde ich informiert, wenn später doch noch Unterlagen auftauchen?

Noch immer werden in den Archiven des BStU Stasi-Unterlagen erschlossen. Nach einer Akteneinsicht oder wenn beim ersten Antrag zunächst keine Unterlagen auffindbar waren, kann ein Wiederholungsantrag nach einigen Jahren zu neuen Ergebnissen führen. Eine initiative Information darüber seitens des BStU gibt es nicht.

Wo kann ich Akteneinsicht nehmen? Muss ich dazu nach Berlin oder in eine der Außenstellen kommen oder kann ich auch die Zusendung von Kopien beantragen?

Bei geringfügigem Material werden die Unterlagen in der Regel kostenfrei zugesandt. Ansonsten kann das Material in einer Stasi-Unterlagen-Dienststelle freier Wahl (zum Beispiel in Berlin oder Magdeburg) eingesehen werden.

Kann ich zur Akteneinsicht jemanden mitbringen?

Wer auf fremde Hilfe angewiesen ist, kann das tun. Betroffene berichten aber, dass es besser ist, seine Akten zunächst allein einzusehen.

Warum werden Teile der Unterlagen geschwärzt?

Informationen zu anderen Betroffenen müssen anonymisiert werden, um deren Persönlichkeitsrechte zu schützen. Daher folgt eine Anonymisierung durch Schwärzen bestimmter Textpassagen oder auch ganzer Seiten. Bei der Akteneinsicht in die Originalunterlagen werden die betreffenden Seiten abgedeckt oder entsprechend geschwärzte Kopien der Originalunterlage vorgelegt.

Kann ich erfahren, wer mich bespitzelt hat?

Die Namen von offiziellen Mitarbeitern beziehungsweise Decknamen von "Inoffiziellen Mitarbeitern" (IM) des Staatssicherheitsdienstes bleiben ungeschwärzt. Die Entschlüsselung der Decknamen kann nach der Akteneinsicht oder Kopienübersendung beantragt werden.

Kann ich in die Akten anderer Personen einsehen?

Auskünfte zu anderen Personen werden nur dann erteilt, wenn es sich beim Antragsteller um einen nahen Angehörigen eines Vermissten oder Verstorbenen handelt und die Auskunft im Rahmen eines berechtigten Interesses begehrt wird.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 14.09.2014 | 19:30 Uhr