Stand: 03.12.2018 10:53 Uhr

Helmut Schmidt: Kühler Kopf und Krisenmanager

Konstruktives Misstrauensvotum stürzt Schmidt

1982 scheiterte die von Schmidt geführte sozialliberale Koalition, vor allem an Differenzen in der Wirtschaftspolitik. Am 17. September 1982 traten sämtliche FDP-Bundesminister zurück. Schmidt führte die Regierungsgeschäfte für kurze Zeit ohne Mehrheit im Bundestag weiter. Am 1. Oktober 1982 wurde er mit den Stimmen von CDU/CSU und der Mehrheit der FDP-Fraktion durch ein konstruktives Misstrauensvotum abgewählt. Helmut Kohl (CDU) wurde sein Nachfolger als Bundeskanzler.

Herausgeber der "Zeit"

Ab 1983 war Schmidt einer der Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit". Für sein publizistisches Lebenswerk wurde er 2010 mit dem Henri-Nannen-Preis geehrt. In zahlreichen Vorträgen, Interviews und Artikeln mischte er sich weiterhin in die Tagespolitik ein und vertrat auch unpopuläre Meinungen. So befürwortete der Kettenraucher die friedliche Nutzung der Kernenergie, beklagte die übermäßige deutsche "Regulierungswut" und bezeichnete die multikulturelle Gesellschaft als eine "Illusion von Intellektuellen". Die Debatte um die globale Erwärmung nannte er "Hysterie".

Rundgang durch Schmidts altes Büro

"Millennium-Bambi" für "politisches Gewissen der Deutschen"

Für sein Lebenswerk wurde Schmidt Mitte November 2011 mit dem "Millennium-Bambi" des Burda-Verlags ausgezeichnet. "Der Altkanzler verfügt über einen messerscharfen Verstand und eine unbeirrbare Moral, die viele heute bei Politikern vermissen", hieß es in der Begründung der Jury. Er werde "als das politische Gewissen der Deutschen" gewürdigt. Minutenlang erhoben sich die Gäste bei der Gala in Wiesbaden von ihren Plätzen und applaudierten Schmidt. Der Sozialdemokrat rief dazu auf, die friedliche Zusammenarbeit der Nationen zu pflegen: "Dies bleibt der entscheidend wichtige Teil aller unserer Pflichten."

10. November 2015: Schmidt stirbt in Hamburg

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Helmut und Loki Schmidts letzte Ruhestätte zählt zu den meistbesuchten Gräbern auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Helmut Schmidt starb im Alter von 96 Jahren am 10. November 2015 in seinem Haus im Hamburger Stadtteil Langenhorn. Knapp zwei Wochen nach seinem Tod nahmen Spitzen von Staat und Gesellschaft in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis Abschied vom ehemaligen Bundeskanzler. 1.800 geladene Gäste aus dem In- und Ausland waren für den Staatsakt nach Hamburg gereist. Bei einem anschließenden Trauerzug durch die Stadt erwiesen Tausende Menschen dem Hamburger die letzte Ehre. Seine Urne wurde im Familiengrab auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf beigesetzt, wo auch seine Frau Loki und seine Eltern begraben sind.

Flughafen nach Helmut Schmidt benannt

Dem Alt-Kanzler zu Ehren wurde der Hamburger Flughafen 2016 in Hamburg Airport Helmut Schmidt umbenannt. Das ehemalige Wohnhaus der Schmidts können Interessierte auf einem virtuellen Rundgang besichtigen. Künftig sollen dort auch Führungen und kleinere Veranstaltungen stattfinden. In direkter Nachbarschaft befindet sich auch das Helmut-Schmidt-Archiv, das Wissenschaftlern und Interessierten offensteht.

Bundesstiftung erinnert an den Alt-Kanzler

Seit 2017 widmet sich eine vom Bundestag eingerichtete Politikergedenkstiftung der Erinnerung an Helmut Schmidt. Sie hat ihren Sitz im Kattrepel 10 neben dem "Zeit"-Verlagshaus. Dort erinnert anlässlich des 100. Geburtstag Schmidts die Ausstellung "100 Jahre in 100 Bildern" vom 7. Dezember 2018 bis 31. März 2019 an den großen Hanseaten.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt in Hamburg. © picture alliance / dpa Foto: Chrsitian Charisius

Helmut Schmidt: Ein Leben im Rückblick

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Als "Macher" bewies sich Helmut Schmidt erstmals während der Hamburger Sturmflut von 1962. Im In- und Ausland war er als Krisenmanager und Staatsmann hoch angesehen.

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