Stand: 29.05.2018 12:27 Uhr

Das ICE-Unglück von Eschede

von Sven Glagow
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Ein Bild des Schreckens: die Unfallstelle in Eschede.

Es war das schwerste Eisenbahnunglück der deutschen Geschichte: Am 3. Juni 1998 entgleist ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" im niedersächsischen Eschede und prallt mit einer Geschwindigkeit von 200 Stundenkilometern gegen eine Brücke. Ein gebrochener Radreifen hat die Katastrophe ausgelöst, bei der 101 Menschen sterben. 105 Menschen werden verletzt. Einige tragen bleibende Schäden davon.

Letzter planmäßiger Halt des ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" in Hannover

Intercityexpress 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" startet am Morgen des 3. Juni in München. Gegen 10.30 Uhr hält der Zug ein letztes Mal planmäßig in Hannover. Als der ICE dort um 10.33 Uhr in Richtung Hamburg abfährt, befinden sich fast 300 Menschen in dem Zug. 25 Minuten später kommt es unweit der Kreisstadt Celle zur Katastrophe: An der dritten Achse des ersten Wagens bricht ein Radreifen.

Ein gebrochener Radreifen am Beginn einer verheerenden Kettenreaktion

Wie der Gummireifen eines Autos ist dieser Eisenring auf das Rad aufgezogen. Er soll den Fahrkomfort erhöhen und die Wartungskosten gering halten. Nachdem der Radreifen bei Tempo 200 gebrochen ist, wickelt sich die weiche Eisenlegierung in Sekundenbruchteilen vom Rad, bohrt sich durch den Boden des Hochgeschwindigkeitszuges ins Innere des Waggons und verkeilt sich zwischen den Sitzreihen und dem Drehrahmengestell des Waggons. Ein Ende des gebrochenen und aufgebogenen Metallringes ragt aus der Unterseite des Zuges und schlägt immer wieder auf das Gleisbett. Bereits ab Streckenkilometer 56,4 hinterlässt das Metall deutliche Spuren auf den Betonschwellen.

Kurz vor Eschede hören Fahrgäste im ICE ein Rumpeln

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Bei dem Unglück wird unter anderem eine Weiche in den Gleisschwellen beschädigt.

Überlebende geben nach dem Unglück an, sie hätten vor dem Zusammenprall mit der Brücke ein anhaltendes Rumpeln bemerkt. Als der Zug schließlich rund 200 Meter vor der Brücke über die erste von zwei Weichen fährt, reißt der immer noch verkeilte Radreifen einen Teil der Weiche von den Schwellen. Es bohrt sich durch den Waggon und hebt ihn aus den Gleisen. Die Kollision mit der zweiten Weiche stellt diese um, der hintere Waggonteil rast auf ein Nebengleis. Mit hohem Tempo stellt sich der Waggon quer und springt schließlich aus den Gleisen. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich der Waggon kurz vor einer Straßenbrücke, die über die Schienen führt.

3,6 Sekunden bis zum Stillstand: Aus dem Schnellzug wird ein Trümmerhaufen

Das herumgewirbelte Ende des Waggons prallt gegen einen Pfeiler der Brücke und bringt sie zum Einsturz. Während der vierte Waggon noch unter der einstürzenden Brücke hindurchschießt und schließlich in der Böschung rechts der Gleise landet, wird der fünfte Waggon von der einstürzenden Brücke begraben. Die folgenden Waggons schieben sich wie eine Ziehharmonika zusammen. Nur 3,6 Sekunden nach dem Einsturz der Brücke steht ICE 884 still. Aus dem High-Tech-Flaggschiff der Deutschen Bahn ist ein todbringender Trümmerhaufen geworden. Das ICE-Unglück von Eschede zählt bis heute zu den weltweit schwersten Unglücken, die es mit Hochgeschwindigkeitszügen gegeben hat.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 03.06.2018 | 19:30 Uhr

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