Stand: 30.05.2018 17:32 Uhr

Containerschiffe: Beginn einer neuen Ära

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Feuerlöschboote begrüßen das Containerschiff "American Lancer" 1968 bei seiner Ankunft im Hamburger Hafen.

Am 31. Mai 1968 um 21 Uhr startet der Hamburger Hafen in ein neues Zeitalter. Mit der "American Lancer" legt am Burchardkai erstmals ein Vollcontainerschiff an. Feuerlöschboote begrüßen das 213 Meter lange Schiff auf der Elbe mit meterhohen Wasserfontänen, an Land heißt Hamburgs Wirtschaftssenator Helmuth Kern den Kapitän der "American Lancer" persönlich willkommen. Die Ära der Containerschifffahrt ist angebrochen.

Eine Stahlkiste erobert die deutschen Häfen

Burchardkai: Erste Spezialanlage im Hamburger Hafen

Bereits im November 1966 ging am Burchardkai eine erste Spezialanlage für den Containerumschlag in Betrieb, 1967 folgte die erste Containerbrücke. Mit der "American Lancer" beginnt jetzt eine rasante Entwicklung: Immer mehr und immer größere Vollcontainerschiffe machen in Hamburg fest. Das Terminal am Burchardkai wird fortlaufend erweitert und entwickelt sich rasch zur größten Umschlaganlage im Hafen.

Container: schnell und günstig

Schneller als von vielen erwartet löst die Containerschifffahrt die konventionelle Frachtschifffahrt ab. Denn der Containertransport hat viele Vorteile: Liegen die bisherigen Frachtschiffe oftmals mehrere Tage zum Be- und Entladen im Hafen, ist es bei den Containerschiffen nur noch eine Sache von Stunden - das spart Zeit und Geld. Stückgutfrachter wie das heutige Museumsschiff Cap San Diego verschwinden nach und nach aus dem Schiffsverkehr.

Herausforderung für Reedereien und Häfen

Der Erfinder des Containers

Als "Vater" des Containers gilt der US-Spediteur Malcolm McLean. Statt Ballen, Säcke, Fässer und Paletten einzeln an Bord zu schleppen, lässt er die Waren in Großbehälter packen und diese direkt vom Lastwagen aufs Schiff verladen. Am 26. April 1956 fährt der umgebaute Frachter "IDEAL X" als erstes Containerschiff der Welt mit 58 genormten, stapelbaren Metallkisten beladen von Newark nach Houston - die Geburtsstunde der Containerschifffahrt. Am 5. Mai 1966 läuft mit der "Fairland" erstmals ein Containerschiff Europa an und macht im Bremer Überseehafen fest.

Das neue Transportsystem stellt Schifffahrt und Hafenindustrie vor große Herausforderungen. Tausende traditionelle Arbeitsplätze für Hafenarbeiter gehen verloren.

Die Hafeninfrastruktur muss komplett umgestellt, spezielle Verladebrücken, Kräne und hochbeinige Förderfahrzeuge angeschafft werden. Kaianlagen werden ausgebaut und direkte Anschlüsse für Bahn und Lkw gelegt - darunter auch der neue Elbtunnel und die Köhlbrandbrücke. Beide Bauwerke werden 1974 fertiggestellt.

Hapag und Lloyd schließen sich zusammen

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Ab 1970 gehen die ersten Hapag-Lloyd-Container auf die Reise. Alleine konnten die Konkurrenten im Wettbewerb nicht mehr bestehen.

Auch die Reedereien müssen sich neu organisieren. Sie müssen in großem Stil investieren und neue Schiffe anschaffen. Zugleich ist der Markt hart umkämpft, da die Containerschiffe immer größer werden, sodass weniger Reedereien benötigt werden. Die Containerschifffahrt zwingt auch die beiden großen deutschen Reedereien Hapag und Lloyd dazu, sich zusammenzuschließen. Im September 1970 fusionieren die Konkurrenten zur Hapag-Lloyd AG.

Spezialcontainer für verschiedene Warengruppen

Größer, schneller, effektiver: Dieser Trend bestimmt die Containerschifffahrt von Beginn an. Berechnet wird die Ladekapazität der Containerschiffe in TEU (Twenty-foot Equivalent Unit). Ein TEU entspricht dabei einem Standardcontainer von rund 20 Fuß beziehungsweise etwa 6 Metern Länge und 2,5 Metern Breite. Die Standardcontainer werden vor allem für schwere Güter wie Motoren oder Transformatoren genutzt und dürfen ein maximales Gesamtgewicht von 24 Tonnen nicht überschreiten. Der doppelt so lange 40-Fuß-Container FEU (Fourty-foot Equivalent) darf bis zu 30 Tonnen wiegen und wird für Textilien und voluminöse Güter genutzt. Für den Transport von Lebensmitteln wie Bananen, Zitrusfrüchten, Fleisch oder Milchprodukten werden spezielle Kühlcontainer entwickelt.

Containerschiffe - Boom der Riesenpötte

Im Laufe der Jahre werden die Schiffe immer größer, vor allem aber steigt durch moderne Schiffbautechnik ihre Ladekapazität. Zum Vergleich: Transportiert die "American Lancer" noch maximal 1.200 TEU, werden ab Ende der 80er-Jahre Schiffe mit 4.500 TEU gebaut. Sie sind bereits so groß, dass sie nicht mehr durch den Panama-Kanal fahren können. Das momentan größte Containerschiff der Welt, die "OOCL Hong Kong" kann gar über 21.000 Standardcontainer transportieren. Das Schiff hat eine Länge von 400 Metern, ist also nicht einmal doppelt so groß wie die "American Lancer", kann aber ungefähr das 18-fache an Ladung transportieren.

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Die "Antoine de Saint Exupéry" ist das größte Containerschiff, das bislang in Hamburg festmachte. Es ist 400 Meter lang.

Die Riesenpötte rechnen sich, denn sie benötigen kaum eine größere Besatzung als kleinere Schiffe und der Treibstoffverbrauch liegt nur wenig höher. Auch im Hamburger Hafen legen etliche Schiffsgiganten an. Das bislang größte Containerschiff, das dort festgemacht hat, ist im März 2018 die "Antoine de Saint Exupéry" der französischen Reederei CMA CGM mit einer Kapazität von 20.600 TEU.

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Doch der Boom der Containergiganten hat auch Nachteile: Sie sind weniger flexibel, da sie nicht alle Häfen anlaufen können. Auch in Hamburg sorgen die riesigen Schiffe mit ihrem enormen Tiefgang für Probleme. Damit sie den Hafen über die Elbe weiter ansteuern können, plant die Stadt eine weitere Elbvertiefung. Rund zwei Drittel des Umschlags im Hamburger Hafen entfallen aktuell auf Container, der Rest auf Massengut wie Kohle, Öl oder Futtermittel. Pro Jahr werden in Europas drittgrößtem Hafen jährlich zwischen acht und neun Millionen Container umgeschlagen.

Boom der Containerschifffahrt vor dem Ende?

Bis vor Kurzem gingen Experten davon aus, dass der Containerumschlag immer weiter wachsen würde. Tatsächlich stagniert er aber. Studien zufolge ist die große Boomzeit der Containerschifffahrt angeblich bereits vorbei. Demnach stehen wir am Beginn einer neuen Ära: Dank Digitalisierung und 3-D-Druck werde künftig voraussichtlich wieder häufiger marktnah, also im Land der Abnehmer produziert. Wichtiger als Containerschiffe würden deshalb in Zukunft sogenannte Bulker, also Massengutschiffe, die Rohstoffe transportieren.

Die Schiffswand der MC-Kinney ist über 30 Meter hoch. © NDR/AZ MEDIA TV GmbH/Maersk, honorarfrei

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