Stand: 18.01.2012 11:55 Uhr  | Archiv

Der Kampf gegen die Sturmfluten

Der Deichbau ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon seit Jahrhunderten haben die Küstenbewohner immer wieder mit schweren Sturmfluten zu kämpfen gehabt. Dabei wurde auch die Nordseeküste stark verändert. Hier ein Überblick über die schlimmsten Sturmfluten der vergangenen 850 Jahre.

Große Veränderungen an der Küstenlinie

17.02.1164: "Erste Julianenflut" – eine der ersten sehr schweren Sturmfluten nach Beginn des Deichbaus. Sie richtete vor allem im heutigen Niedersachsen große Schäden an und leitete die Entstehung des Jadebusens ein.

14.12.1287: Die "Luciaflut" sucht die gesamte Nordseeküste heim.

16.01.1362: "Zweite Marcellusflut" - sie ging als "Große Mandränke" oder "Erste Mandränke" in die Geschichtsbücher ein. Das Gesicht der schleswig-holsteinschen Westküste wurde stark verändert. Unter anderem ging Rungholt unter. Vor allem aber veränderte die Flut das Gebiet zwischen Eiderstedt und Sylt. Aus einer bis dahin zwar durch Priel unterbrochen Landschaft mit einer fast durchgängigen Küste entstanden Insel und Halligen. Neben Sylt, Föhr und Amrum war es vor allem die große Insel Strand. Nach der "Ersten Mandränke" begann die Landgewinnung in Nordfriesland

01.11.1436: "Allerheiligenflut" – Überflutungen in Eiderstedt und Nordstrand, keine Landverluste.

31.10.1532: "Dritte Allerheiligenflut" – mehrere Tausend Tote in Nordfriesland. Erste Höhenmarke in der Kirche von Klixbüll überliefert.

1610: An der schleswig-holsteinischen Westküste endet die Zeit des genossenschaftlich durch die Marschbewohner organisierten Deichbaus. Der Deichbau wird Unternehmen übertragen, die nun Tagelöhner einsetzen. Erstes Deichbauprojekt in der neuen Form ist der Sieversflether Deich auf Eiderstedt. Der aus Holland angeworbene Generaldeichgraf Johann Claussen Rollwagen führt flachere Deichprofile ein, setzt erstmals an der Westküste Schubkarren ein und vollendet innerhalb weniger Jahre sechs Deichbauprojekte.

1613: In Tönning gibt es den ersten Deicharbeiteraufstand. Die Unruhen der Tagelöhner heißen "Lawai", die niederländische Form für das französische "levée" für Aufstand.

26.02.1625: "Fastnachtflut" – eine Eisflut, die von Südholland bis Jütland wütete.

11.10.1634: "Zweite Mandränke", die "Burchardiflut". Allein in Nordfriesland sollen in den Fluten 9.000 Menschen umgekommen sein. Sie zerriss die Insel Strand in die Teile Nordstrand und Pellworm. Die durch die Mandränke verarmten Küstenbewohner waren nicht mehr in der Lage, die enormen Kosten für den Deichbau aufzubringen. Deshalb suchten die Gottorfer finanzkräftige Investoren. Die fanden sie vor allem in den Niederlanden. Der Herzog vergab nun das Recht, aufgewachsenes Vorland zu bedeichen als "Oktroy" an private Bauherren. Neben den Gewinnen aus den reichen Erträgen der jungen Marsch, sollten Steuerprivilegien, das Recht Mühlen zu bauen und – wichtig gerade für die von Glaubenskämpfen zerrissenen Niederlande – Religionsfreiheit die Investoren locken. Von der Elbe bis nach Tondern brach ein Deichbauboom aus.

24.12.1717: "Weihnachtsflut" – große Verwüstungen im gesamten Küstengebiet, 6.000 Quadratkilometer werden überflutet, die Zahl der Todesopfer rund um die Nordsee wird auf 12.000 geschätzt. An der Westküste war Dithmarschen besonders schwer betroffen.

29.01.1800: Der dänische König Christian VII. erlässt ein Patent für den dänischen Gesamtstaat, um Kontrolle und Unterhalt der Deiche auf eine einheitliche Rechtsgrundlage zu stellen. Vor allem geht es darum, die nicht durch Vorland geschützten so genannten "Schardeiche" sicherer zu machen.

03./04.02.1825: "Halligflut" – die Jahrhundertflut des 19. Jahrhunderts. Sie richtete besonders auf den Halligen große Schäden an. In Jütland brach die Nordsee zum Limfjord durch.

1862 – 1897: Die Hamburger Hallig (1862), Oland (1896), Langeneß und Nordstrandisch-Moor (1897) werden durch Dämme mit dem Festland verbunden.

13.03.1906: "Märzflut" – es gibt größere Scheitelhöhen als 1825, jedoch keine hohen Verluste an Menschenleben, Land und Sachgütern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 16.02.2017 | 21:10 Uhr

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