Stand: 04.06.2020 20:40 Uhr  - Hamburg Journal

Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals ist tot

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In seiner Rolle als Gottlieb Wendehals wurde Werner Böhm berühmt.

Der Sänger Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals ist tot. Das bestätigte sein Management der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf seine Frau Susanne Böhm. Diese sagte der "Bild"-Zeitung: "Werner ist auf Gran Canaria friedlich eingeschlafen. Ich bin sehr traurig." Böhm starb den Angaben zufolge in der Nacht zu Dienstag drei Tage vor seinem 79. Geburtstag in seinem Apartment auf der Kanaren-Insel. Gefunden habe ihn seine Freundin Helga, so die "Bild". Von seiner Frau Susanne soll sich Böhm getrennt haben.

Die Todesursache sei vermutlich Herzversagen. Böhm soll obduziert werden, um die genaue Todesursache festzustellen. Der Entertainer war erst vor wenigen Monaten von Hamburg nach Gran Canaria gezogen.

Kultsänger Werner Böhm ist tot

Hamburg Journal -

Als Kunstfigur Gottlieb Wendehals landete Werner Böhm mit der "Polonäse Blankenese" 1981 seinen größten Hit. Nun starb der Entertainer im Alter von 78 Jahren auf Gran Canaria.

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"Polonäse Blankenese" war der Durchbruch

Böhm hatte Anfang der 1980er-Jahre unter dem Pseudonym Gottlieb Wendehals seinen künstlerischen Durchbruch geschafft. Dabei trat er mit schwarz-weiß-kariertem Sakko und zu kurzer Hose sowie mit Gummihuhn und Aktentasche unter dem Arm auf. Sein größter Hit war die "Polonäse Blankenese", mit der er 1981 auf Platz eins der deutschen Charts stand. Beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest landete er 1982 auf den hinteren Rängen. Einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichte Böhm auch mit "Spaßliedern" wie "Herbert" (1979) oder einer Cover-Version von Stefan Remmlers "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" (1986).

Vom Polsterer zum Pianisten

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Der Hamburger Musikclub "Onkel Pö" war Anlaufstelle von Werner Böhm.

Werner Böhm hatte Polsterer gelernt und als Kaufhaus-Dekorateur gearbeitet. Seine musikalischen Anfänge hatte er Ende der 1950er- bis Anfang der 1960er-Jahre als Jazz-Pianist. So spielte Böhm unter anderem im legendären "Onkel Pö" der Hamburger Szene. Er begleitete in diesen Jahren am Flügel Musikergrößen wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Erroll Garner.

Bekanntheit erlangte auch das Werner Böhm Quintett mit dem "Teufelsgeiger" Lonzo Westphal, Udo Lindenberg am Schlagzeug, am Bass Hans-Otto Mertens (Manager von Otto Waalkes), Gesang Knut Kiesewetter und Werner Böhm am Piano und Vibraphon.

Ex-Frau Mary Roos: "Werner war eine Naturgewalt"

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Werner Böhm und Mary Roos waren in den 1980er-Jahren ein Ehepaar.

Werner Böhm hatte aus drei Ehen jeweils einen Sohn. Sie wurden in den Jahren 1966, 1986 und 2007 geboren. Die erste Ehe mit einer Schweizerin wurde 1965 geschlossen. Von 1981 bis 1989 war er mit der Schlagersängerin Mary Roos verheiratet. Über das Paar wurde oft in der Boulevardpresse berichtet. Die Ehe scheiterte. Mary Roos sagte dem "Zeitmagazin" 1993: "Heute weiß ich, dass die Ehe nichts werden konnte. Aber mein erster Mann war wie ich - brav, ordentlich, höflich und nett. Und Werner war ganz anders, na, eine Naturgewalt. Laut und spontan. Das hat mich fasziniert. Zumindest eine Zeit lang. Aber es konnte nicht gutgehen (...)." 1995 heiratete Böhm erneut.

Probleme trotz oder wegen viel Geldes

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Mit Geld konnte er nicht umgehen, wie Werner Böhm selbst einräumte.

Mit seinen Hits - vorwiegend aus den 1980er-Jahren - brachte Böhm es auf ein Vermögen von rund zehn Millionen D-Mark. Doch er konnte eigenen Aussagen zufolge nicht mit Geld umgehen. Und der finanzielle Erfolg weiterer musikalischer Projekte blieb aus. 2004 machte Böhm bei der RTL-Dschungelcamp-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" mit, 2005 ging er in den "Big Brother Container". 2008 musste Böhm Privatinsolvenz anmelden. Die Schulden sollen sich auf rund 600.000 Euro belaufen haben. "Das Geld habe ich so schnell verballert, das kann man sich gar nicht vorstellen", sagte Werner Böhm 2011 in der Sendung "Menschen bei Maischberger" im Ersten. Es folgte ein Leben "auf Sparflamme". Seine Frau Susanne übernahm zwischenzeitlich die Verwaltung des restlichen Einkommens.

Alkohol ein ständiger Begleiter für Werner Böhm

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Werner Böhm hatte einen großen Hang zum Alkohol, wie er in seiner Autobiografie erklärte.

Ebenfalls in der Sendung "Menschen bei Maischberger" sprach Werner Böhm 2013 über seinen Hang zum Alkohol. Er stellte seine Autobiografe "Das karierte Verhängnis" vor. Darin heißt es unter anderem: "Habe ich eine gute Phase im Leben, trinke ich eben gerne mal einen. Bin ich schlecht drauf, saufe ich." Auch wenn Alkohol "einer seiner engsten Wegbegleiter" war, glaubte Werner Böhm den Umgang damit kontrollieren zu können. "In bestimmten Phasen hat mich der Alkohol ruiniert. Aber ohne wäre mein Leben auf jeden Fall langweiliger gewesen" - da war sich der Entertainer sicher.

"Ich bin ja nicht zum Spaß hier"

2014 machte Werner Böhm - damals 73 Jahre alt - als Gottlieb Wendehals bei der TV-Show "Supertalent" mit Dieter Bohlen mit - eine Demütigung. "Ohne Bart erkennt dich keine Sau mehr", hielt ihm Bohlen vor. Nachdem Böhm seinen Titel "Und wenn was schief geht" zum Besten gegeben hatte, philosophierte Jurypräsident Bohlen über die Launenhaftigkeit des Erfolgs: "An der einen oder anderen Kreuzung, wenn ich da falsch abgebogen wäre, vielleicht würde ich da jetzt stehen und du würdest hier sitzen." Böhm stellte daraufhin klar: "Ich bin ja nicht zum Spaß hier."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.06.2020 | 19:30 Uhr