Die "Gorch Fock" (I) © picture alliance/robertharding Foto: Stuart Forster

Die abenteuerliche Geschichte der "Gorch Fock" (I)

Stand: 13.11.2018 11:44 Uhr

Die "Gorch Fock"-Vorgängerin "Gorch Fock" (I) wird 1933 in Hamburg gebaut, später versenkt und wieder gehoben. Heute liegt sie als Museumsschiff im Hafen von Stralsund.

Wer in Deutschland den Schiffsnamen "Gorch Fock" hört, denkt meist an das bekannte Schulschiff der Bundesmarine, das 1958 gebaut wurde und seinen Heimathafen in Kiel hat. Was viele nicht wissen: Es gibt eine Vorgängerin mit bewegter Vergangenheit - die "Gorch Fock" (I). Das Segelschiff wird 1933 im Auftrag der Reichsmarine bei Blohm + Voss in Hamburg in nur 100 Tagen gebaut. Am 3. Mai 1933 läuft die "Gorch Fock" (I) vom Stapel und ist bis 1939 als Schulschiff im Einsatz. Während des Zweiten Weltkriegs dient sie an verschiedenen Standorten als Wohnschiff, zuletzt in Stralsund.

Versenkt, gehoben und zurück nach Stralsund

Als sich das Kriegsende abzeichnet, wird das Schiff abgetakelt und außer Dienst gestellt. Am Nachmittag des 30. April 1945 versenkt die eigene Besatzung die "Gorch Fock" (I) im Strelasund. 1947 heben die Sowjets das Schiff im vierten Versuch und setzen es bis 1950 in Rostock und Wismar instand. Danach fährt es unter dem Namen "Towarischtsch" als Ausbildungsschiff über die Weltmeere, kommt 1992 unter ukrainische Flagge, wird 1999 nach Wilhelmshaven geholt und dort zu einer der großen Attraktionen der "EXPO 2000 am Meer". 2003 kauft der Tall-Ship Friends e.V. das Schiff und überführt es nach Stralsund, wo es umfassend restauriert wird.

"Gorch Fock"-Sanierung verschlingt Millionen

Heute liegt die "Gorch Fock" (I) als Museumsschiff im Stralsunder Hafen. Das Schiff müsste erneut dringend saniert werden, damit es langfristig schwimmfähig bleibt. Doch dem Verein fehlt dafür das Geld. Laut einem Gutachten müssten rund sieben Millionen Euro investiert werden. Im November 2018 beschließt das Stralsunder Stadtparlament, das Schiff zu kaufen, und will dafür 950.000 Euro an den Verein zahlen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern soll die Sanierung finanziell unterstützen. Betreiber des Schiffes soll weiterhin der Verein bleiben.

"Gorch Fock" (I) Teil einer Familie von sechs Schiffen

Die "Gorch Fock" (I) gehört zu einer Familie von sechs Segelschulschiffen, die zwar nicht komplett baugleich sind, sich aber ähneln. Dazu zählt auch die "Gorch Fock II". Die anderen vier Schiffe sind die "Eagle" (ehemals "Horst Wessel"), die heute der US-Küstenwache gehört und neun Monate im Jahr in ihrem neuen Heimathafen New London (USA) liegt, die "Sagres" (ehemals "Albert Leo Schlageter"), die seit 1961 als Segelschulschiff unter portugiesischer Flagge fährt, und die "Mircea", ein rumänisches Segelschulschiff. Die "Herbert Norkus" wurde nie fertig. Nach dem Krieg wurde sie von den Alliierten beschlagnahmt, 1947 mit Giftmunition beladen und im Skagerrak versenkt.

Gorch Fock hieß eigentlich Johann Kinau

Namensgeber der "Gorch Fock" (I) und des gleichnamigen 1958 erbauten Schulschiffs war der Schriftsteller Gorch Fock, der eigentlich Johann Kinau hieß. Er wurde am 22. August 1880 in Hamburg-Finkenwerder geboren und schrieb Gedichte und Erzählungen in Hoch- und Niederdeutsch, sein 1912 erschienenes Werk "Seefahrt ist not" wurde zu einem Klassiker der Seefahrtsliteratur. Kinau starb 1916 in der Schlacht am Skagerrak als Matrose auf dem untergehenden Kreuzer "SMS Wiesbaden".

Weitere Informationen
Die Gorch Fock unter vollen  Segeln im Jahr 1976 © dpa /  Picture Alliance Foto: Kurt Scholz

"Gorch Fock": Vom Schulschiff zum Sanierungsfall

Ab 1959 bereiste das Marine-Segelschulschiff "Gorch Fock" die Meere - seine Sanierung wurde zum Debakel. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.11.2018 | 08:30 Uhr

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