Stand: 23.10.2017 11:22 Uhr  - NDR Info

Luther: Die Lehren der Bibel in Sprachbildern

von Ocke Bandixen
Prägte nicht nur den evangelischen Glauben, sondern auch die deutsche Sprache: Martin Luther, hier in einer historischen schwarz-weiß Darstellung.

Evangelische Christen feiern am Reformationstag jedes Jahr am 31. Oktober den Thesenanschlag von Martin Luther. Der Reformator Martin Luther war aber nicht nur für die Kirche die zentrale Figur in Deutschland, er wirkte auch als Kultur-Erneuerer - zum Beispiel prägte er entscheidend die deutsche Sprache.

Martin Luther: Urquell der deutschen Sprache

Lückenbüßer, friedfertig, wetterwendisch, Machtwort, Feuereifer, Langmut, Lästermaul, Morgenland: Wie arm oder farblos wäre doch unsere Sprache zum Beispiel ohne diese Begriffe. Etabliert hat sie - wenn nicht erfunden - Martin Luther.

"Wie Luther zu der Sprache gelangt ist, in der er seine Bibel übersetzte, ist mir bis auf diese Stunde unbegreiflich. Diese Schriftsprache gibt unserem politisch und religiös zerstückelten Deutschland eine literarische Einheit." Heinrich Heine über Luther

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Gottfried Herder (1744 - 1803) war ein einflussreicher Theologe, Dichter und Philosoph. 1772 erschien eines seiner bekanntesten Werke, die "Abhandlung über den Ursprung der Sprache".

Heinrich Heine schrieb diese Zeilen, noch Jahrhunderte später begeistert über Luthers Sprache. Gemeint ist: seine Sprache der Bibel, der Lutherbibel. Heine war bei weitem nicht als einziger begeistert: Von Goethe bis Nietzsche, von Engels bis Herder - für alle ist seine Bibelübersetzung eine Art Urquelle der deutschen Sprache, die Luther vereinheitlichte und begründete. "Er ist es, der die deutsche Sprache, einen schlafenden Riesen, aufgewecket und losgebunden hat", schreibt etwa Gottfried Herder.

Worte und Bilder, die alle verstehen

Im 16. Jahrhundert wurden in Deutschland rund 20 Dialekte gesprochen, oberdeutsche und niederdeutsche. Luther lebte direkt an der Sprachgrenze zwischen Nord- und Süddeutschland und wollte eine deutsche Bibel schaffen, die von allen verstanden werden konnte.

Wie es überhaupt zu der Übersetzung kam? Die Geschichte ist bekannt, aber immer noch eine faszinierende Abenteuergeschichte. Martin Luther wird 1521 direkt nach dem Reichstag zu Worms für vogelfrei erklärt und ist damit in Lebensgefahr. Er versteckt sich, nach einer fingierten Entführung auf der Rückreise nach Hause, auf der Wartburg unter falschem Namen - Juncker Jörg. Dort übersetzt er in nur wenigen Wochen das Neue Testament.

Auch das ist seine Leistung: Martin Luther übersetzte die Bibel auf der Wartburg in ein Deutsch, das auch die Mägde und Knechte verstanden. "Dem Volk aufs Maul schauen" nannte er das. Berühmt sein musikalischer Stil zum Beispiel in diesen Zeilen aus der Weihnachtsgeschichte, voller Gleichklänge wie in einem Gedicht oder Liedtext: "Ihr werdet finden, das Kind in Windeln gewickelt."

Eine Sprache, die heute noch lebt

Darüber hinaus goss er die Lehren der Bibel in Sprachbilder, die wir heute, knapp 500 Jahre später, noch verstehen und benutzen: "sein Licht unter den Scheffel stellen", "sein Scherflein beitragen", "der Mensch lebt nicht vom Brot allein", "Stein des Anstoßes sein", "mit Blindheit geschlagen sein".

Durch den gerade erfundenen Buchdruck und mit dem Schwung der Reformation ging dieses Deutsch hinaus ins Land. Die Buchstaben einer Identität. Nicht nur Jakob Grimm, der Märchensammler, sah es so:

"Luthers Sprache muss in ihrer edlen, fast wunderbaren Reinheit, für Kern und Grundlage der neuhochdeutschen Sprachniedersetzung gehalten werden." Jakob Grimm über Luthers Leistung

 

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NDR Info | Kultur | 23.10.2017 | 10:50 Uhr

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