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Reformation: Was ist das eigentlich?

Stand: 31.10.2022 05:00 Uhr

Mit seinen 95 Thesen hat Martin Luther am 31. Oktober 1517 eine Revolution in Bildung, Politik und Wirtschaft in Gang gesetzt und die Geschichte verändert. Vor mehr als 500 Jahren leitete er die Reformation ein - und veränderte das Christentum.

von Daniel Kaiser

Ob Luther die 95 Thesen nun wirklich mit dem Hammer an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt, an ein schwarzes Brett gepinnt oder nur in Briefen verschickt hat: Er setzte einen Impuls für die Freiheit. Der Reformationstag ist in allen norddeutschen Bundesländern ein Feiertag. Aber was ist eigentlich Reformation? Was ist die bedeutende Erkenntnis von Martin Luthers Thesen, die das Christentum veränderten?

Martin Luther hieß eigentlich Luder. Am 31. Oktober 1517 änderte er seinen Namen. Er nahm das griechische Wort "eleutherios", der Befreite, und machte daraus seinen neuen Nachnamen, so der damalige Chef der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Stefan Rhein, zum 500. Jubiläum des Thesenanschlags im Jahr 2017. "Daran sieht man schon, wie entscheidend dieser Tag war. Denn Martin Luther heißt: Ich, Martin Luder, der Freie. Der Befreite von alten Traditionen, aber auch: Der Freie zu einer neuen Theologie der Reformation."

Reformation bedeutet Akzeptanz der Unvollkommenheit

"'Die Freiheit eines Christenmenschen!' - das ist nicht zufällig die zentrale Schrift der Reformation", erklärte im gleichen Jahr die damalige Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche, Margot Käßmann: "Wir müssen uns vorstellen, dass die Leute Angst hatten, dass jeder Gedanke sie ins Fegefeuer bringt. Da wurde das schön ausgemalt von den Ablasshändlern: 'Da werden Dir die Fingernägel ausgerissen. Dir werden Wunden zugefügt!' Dann haben sie der Kirche Geld bezahlt. 'Die Münze in dem Kasten klingt / Die Seele aus dem Feuer springt.'"

Der Mönch Martin rennt ständig zu seinem Beichtvater. Dann habe er gesehen, erzählt Käßmann, dass davon gar nichts in der Bibel steht, "sondern Gott liebt die Menschen mit all ihren Fehlern. Das hat ihm eine große Freiheit gebracht und er hat gesagt: Dann kann ich ja auch mein Leben ohne Angst leben!"

Martin Luther: Der Mensch wird gerecht allein aus Glauben

Der Mensch wird gerecht aus Glauben - so steht es in der Bibel, im Brief des Paulus an die Römer. Luther dichtet in seiner Übersetzung einfach ein Wort hinzu: "Allein" aus Glauben. Das ist seine Pointe. Geld oder gute Werke sind nicht nötig.

Das sei ungeheuer schwer, in unsere Zeit zu übersetzen, so Käßmann. Keiner laufe heute mehr rum und frage: "Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?", wie Luther es tat. "Aber ich denke schon, dass die Leute heute darüber nachdenken, ob ihr Leben einen Sinn macht, wenn man nicht so schön ist wie Models oder wenn man nicht so viel Geld verdient, um sich ständig Urlaube und ein neues Autos zu finanzieren. Und dann zu sagen: 'Doch, Dein Leben macht Sinn.' Wir Christen sagen: 'Du bist eine angesehene Person, weil Gott Dich ansieht.' Das ist auch heute eine gute Botschaft."

Luther setzt mit Reformation einen Impuls für die Freiheit

Luther, der selbst noch ein Mann des Mittelalters war, der an Hexen glaubte und die Juden hasste, hat doch an dieser Stelle einen Schritt in Richtung Neuzeit gemacht. Andere - auch Luthers Zeitgenossen - sind noch weiter gegangen als er. Aber letztlich war es genau dieser Impuls der Freiheit, der auch eine Revolution in Bildung, Politik und Wirtschaft in Gang gesetzt und die Geschichte verändert hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 23.10.2017 | 10:50 Uhr

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