Stand: 11.05.2020 16:55 Uhr  - Hamburg Journal

Heidi Kabel - Die Bühne war ihr Leben

Was machen die Nachbarn? Heidi Kabel als Frau Boldt in dem legendären Ohnsorg-Stück "Tratsch im Treppenhaus".

Sie gehörte zu Hamburg wie der Michel und die Elbe. Und wer an Heidi Kabel denkt, dem fällt sofort das Ohnsorg-Theater ein. 66 Jahre lang stand sie dort in mehr als 160 plattdeutschen Stücken auf der Bühne und spielte sich in die Herzen eines Millionen-Publikums. Unvergessen bleiben ihre Auftritte in Klassikern wie "Tratsch im Treppenhaus", "Trautes Heim" oder "Die Kartenlegerin", die auch fürs Fernsehen aufgezeichnet wurden und noch heute die Zuschauer begeistern. Vor zehn Jahren, am 15. Juni 2010, ist Hamburgs berühmteste "Deern" gestorben.

Hausfrauen, Schlampen, Hausdrachen oder Mütter: Heidi Kabel schlüpft in ihrem Schauspielerinnenleben in alle Rollen großer Frauengestalten des Volkstheaters und das mit norddeutscher Geradlinigkeit, Witz und Herz. In den 40er-Jahren spielt sie zur Aufbesserung ihrer Gage noch Schifferklavier, da die Bühnen nur wenig besucht werden. Mit der bundesweiten Übertragung der Ohnsorg-Aufführungen im Fernsehen nimmt ihre beeindruckende Karriere Mitte der 50er-Jahre ihren Anfang. Heidi Kabel macht das Plattdeutsche salonfähig und schafft damit ein norddeutsches Gegenstück zu den großen Mundart-Bühnen wie dem bayerischen Komödien-Stadl und der "kölschen" Bühne von Willy Millowitsch.

Neben dem Theater wirkt sie auch in zahlreichen Fernsehfilmen und -serien mit. Zu den bekanntesten gehören "Klein Erna auf dem Jungfernstieg" (1969), "Grün ist die Heide" (1972) mit ihrem langjährigen Bühnenkollegen Henry Vahl, die Krimireihe "Tante Tilly" (1986-1987) und die musikalische Unterhaltungs-Show "Haifischbar" (1970-1973). Ihre letzte Rolle spielt Heidi Kabel mit 92 - an der Seite ihrer Tochter in dem Detlev-Buck-Film "Hände weg von Mississippi".

Mit 18 zum Ohnsorg-Theater

Heidi Bertha Auguste Kabel wird am 27. August 1914 in Hamburg geboren - gegenüber der "Niederdeutschen Bühne" in den Großen Bleichen - ein geradezu wegweisender Start ins Leben. Das Plattdeutsche lernt sie schon in früher Jugend von ihrem Vater: Als "Vorsitzender des Vereins für geborene Hamburger" veranstaltet der selbstständige Buchdrucker niederdeutsche Abende. Heidi Kabel selbst will eigentlich Pianistin werden. Aber als sie mit 18 Jahren eine Freundin zum Vorsprechen begleitet, wird sie an ihrer Stelle in das Ensemble des späteren Ohnsorg-Theaters aufgenommen. Im selben Jahr hat sie ihre Bühnen-Premiere mit dem Stück "Ralves Carstens" und etabliert sich schnell im Haus.

Hamburg damals: Erinnerungen an Heidi Kabel

Hamburg Journal -

Heidi Kabel steht für Hamburg wie kaum jemand anders: Am 27. August 1914 wurde die Ohnsorg-Schauspielerin in der Hansestadt geboren. Für ihre Fans ist sie bis heute unsterblich.

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Um auf der Bühne bestehen zu können, beginnt Heidi Kabel eine Schauspielausbildung. 1937 heiratet sie ihren Kollegen, den Schauspieler Hans Mahler, der 1947 die Leitung des Ohnsorg-Theaters übernimmt und auf die Rollen seiner Frau entscheidenden Einfluss hat. Er stirbt 1970. Aus der Ehe stammen die Söhne Jan-Rasmus und Heiko sowie die Tochter Heidi, die am Ohnsorg-Theater später ebenfalls zum Star wird.

Haltung auch in politischen und sozialen Fragen

Heidi Kabel überzeugt nicht nur durch ihr forsches Auftreten auf der Bühne, sondern nimmt auch privat kein Blatt vor den Mund. Sie scheut sich nicht, ihre Meinung zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen öffentlich zu äußern und nutzt ihre Beliebtheit auch für gute Zwecke. So tritt sie im Juli 1993 bei einem Benefiz-Konzert zum 50. Jahrestag des Bombardements auf Hamburg auf. Zu diesem Anlass zeigt sich eine ruhige, nachdenkliche Heidi Kabel, deren Rezitation von Texten Wolfgang Borcherts viel Beifall finden. Außerdem setzt sich die überzeugte Hamburgerin unter anderem für die Hamburger Babyklappe und das Hospiz Hamburg Leuchtfeuer ein.

Abschied vom Ohnsorg-Theater am Silvester-Abend

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Sekt zum 90.: Heidi Kabel und ihre Tochter Heidi Mahler feiern den runden Geburtstag.

Mit 84 Jahren nimmt Heidi Kabel an Silvester 1998 Abschied vom Ohnsorg-Theater. Bis ins hohe Alter bewahrt sie sich ihren Charme und ihre Aufgeschlossenheit. "Ich bin die Oma aus dem Internet", singt die fünffache Großmutter mit 86 Jahren, geht tatsächlich ins weltweite Netz und legt sich zwischenzeitlich eine eigene Homepage zu.

Ab Oktober 2003 lebt sie zurückgezogen in einem Appartement einer Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen. Zu dem Umzug hatte sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschlossen, weil sie an Altersdemenz leidet. Ihren letzten großen öffentlichen Auftritt hat Heidi Kabel bei der "Bambi"-Preisverleihung am 18. November 2004 in Hamburg: Nach 1989 und 1990 erhält sie das goldene Reh erneut - diesmal für ihr Lebenswerk.

Bewegender Abschied im Michel

Am 15. Juni 2010 stirbt die Grande Dame des Volkstheaters im Alter von 95 Jahren in ihrer Heimatstadt. Zur bewegenden Trauerfeier versammelen sich Familienangehörige, Weggefährten, Schauspielerkollegen und zahlreiche andere Gäste im Michel. Unter anderem erweisen ihr die Schauspieler Uwe Friedrichsen und Jan Fedder, die früheren "Tagesschau"-Sprecher Dagmar Berghoff und Wilhelm Wieben sowie Regisseur Detlev Buck die letzte Ehre. Die Familie verabschiedet Heidi Kabel mit einem von Rosen und Rittersporn durchsetzten Kranz mit der plattdeutschen Aufschrift "Slaap goot, dien Kinner".

Ein Platz und eine Statue als Erinnerung

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Heidi Kabel in Aktion und in voller Größe: 1,63 Meter ist die Statue groß.

Kurz nach ihrem Tod setzt die Stadt Hamburg Heidi Kabel ein Denkmal. Seit Herbst 2011 erinnern der Heidi-Kabel-Platz am Hauptbahnhof und eine lebensgroße Bronzefigur der Künstlerin Inka Uzoma, die dort vor dem Ohnsorg-Theater steht, an die große Volksschauspielerin.

Auszeichnungen für Heidi Kabel

  • 1967 Goldener Bildschirm
  • 1972 Goldener Bildschirm
  • 1975 Goldene Europa
  • 1981 Bürgermeister-Stolten-Medaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg
  • 1982 "Silberne Maske" des Ohnsorg-Theaters
  • 1983 Richard-Ohnsorg-Preis
  • 1984 Biermann-Ratjen-Medaille, Hamburg
  • 1985 Goldene Kamera
  • 1986 "Silbernes Lorbeerblatt" der Dramatiker-Union
  • 1989 Bambi
  • 1989 Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg
  • 1989 Hermann-Löns-Medaille in Platin für besondere Verdienste um die Volksmusik
  • 1990 Bambi
  • 1992 Ohnsorg-Verdienstmedaille
  • 1994 Ehrenkommissarin der Hamburger Polizei
  • 2004 Ehrenmitgliedschaft im Ohnsorg-Theater
  • 2004 Bambi

Den ihr angetragenen Bundesverdienstorden lehnte Heidi Kabel gemäß hanseatischer Tradition ab.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.08.2019 | 19:30 Uhr

Geschichte in Video und Audio

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