Stand: 04.01.2019 11:34 Uhr

Zoo Rostock: Vom Hirschgarten zum Erlebnispark

Der Eingang in den Rostocker Tiergarten auf einer historischen Postkarte. © Zoo Rostock
1910 eröffnet der Zoo mit mehreren Tierhäusern und einem Eingang mit Kassenhäuschen.

Die Geschichte des Rostocker Zoos beginnt ganz klein: "1898/99 richtete der Förster Robert Schramm beim Forsthaus in den Tannen einen kleinen Tierpark ein, indem er zunächst zwei große Gatter für ein Hirsch- und ein Rehpaar anlegte", schreibt der Stadtarchivar Ludwig Krause im gleichen Jahr. Dafür nutzt Schramm das Gelände des Botanischen Gartens in der Nähe des Ausflugslokals Trotzenburg, das er schon in den 1880er-Jahren mit seltenen Pflanzen wie einem Mammutbaum und Küstentannen kultiviert hatte. Für die ersten Tiere stellt der Förster am 4. Januar 1899 einen Tierpfleger ein: Carl Lange. Ein Seeadlerpaar, Wildschweine und zwei Bären locken in den Folgejahren bereits Scharen von Besuchern an.

1910: Rostocker Tiergarten wird eröffnet

Später entscheiden sich die Stadtväter, den kleinen Tierpark auszubauen. Zwischen 1907 und 1910 entstehen verschiedene Tierhäuser, ein Café und ein Kassenhäuschen. Zu Pfingsten 1910 ist es endlich so weit: Der Tiergarten, wie ihn die Rostocker liebevoll bezeichnen, öffnet seine Pforten.

Erster Weltkrieg macht Tierpark zu schaffen

Antilopen in der historischen Huftieranlage im Zoo Rostock. © Zoo Rostock Foto: Kloock
Das Huftierhaus stammt noch aus der Anfangszeit des Zoos um die Wende zum 20. Jahrhundert.

Doch die Freude über die neue Attraktion währt nicht lange. Der Erste Weltkrieg macht dem Tiergarten schwer zu schaffen. Viele Tiere verenden wegen Kälte, Futtermangel und Krankheiten. Der Rostocker Anzeiger beschreibt 1918 die Situation: "Auf dem Teich sind die Schwäne, aus dem Rotwildhaus die Rehe und aus dem Schwarzwildhaus die dort untergebrachten Löwinnen verschwunden." Auch nach dem Krieg bleiben die meisten Käfige und Ställe leer. Einzig die Bären bekommen Nachwuchs. Der Zoo verkauft die Jungtiere und finanziert durch den Erlös den Ankauf anderer Tiere wie Rhesusaffen. Für einen Lichtblick sorgt 1931 die Dahlienschau: An manchen Tagen strömen bis zu 25.000 Besucher in den Tiergarten, um sich an den 20.000 Blumen zu erfreuen. Die Besuchermassen bringen den öffentlichen Nahverkehr zeitweise zum Erliegen.

Zweiter Weltkrieg zerstört den Zoo

Im Verlauf des Zweiten Weltkrieges wird der Tiergarten fast vollständig vernichtet. Durch das Gelände ziehen sich Schützengräben, Gitterstangen werden zweckentfremdet, Zäune und seltene Pflanzen zu Brennholz verarbeitet. Kein Tier überlebt: Die Zoobewohner, die nicht bei Angriffen ums Leben kommen, landen auf der Schlachtbank - oder sie werden freigelassen, was zwangsläufig ihren sicheren Tod bedeutet. Ein letzter Affe, der in Rostock frei herumirrt, muss erschossen werden.

Wiedereröffnung 1952

Der Wiederaufbau des Tiergartens beginnt 1950 und ist nur dank des Einsatzes des Gartenbauarchitekten Arno Lehmann und der Rostocker Bevölkerung möglich. Zusammen zäunen sie das anfangs sieben Hektar große Gelände ein und reparieren Volieren, Käfige und Parkflächen. Da es kein Geld für den Ankauf von Tieren gibt, sammelt er Geld, mit dem erste Tiere wie Goldfische, Wildschweine und Hirsche anschafft. Weitere Tiere bekommt er geschenkt, sodass der kleine Tierpark am 7. September 1952 wieder öffnen kann.

Bärenburg wird Attraktion des Zoos

Die sogenannte Bärenburg im Tiergarten Rostock © Zoo Rostock
1959 eröffnet die Bärenburg für die Eisbären. Sie zählt damals zu den modernsten Anlagen ihrer Art.

1955 beschließt der Stadtrat, den Tierpark auf 16 Hektar zu erweitern, ein Jahr später beginnt der Ausbau. 602.328 gemeinnützige Aufbaustunden und 2.880.603 Mark von Firmen und Sponsoren lassen den Zoo in den nächsten Jahren wachsen. Er spezialisiert sich auf nordische Tiere. Eine kleine Robbe namens Robbi ist 1956 das erste Polartier in Rostock. Kurz darauf folgen zwei Eisbären. 1959 ziehen sie aus ihrem Provisorium - einem alten Zirkuswagen - in ihr neues Zuhause um: die Bärenburg. Sie wird eine der Attraktionen im neuen Zoo.

Zuchtbuch für Eisbären seit 1980

In den 1960er- und 80er- Jahren wird der Zoo weiter ausgebaut. Die Anlage wird auf 56 Hektar erweitert und nach der geografischen Herkunft der Tiere gegliedert. Ein begehbares Streichelgehege kommt hinzu. Aufgrund seiner Zuchterfolge bekommt der Zoo 1980 den Auftrag, das Internationales Zuchtbuch für Eisbären zu führen. Besonderen Wert legt der Zoo auf eine möglichst artgerechte Haltung und modernisiert auch in den folgenden Jahren mehrere Anlagen, um sie attraktiver zu gestalten.

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Eisbär steht im Polarium des Zoos Rostock. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer/dpa

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Darwineum und Polarium: Moderne Erlebnisanlagen

Mit dem Darwineum eröffnet 2012 eine besondere Attraktion: Der Gebäudekomplex bietet eine Mischung aus Tierpark und interaktivem Erlebnismuseum. Im Mittelpunkt steht die Tropenhalle, in der die Menschenaffen untergebracht sind. 2018 folgt mit dem Polarium eine neue, moderne Anlage für die Eisbären. Als Wappentiere des Zoos, die sich auch im Logo wiederfinden, sind sie bis heute von besonderer Bedeutung.

Insgesamt leben heute in Rostock 4.200 Tiere aus 430 Arten, darunter viele, die in der Natur vom Aussterben bedroht sind. Jährlich kommen bis zu eine Million Besucher. 2018 wurde die Anlage in Rostock bereits zum zweiten Mal als bester europäischer Zoo ausgezeichnet - unter anderem wegen seiner Artenschutzprojekte. An die Anfänge des Zoos im Jahr 1899 erinnert heute noch das historische Hirschhaus in der Huftieranlage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.01.2019 | 08:10 Uhr

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