Zwei Männer im klassischen Nikolaus-Gewand mit Mitra und Bischofsstab. © dpa Foto: Felix Kästle

Warum bringt der Nikolaus Geschenke?

Stand: 29.03.2022 13:45 Uhr

Wer artig war, hat am 6. Dezember eine süße Überraschung im Stiefel. Woher kommt der Nikolaus-Brauch? Wer war der Heilige, dem etliche Kirchen geweiht sind? Und ist sein roter Mantel tatsächlich eine Erfindung von Coca-Cola?

In der Figur des Heiligen Nikolaus sind zwei historische Personen zu einer verschmolzen. Zum einen Nikolaus von Myra, Bischof einer Stadt in der heutigen Türkei. Er lebte im dritten Jahrhundert. Zum anderen Nikolaus von Sion, einem Ort in der Nähe von Myra, aus dem sechsten Jahrhundert.

Wer war Nikolaus von Myra?

Fresco des Heiligen Nikolaus © picture alliance /GODONG Foto: Pascal Deloche
So stellte sich ein französischer Maler im Mittelalter den Heiligen Nikolaus vor.

Die Legenden über das Leben der beiden Männer verwoben sich zu der mythischen Figur des Heiligen Nikolaus von Myra. Er soll zahlreiche Wunder vollbracht haben, darunter etwa einen Sturm besänftigt und mehrere Tote wieder zum Leben erweckt haben. Eine Geschichte erzählt davon, wie er einem verarmten Vater von drei Töchtern hilft: Der verzweifelte Vater steht kurz davor, seine Töchter in die Prostitution zu schicken.

Da hilft Nikolaus, indem er heimlich in der Nacht Goldstücke durch das Fenster wirft. Der Mythos des barmherzigen Helfers und Beschützers, der unerkannt in der Nacht Kinder beschenkt, ist geboren.

Heiliger Nikolaus: Schutzpatron der Seefahrer

Im Mittelalter zählt Nikolaus zu den beliebtesten Heiligen, in Russland steigt er sogar zum Nationalheiligen auf. Als Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute wird der Heilige Nikolaus Schutzpatron der Hanse. Davon zeugen noch heute etliche Nikolaikirchen in den Hansestädten, darunter in Rostock, Wismar und Stralsund. In Hamburg erinnert das Mahnmal St. Nikolai an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft im Nationalsozialismus.

Martin Luther wetterte gegen den Nikolaustag

Ab dem 12. Jahrhundert feiern die Menschen am 6. Dezember das Nikolausfest, zu dem sie sich gegenseitig beschenken. Doch während der Reformation wettert Martin Luther gegen den Heiligenkult und das Nikolausschenken als "kindisch Ding". Er versucht, es durch das weihnachtliche Schenken zu ersetzen. Doch nicht nur im katholischen Raum halten die Menschen an dem lieb gewonnenen Brauch fest.

Das Bild zeigt den Schriftzug "Nice to know" © NDR / N-JOY
AUDIO: Warum gibt's an Nikolaus kleine Geschenke in die Schuhe? (2 Min)

Knecht Ruprecht, der "böse" Begleiter

Allerdings ist der Nikolaus spätestens ab dem 19. Jahrhundert nicht nur gütiger Gabenbringer, sondern auch Bestrafer unartiger Kinder. Häufig begleitet ihn in genau dieser Rolle ein furchterregender Mann, der Kinder erschrecken soll und je nach Region einen anderen Namen trägt: Knecht Ruprecht, Pulterklas oder auch Rupsack. Statt eines Geschenke-Sacks hat er in der Regel eine Rute dabei. Doch er spielte in der Geschichte nicht immer nur die Rolle des Bösen: Im 19. Jahrhundert ging man davon aus, dass der Nikolaus-Gehilfe auf heidnische Rituale zurückzuführen sei: Im Winter sei er unterwegs gewesen, um böse Geister zu vertreiben.

Andere Theorien malen ihn hingegen doch deutlich düsterer: So wird Knecht Ruprecht zum Beispiel auf einen Priester zurückgeführt, der ausgelassen Weihnachten feiernde und tanzende Kinder im Jahr 1021 verwünscht haben soll. Andere verweisen auf einen Ursprung im späteren Mittelalter, in dem der Kinderschreck zu Unterstützung erzieherischer Maßnahmen herangezogen wurde. In jedem Fall wird er aber als Gegenspieler zum Nikolaus gesehen.

Mit Fellmütze oder Bischofsmitra

Im süddeutschen Raum zeigt sich der Heilige Nikolaus bis heute meist im traditionellen Bischofsgewand mit Stab und Mitra, der hohen Bischofsmütze. Im Norden hat sich dagegen die Vorstellung vom Nikolaus als gemütlichem alten Mann mit weißem Rauschebart und dickem roten Mantel durchgesetzt - und kommt damit der des Weihnachtsmannes gleich.

VIDEO: Nikolaus in den 60ern: Mit Sinterklaas durch Amsterdam (3 Min)

Dieses Aussehen verpasste ihm übrigens nicht etwa Coca-Cola, sondern der deutsche Auswanderer Thomas Nast. Er zeichnete den Nikolaus alias Santa Claus in den USA schon 1862 mit weißem Rauschebart, rotem Mantel und fellbesetzter Mütze. Erst ab 1931 bediente sich Coca-Cola der Figur des Santa Claus und nutzte sie für eine Werbekampagne.

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