Stand: 15.02.2017 16:12 Uhr  | Archiv

Verstopfung erkennen und behandeln

Diagnose

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Mithilfe eines Schweinedarms erklärt Anne Fleck Yvonne S., was das Problem mit ihrem Darm ist.

Wegen der Vielzahl der möglichen Ursachen ist die Diagnose besonders umfangreich. Da die Verstopfung stressbedingt sein kann, wird nach den Lebensumständen und nach der familiären, beruflichen beziehungsweise schulischen Situation gefragt. Wichtig sind die Erfassung der Ernährungsgewohnheiten und die Frage nach Medikamenteneinnahme. Die körperliche Untersuchung umfasst Abhören, Abklopfen und Abtasten des Bauchs und Austasten des Enddarms. Blut- und Urinproben werden abgenommen, um den Mineralstoff- und Elektrolytstatus zu klären - sie liefern gegebenenfalls Hinweise auf Stoffwechselerkrankungen, eventuellen Kaliummangel oder Überkonsum von Abführmitteln. Ein Stuhlbluttest kann eine Darmentzündung oder Tumoren anzeigen. Bei einem Bauch-Ultraschall (Abdomen-Sonografie) versucht der Arzt, krankhafte Veränderungen wie Darmverengungen oder Luftansammlungen zu erkennen. Falls der Verdacht auf Darmpolypen, Verengungen oder Tumoren besteht, ist eine Darmspiegelung unumgänglich.

Selten werden eine Röntgenuntersuchung mit Kontrasteinlauf, eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT/MRI) oder ein Kolontransit-Test zur Abklärung notwendig sein. Gynäkologische, urologische oder neurologische Untersuchungen können das Bild vervollständigen.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Sind Auslöser wie Krankheiten oder Medikamente ausgeschlossen, dann gibt es zur Beseitigung der Verstopfung zwei Zauberworte - beide beginnen mit B: Ballaststoffe und Bewegung. Ziel ist, den Darm wieder in Gang zu bringen. Dafür braucht er natürliche Füllstoffe, nämlich quellende Pflanzenfasern - sie machen den Stuhl weicher und voluminöser. So sorgen sie für eine schnellere und regelmäßigere Entleerung des Darms.

Empfehlenswert bei Beschwerden mit Darmträgheit sind 35 Gramm Ballaststoffe täglich. Das heißt: Genügend Vollkornprodukte, Gemüse und Obst müssen auf den Tisch. Wer diesen Wert sicher erreichen will, kommt anfangs ums Abwiegen nicht herum, da der Ballaststoffgehalt nur auf industriell hergestellten Lebensmitteln aufgedruckt ist. Apps und Tabellen helfen aber beim Ausrechnen. Recht schnell bildet sich außerdem ein Gefühl dafür heraus, ob die Ballaststoffration schon reicht. Ein konkretes Tagesbeispiel wären

  • 2 Scheiben Vollkornbrot
  • 3 Kartoffeln
  • 1 ungeschälter Apfel
  • 1 ungeschälte Birne
  • circa 200 Gramm Brokkoli und
  • 1 kleiner Tomatensalat.

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Tabuthema Verstopfung: Matthias Riedl zeigt Yvonne S., was sie beim Stuhlgang beachten sollte.

Quellen können die Pflanzenfasern allerdings nur, wenn ihnen ausreichend Flüssigkeit zur Verfügung steht. Betroffene sollten deshalb mindestens zweieinhalb Liter am Tag trinken - Wasser und Kräutertees. Bei vielen Menschen wirkt übrigens eine Tasse Kaffee wie ein Weckruf an die Verdauung. Jedoch ist es beim Kaffeekonsum wie bei medikamentösen Abführmitteln: Bei Überdosierung reagiert unser Darm auf das Stimulans nicht mehr.

Und: Damit der Darm wieder richtig in Gang kommt, muss er bewegt werden! Sport beschleunigt die Verdauung. Betroffene sollten mindestens 10.000 Schritte pro Tag anstreben. Darüber hinaus kann die richtige Haltung den Stuhlgang erleichtern: Studien belegen, dass die natürliche Hockhaltung einer Verstopfung effektiv entgegenwirkt, denn der Enddarm ist dabei gestreckt - so fällt die Entleerung leichter.

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