Stand: 30.07.2018 14:00 Uhr  | Archiv

Fruktose-Intoleranz erkennen und behandeln

Diagnose

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Obst ist bei Weitem nicht die einzige Fruchtzucker-Quelle. Betroffene müssen sich bei vielen Lebensmitteln zumindest vorübrgehend einschränken.

Ob verzehrte Fruktose - anders als vorgesehen - in den Dickdarm gelangt, misst üblicherweise der sogenannte Wasserstoff-Atemtest. Unter ärztlicher Aufsicht nehmen Betroffene nüchtern ein Glas in Wasser aufgelösten Fruchtzucker ein. Anschließend wird über einen Zeitraum von zwei Stunden in Abständen der Gehalt an Wasserstoff im Atem gemessen. Anhand der sich ergebenden typischen Kurve kann der Arzt auf eine Fruktose-Malabsorption schließen. Da durch bestimmte Bakterien im Darm aus dem Wasserstoff allerdings Methangas gebildet werden kann, ist eine ergänzende Überprüfung der Methanmenge in der Atemluft sinnvoll. Damit ist die Diagnose nahezu 100 Prozent sicher.

Therapie

Vorab sind zwei Dinge wichtig zu wissen: Erstens kommt Fruchtzucker nicht nur in Früchten vor, sondern auch in einigen Gemüsen und beispielweise in Honig, Haushaltszucker, in Invertzucker(sirup), Maissirup, Inulin, als Zuckeraustauschstoff in diversen Süßwaren, Gebäck, Tütensuppen und sonstigen Fertigprodukten. Zweitens wird bei Fruktosemalabsorption auch Sorbit nicht vertragen. Sorbit (E 420) ist ein sogenannter Zuckeralkohol, der insbesondere in Kernobst wie Birnen, Äpfeln, Pflaumen, Pfirsichen und Aprikosen steckt. Außerdem ist er in zahlreichen industriell hergestellten Lebensmitteln als Zuckeraustauschstoff oder Feuchthaltemittel zu finden und dient als Trägerstoff für Arzneimittel. Es ist für Betroffene also dringend notwendig, beim Einkauf immer die Zutatenlisten zu lesen.

Die Ernährungstherapie bei einer Fruktose-Intoleranz erfolgt dann in drei Stufen:

Auslassphase: Zunächst sollten Betroffene etwa vier Wochen auf Speisen und Getränke mit Fruktose und auf Sorbit verzichten. Auch schwer verdauliche Kohlenhydrate aus Hülsenfrüchten und Kohlgemüse sollten gemieden werden, da sie die Symptome häufig verschlechtern. So kann sich der Fruktose-Transporter im gestressten Darm erholen. Bereits nach wenigen Tagen sollten die Beschwerden abklingen.

Testphase: Anschließend werden über sechs Wochen nach und nach Lebensmittel wieder eingeführt. Essen Sie beschwerdeauslösendes Obst und Gemüse zunächst in kleinen Mengen und über den Tag verteilt, und führen Sie dabei unbedingt Ernährungstagebuch. Obst wird besser vertragen, wenn es neben Fruchtzucker im gleichen Anteil Traubenzucker (Glukose) enthält - so zum Beispiel Bananen, Erdbeeren, Himbeeren. Heidelbeeren enthalten zwar mehr Fruktose, lassen sich aber auch gut dosieren und enthalten entzündungshemmende Anthocyane sowie Gerbstoffe, die die Darmwandaktivität regulieren.

Dauerernährung: Nach etwa zehn Wochen sollte der Speiseplan möglichst wieder ausgewogen und abwechslungsreich zusammengestellt sein. Kombinieren Sie fruchtzuckerhaltige Lebensmittel mit Eiweiß wie Joghurt oder Quark, dann ist die Fruktose besser bekömmlich. Achten Sie außerdem möglichst darauf, nicht mehr Fruktose als Glukose zu konsumieren.

Da Obst und Gemüse wichtige Vitamine und Mineralstoffe liefern,  sollten Betroffene regelmäßig ihre Nährstoffversorgung überprüfen.

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 30.07.2018 | 21:00 Uhr

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Zum Ausdrucken (PDF)

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Fruktose-Intoleranz: Therapie-Empfehlungen im DIN-A4-Format (PDF)

Für die Auslassphase, Testphase und Dauerernährung: Hier finden Sie fruktosearme und -reiche Lebensmittel sowie Tipps, wie man die Verträglichkeit einiger Lebensmittel steigern kann. Download (101 KB)

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