Stand: 10.09.2018 18:11 Uhr

Innere Uhr: Wie unser Körper tickt

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Die innere Uhr des Menschen ist genetisch festgelegt.

Die Zeitumstellung im Frühling und Herbst kann den Körper belasten. Einige Menschen brauchen mehrere Wochen, um wieder in ihren normalen Rhythmus zu finden: Unsere innere Uhr gerät aus dem Takt. Welche Mechanismen den täglichen Biorhythmus steuern, haben die US-Wissenschaftler Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young bereits in den 80er-Jahren erforscht: An Fruchtfliegen isolierten sie Gene, die für die Steuerung der inneren Uhr zuständig sind. Für ihre Arbeit wurden sie 2017 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse zur sogenannten Chronobiologie: So zeigten britische Mediziner, dass auch die Wundheilung einem Tag-Nacht-Rhythmus unterliegt. Demnach heilen tagsüber erlittene Verletzungen schneller als nächtliche Blessuren. Lübecker Forscher fanden heraus, dass es viel ausmacht, wann wir etwas essen. Und Berliner Wissenschaftler haben einen Bluttest entwickelt, mit dem sie herausfinden können, zu welchem Chronotyp ein Mensch gehört - also ob er eher Morgenmensch oder Nachteule ist - und zu welcher Zeit er bestimmte Medikamente einnehmen sollte.

Grafik zum Thema Tagesrhytmus.

Innere Uhr: Wie unser Körper tickt

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Ein Leben gegen die innere Uhr kann die Lebenserwartung verkürzen. Warum gerät der Biorhythmus bei vielen Menschen aus dem Takt? Und was hilft gegen die Beschwerden?

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So funktioniert die innere Uhr

Die innere Uhr steuert zahlreiche lebenswichtige Vorgänge und organisiert den Körper. Sie sorgt dafür, dass sich alle körperlichen Prozesse optimal an den Tagesverlauf anpassen. Eine entscheidende Bedeutung hat dabei der Rhythmus von Tag und Nacht. Während die Erde für eine Umdrehung um ihre eigene Achse 24 Stunden braucht, dauert ein Tag auf der biologischen Uhr 25 Stunden.

Licht gibt den Takt vor

Die Schaltzentrale für die innere Uhr, für den sogenannten zirkadianen Rhythmus, befindet sich im Gehirn (Nucleus suprachiasmaticus). Zusätzlich verfügt jede Zelle des Körpers über eine eigene Uhr. Um im selben Takt zu schlagen, tauschen sich beide Uhren untereinander aus.

Der wichtigste Taktgeber für die innere Uhr ist das Tageslicht. Mit Einbruch der Dunkelheit regt das Gehirn die Produktion des Schlafhormons Melatonin an, damit der Körper sich erholen kann. Bei Tagesanbruch dagegen sinkt der Melatonin-Spiegel im Blut, der Körper wird leistungsfähiger. Der zirkadiane Rhythmus steuert neben den Schlaf-Wach-Phasen auch Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur.

Chronotypen: Morgenmensch und Nachteule

Die innere Uhr bestimmt unseren Chronotypen, also ob wir eher Morgenmenschen oder Nachteulen sind

  • Der typische Morgenmensch steht gern früh auf und wird abends eher müde.
  • Eine Nachteule schläft gern länger und wird erst am Abend richtig munter.

Der Chronotyp eines Menschen ist genetisch festgelegt. Er verändert sich allerdings im Laufe des Lebens: So sind Kinder meist Morgenmenschen, während Teenager eher Nachteulen sind. Ältere Menschen dagegen werden in der Regel wieder zu Morgenmenschen.

Chronotyp per Bluttest bestimmen

Berliner Forscher haben einen Test entwickelt, mit dem sich der Chronotyp anhand nur einer Blutprobe bestimmen lässt. Sie hoffen damit, den Einsatz von Medikamenten individuell auf die Erkrankten abstimmen zu können. Für bestimmte Medikamente ist bereits bekannt, wann sie ihre beste Wirkung entfalten:

  • Kortison: am frühen Morgen
  • Allergie- und Rheumamittel: abends
  • Schmerzspritzen beim Zahnarzt: nachmittags

Probleme mit dem Biorhythmus

Die meisten Menschen leben nicht mehr nach dem Rhythmus des Sonnenlichts. Auf Dauer bringt ein künstlicher Tagesrhythmus die innere Uhr durcheinander - in westlichen Ländern leidet jeder Dritte darunter. Typische Symptome sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Magenbeschwerden, innere Unruhe, Nervosität, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Vor allem Nachtarbeit und Schichtarbeit können negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

In einer Studie haben US-amerikanische und britische Wissenschaftler nachgewiesen, dass ein Leben gegen den eigenen Biorhythmus die Lebenserwartung merklich verkürzt.

Tipps für den Biorhythmus

Mit diesen Tipps kann man die innere Uhr besser an die Umgebungsbedingungen anpassen:

  • Wer gerne früh am Abend einschläft und früh am Morgen aufwacht, sollte morgens das Licht suchen und abends meiden.

  • Zum sanften Aufwachen gibt es sogenannte Lichtwecker, die den Sonnenaufgang mit künstlichem Licht simulieren.

  • In den Abendstunden sogenanntes blaues Licht meiden, das von Computer- und Smartphone-Bildschirmen und von Fernsehern erzeugt wird. Blaues Licht unterdrückt die Bildung des Schlafhormons Melatonin. Tagsüber erhöht blaues Licht dagegen die Aufmerksamkeit und Konzentration.

  • Wer im Schichtdienst arbeitet, sollte als später Chronotyp (Eule) eher die Spätschichten abdecken, um seine Gesundheit zu schonen. Denn in sehr frühen Schichten müsste er in seiner eigenen biologischen Nacht aufstehen und konzentriertes Arbeit ist dann sehr schwierig.

  • Essen ist ein wichtiger Taktgeber, Essenspausen aber auch. Intervallfasten kann einen Beitrag zur Synchronisierung und Stabilisierung der inneren Uhr leisten.

Innere Uhr und Wundheilung

Die innere Uhr des Körpers hat auch Auswirkungen auf die Wundheilung, wie britische Forscher in einer Studie herausfanden. Erlitten Erkrankte zwischen 20 und 8 Uhr Verbrennungen, benötigten diese im Durchschnitt 28 Tage, um zu heilen. Kam es tagsüber zu den gleichen Verbrennungen, waren sie bereits nach etwa 17 Tagen abgeheilt.

Der Grund: Die für den Wundverschluss zuständigen Zellen, sogenannte Fibroblasten, gelangen am Tag schneller an den Ort der Verbrennung - gesteuert von der inneren Uhr. So heilen Verletzungen am Tag relativ schnell, während sie in der Nacht deutlich mehr Zeit brauchen.

Innere Uhr und Stoffwechsel

Forscher der Universität Lübeck haben erkannt, dass die inneren Uhren des Darms und der Leber gut zusammenarbeiten müssen, damit die sogenannte Energiehomöostase optimal funktioniert. Das bedeutet: Essen wir unregelmäßig, "verstellen" wir die innere Uhr des Darms. Das Organ arbeitet dann nicht mehr optimal mit der Leber zusammen. Es kommt zu einer erhöhten Einlagerung von Energieeinheiten ins Fettgewebe. Erste Experimente aus dem Labor zeigen, dass zuckerhaltige Mahlzeiten in der Nacht über die nächtliche Insulinausschüttung die Uhr in der Leber verstellen können.

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