Zahnersatz: Implantat oder Brücke?

Stand: 13.08.2021 09:35 Uhr

Zahnimplantate sind eine etablierte, aber teure Methode. Doch die OP ist nicht immer ohne Risiko. In einigen Fällen sind Brücken die bessere Alternative.

Im Gebiss hat jeder Zahn seine Funktion. Alle Zähne zusammen ermöglichen das Kauen und Sprechen. Fehlt auch nur ein Zahn, kann sich der Biss verschieben und Schmerzen im Kiefergelenk auslösen. Häufig empfehlen Ärzte dann Zahnimplantate.

Zahnlücke statt Krone, Brücke oder Implantat?

Zunächst sollte geklärt werden, ob ein verlorener Zahn überhaupt ersetzt werden muss. Eine Zahnlücke kann bestehen bleiben, wenn sie keine funktionellen Probleme verursacht und optisch nicht stört. Vorteile der Zahnlücke: Sie verursacht weder Schmerzen noch Kosten, die Mundpflege ist problemlos möglich.

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Zahnimplantat ist ein chirurgischer Eingriff

Um ein Zahnimplantat einzusetzen, ist ein kieferchirurgischer Eingriff erforderlich. Um zu verhindern, dass bei der OP Bakterien eindringen, muss der behandelnde Arzt sich Zähne und Zahnfleisch vorher sehr genau ansehen. Das bedeutet: Erkrankungen im Mundraum sollten auf jeden Fall zuerst behandelt werden, bevor das Implantat gesetzt wird.

Bei dem Eingriff für das Implantat schneidet der Zahnarzt zunächst das Zahnfleisch auf und bohrt ein Loch in den Kieferknochen. In das Loch wird das Implantat, eine Art Schraube, eingefügt - praktisch eine künstliche Zahnwurzel. Dieses Implantat hält dann den Zahnersatz, der später obendrauf montiert wird. Es muss fest sitzen, damit es mit dem Kieferknochen verwachsen kann.

Oft Kieferaufbau mit körpereigenem Knochen notwendig

Reichen die vorhandene Knochensubstanz und die Schleimhaut nicht für eine sichere Verankerung aus, muss der Kieferchirurg zunächst einen aufwendigen und oft schmerzhaften Knochenaufbau mit körpereigenen Knochenstücken aus der Hüfte oder Knochenersatzmaterial durchführen. Dabei ist körpereigener Knochen am besten geeignet, weil dieser dem Kieferknochen am ähnlichsten ist.

Zahnimplantate sind meist aus Titan oder Keramik

Nach dem Knochenaufbau wird dann das Material für das Implantat ausgesucht. Titan wird seit Jahrzehnten verwendet und hat sich gut bewährt. Die neueren Keramikimplantate kommen noch eher selten zum Einsatz. Ist das Implantat dann eingesetzt, wächst der Kieferknochen ganz langsam über Wochen an das Implantat heran. Währenddessen darf das Implantat nicht durch den Verzehr von Nüssen oder ähnlichem stark belastet werden.

Risiken: Verletzung des Unterkiefernervs und Entzündungen

Wichtig beim Implantieren: Auf keinen Fall darf ein Implantat den Unterkiefernerv beschädigt werden, dieser versorgt unter anderem die Lippe mit Gefühl.

Ist der Zahnersatz dann auf dem Implantat verankert, braucht dieser lebenslang eine sehr gute Zahnpflege und zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung, damit er hält. Die große Gefahr ist eine Periimplatitis, die Entzündung des Gewebes um das Implantat herum. Die Folge: Der Knochen zieht sich zurück. Die Periimplatitis kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass ein Implantat wieder entfernt werden muss.

Bei der Arztwahl auf Spezialisten setzen

Bei Implantaten sind Erfahrung und Fingerspitzengefühl entscheidend - die Wahl eines guten Arztes ist also wichtig. Grundsätzlich darf jeder Zahnarzt in Deutschland implantieren. Kompetent sind mit großer Wahrscheinlichkeit Oralchirurgen und -chirurginnen oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen und -chirurginnen, die auf Eingriffe am Kieferknochen spezialisiert sind. Die Kompetenz zeigt sich auch in der Zahl der Implantationen und die Zahl der Patientinnen und Patienten, die mit Implantaten versorgt werden.

Für welche Patienten sind Zahnimplantate geeignet?

Gute Ärzte und Ärztinnen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Patienten darüber aufklären, wenn ein Implantat nicht zu empfehlen ist - und welche Vor- und Nachteile der Zahnersatz hat.

Vorteile des Implantats:

  • 1:1-Ersatz einzelner Zähne
  • keine Stützen erforderlich
  • feste Verankerung
  • lange Haltbarkeit

Nachteile des Implantats:

  • Bohrloch im Kieferknochen
  • Gefahr von Nervenverletzungen
  • Gefahr von Verletzungen der Nasennebenhöhlen
  • Gefahr von Entzündungen und Verwachsungen
  • Geringere Haltbarkeit bei mangelnder Mundhygiene

Nicht geeignet sind Implantate bei:

  • Rauchern
  • Immunschwäche (aufgrund von Erkrankungen oder Medikamenten)
  • Blutkrebs
  • Diabetikern mit schlecht eingestelltem Blutzuckerspiegel
  • Einnahme von Bisphosphonaten

Basisbrücke ist der Standard-Zahnersatz

Bei einem fehlenden Zahn ist die sogenannte Basisbrücke die Standard-Versorgung als festsitzender Zahnersatz. Als Pfeiler für die vom Zahntechniker angefertigte Brücke dienen die beiden angrenzenden Zähne, die dafür beschliffen werden müssen.

Vorteile der Brücke:

  • lange Haltbarkeit
  • niedrigere Kosten
  • ideale Lösung, wenn Nachbarzähne Karies haben

Nachteile der Brücke:

  • gesunde Nachbarzähne müssen abgeschliffen werden, Gefahr eines Schleiftraumas
  • die Pflege ist durch die Brückenkonstruktion schwieriger

Teleskopbrücken werden auf Pfeilerzähnen aufgesteckt

Eine herausnehmbare Zahnprothese in einem Gipsabdrucks eines Kiefers.
Eine herausnehmbare Zahnprothese.

Teleskopbrücken werden nicht fest einzementiert, sondern auf Pfeilerzähnen aufgesteckt. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn nur noch wenige Zähne vorhanden sind und die Pfeilerzähne einer festsitzenden Brücke auf Dauer der Kaubelastung möglicherweise nicht standhalten würden.

Als abnehmbare Zahnbrücke ist sie aufgrund der aufwendigeren Herstellungsweise teurer als die meisten anderen Brückenarten. Dafür kann der Betroffene selbst entscheiden, ob die Brücke dauerhaft im Mund verbleiben soll oder für die tägliche Mundpflege wie eine Zahnprothese herausgenommen werden kann.

Vorteile der Teleskopbrücke:

  • optimale Versorgung eines Zahnlückengebisses
  • Patient kann entscheiden, ob die Brücke fest oder herausnehmbar ist
  • einfachere Mundpflege

Nachteile der Teleskopbrücke:

  • aufwendige Konstruktion
  • teurer als klassische Brücken

Klebebrücke werden an Nachbarzähne geklebt

Klebebrücken, auch Adhäsivbrücken genannt, werden an gesunden Nachbarzähnen festgeklebt. Sie sind an geeigneten Stellen im Mund eine Alternative, wenn für ein Implantat ein umfangreicher Knochenaufbau nötig wäre und die Nachbarzähne im Bereich der Klebeflächen gesund sind. Stabiler ist ein sogenanntes Klebegeschiebe. Von außen ist die Konstruktion fast nicht zu sehen.

Voraussetzung für eine Adhäsivbrücke sind gesunde Nachbarzähne mit intaktem Zahnschmelz, an denen die Flügel wie Türscharniere angeklebt werden.

Vorteile der Klebebrücke:

  • niedrige Kosten (etwa die Hälfte eines Implantats)
  • gute Haltbarkeit
  • kein Abschleifen gesunder Zähne
  • besonders geeignet im Frontzahnbereich

Nachteile der Klebebrücke:

  • Nachbarzähne dürfen keine Karies haben
  • wegen der hohen Belastung nicht ideal im Bereich der Backenzähne
  • Lösen der Klebeverbindung möglich, aber reparabel

Krankenkassen zahlen Festzuschuss

Seit 2005 arbeiten die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Zuschusssystem, das sich allein am Befund des Zahnarztes orientiert und nicht mehr an der Art des Zahnersatzes. Seitdem können Betroffene frei wählen, welche Art von Zahnersatz sie bevorzugen und erhalten dafür einen festen Zuschuss. Entscheidend ist die sogenannte Regelversorgung, für die bestimmte Festzuschüsse geleistet werden. Der Betroffene kann die Zuschüsse auch für eine teurere Versorgung nutzen, zum Beispiel ein Implantat. Er muss dann aber einen höheren Eigenanteil übernehmen, den der Zahnarzt privat in Rechnung stellt.

Angebote von Zahnärzten vergleichen

Generell sind die Kosten eines Zahnersatzes von mehreren Faktoren abhängig: Material, Laborkosten und Zahnarzthonorar. Hier gibt es oft noch Spielraum, weshalb man vor der Behandlung eine Zweitmeinung einholen sollte. Es gibt Auktionsportale im Internet, auf denen man das Angebot des Zahnarztes einstellen und mit anderen Zahnärzten vergleichen kann. Ob der Preisunterschied den Wechsel des Zahnarztes rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden.

 

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Visite | 13.08.2021 | 20:15 Uhr

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