Stand: 28.11.2016 12:32 Uhr  - Visite  | Archiv

Wie nützlich sind "Hautkrebs-Apps"?

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Ärzte raten dazu, Leberflecken regelmäßig selbst zu untersuchen und an Stellen, wo man sie selbst nicht sieht, jemanden um Hilfe zu bitten.

Hautkrebs ist einer der häufigsten Krebserkrankungen. Wird er früh erkannt, ist er durch eine Operation sehr gut heilbar. Ärzte empfehlen daher, die eigene Haut und vor allem Leberflecke regelmäßig selbst auf Veränderungen zu untersuchen. Spezielle Smartphone-Apps versprechen dabei Hilfe und Orientierung. Doch wie verlässlich sind die Einschätzungen aus dem Netz wirklich?

Wie funktionieren Hautkrebs-Apps?

Wer eine der häufig kostenpflichtigen Apps auf sein Smartphone geladen hat, kann mit der Kamera seine Leberflecke abfotografieren. Die App vergleicht die Bilder mit Fotos aus einer Datenbank. Sie sucht nach Ähnlichkeiten mit anderen Bildern und bewertet so das Hautkrebs-Risiko. Außerdem müssen die Benutzer Fragen über Verlauf und Befinden beantworten. Meist können die Bilder gespeichert werden, um Veränderungen über einen längeren Zeitraum erkennen zu können.

App-Diagnosen häufig unzuverlässig

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Mit Hautkrebs-Apps können verdächtige Leberflecken fotografiert werden. Die App schätzt dann das Hautkrebs-Risiko ein.

Was praktisch klingt, sehen viele Hautärzte kritisch. So auch der Hamburger Dermatologe Prof. Matthias Augustin. Er befürchtet, dass die Benutzer die Apps nicht immer richtig handhaben und von den Anbietern nicht ausreichend informiert werden. Selbst bei optimaler Anwendung seien die Apps problematisch, da Laien mit der Diagnose überfordert seien. Schlimmer noch: "Häufig sind die Diagnose und die Risikoeinstufungen falsch. Damit entstehen unnötige Sorgen und Ängste bei den Betroffenen", so Augustin.

Im Zweifel besser den Arzt aufsuchen

Verbraucher sollten sich daher keinesfalls auf die Einschätzung einer App verlassen und sich weder bei einem negativen Befund in Sicherheit wiegen noch in Panik verfallen, sobald eine App eine hohes Hautkrebs-Risiko anzeigt. Im Zweifel sollte immer ein Arzt befragt werden. Denn die zuverlässigsten Diagnosen, das haben Studien ergeben, erstellt immer noch der Hautarzt.

Leberflecken untersuchen mit der ABCDE-Regel

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Die gründliche Untersuchung beim Arzt ist die zuverlässigste Hautkrebs-Vorsorge.

Zur ersten Beurteilung von Leberflecken zu Hause empfiehlt der Hamburger Arzt Dr. Johannes Wimmer die sogenannte ABCDE-Regel: A steht dabei für Asymmetrie. Sie ist ein erstes Alarmzeichen dafür, dass ein Leberfleck möglicherweise nicht gutartig ist. B bedeutet Begrenzung: Ist der Leberfleck unscharf begrenzt, wirkt verwaschen oder hat gezackte Kanten, ist auch das ein Hinweis. C steht für Color, also für die Farbe: Ist der Leberfleck gleichmäßig gefärbt oder gibt es hellere und dunklere Bereiche? Diese könnten auf Hautkrebs hindeuten. Das D bedeutet Durchmesser: Ab ungefähr 0,5 Zentimetern kann auch das ein Alarmzeichen sein. E steht für Erhebung. Wenn sich Leberflecke merklich vorwölben, kann auch das auf Hautkrebs hinweisen.

Übrigens bewerten auch viele Smartphone-Apps die fotografierten Leberflecke nach der ABCDE-Regel. Deshalb können Apps für eine erste Einschätzung manchmal auch nützlich sein - sofern man im Hinterkopf behält, dass sie den Arztbesuch nicht ersetzen können und Fehldiagnosen durchaus möglich sind.

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