Stand: 21.02.2019 23:07 Uhr

Wie gefährlich sind Stickstoffdioxid und Feinstaub?

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Gesundheitsgefahren durch Feinstaub und Stickstoffdioxide werden intensiv diskutiert.

Seit Jahren wird über die Gesundheitsgefahren durch Autoabgase gesprochen. Ging es lange Zeit vor allem um Feinstaub, steht zunehmend Stickstoffdioxid im Zentrum der Kritik. Nachdem in einigen deutschen Städten Fahrverbote drohen und in Hamburg und Stuttgart in Kraft getreten sind, hat sich die Diskussion deutlich verschärft.

Die Fahrverbote haben aktuell Kritiker auf den Plan gerufen: Einige Lungenärzte haben in einer Stellungnahme den Grenzwert für Stickstoffdioxid infrage gestellt. Aber die weitaus meisten Experten widersprechen dieser Kritik - denn neue Erkenntnisse haben sie nicht erbracht. Nach wie vor interessieren sich sehr viele Menschen für die Luftqualität bei ihnen vor der Tür, wie die Aktion #wasatmestdu des NDR gezeigt hat. Umso wichtiger sind die Fakten rund um das Thema Feinstaub und Stickstoffdioxid.

Wie gefährlich ist Stickstoffdioxid?

Stickstoffdioxid (NO2) ist nur einer der Schadstoffe in der Luft, die gesundheitsschädlich sind. Er entsteht bei der Verbrennung - in Städten vor allem in Dieselautos. Zusammen mit Feinstaub gelangt Stickstoffdioxid bis tief in die Lungenbläschen und kann unter anderem schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten, Asthma und Bronchitis auslösen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt durch Stickstoffdioxid auch das Risiko eines Schlaganfalls.

Mehrere Zehntausend vorzeitige Todesfälle sollen Feinstaub und Stickstoffdioxid jedes Jahr allein in Deutschland verursachen, so hört man oft. Das ist eine plakative Modellrechnung. Die Studien dazu sind viel detaillierter. So hat beispielsweise das Umweltbundsamt 2018 eine Studie veröffentlicht, die den Einfluss von Stickstoffdioxid auf die Gesundheit untersucht hat.

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Niemand stirbt also an Feinstaub oder Stickstoffdioxid allein. Deshalb ist die Zahl der vorzeitigen Todesfälle so missverständlich. Doch sicher ist: Luftverschmutzung kann zu schweren Krankheiten führen.

Welchen Anteil hat der Verkehr an Stickstoffdioxid-Emissionen?

Der Straßenverkehr ist für 40 Prozent aller Stickstoffoxid-Emissionen in Deutschland verantwortlich; vor Industrie und Energiewirtschaft. Laut Umweltbundesamt sinken zwar die Stickstoffoxide (NO) insgesamt, aber der Anteil des giftigen Stickstoffdioxids (NO2) nimmt zu. Als Grund dafür werde auch der höhere Anteil von Stickstoffdioxid im Abgas von Dieselfahrzeugen diskutiert, die mit Oxidationskatalysatoren ausgestattet sind, so das Umweltbundesamt.

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Feinstaub besteht aus zahllosen festen und flüssigen Partikeln in der Luft: wie Ruß, Reifen- und Bremsabrieb, Pollen, Sandkörnchen oder Glasstaub. Je kleiner, desto tiefer können die Teilchen in die Lunge und in den Blutkreislauf eindringen. Dabei wird bei der Beurteilung und Messung der Feinstaub in unterschiedliche Größen eingeteilt: Unterschieden werden PM10 (PM = engl. Particulate Matter) mit einem maximalen Durchmesser von zehn Mikrometern, Partikel mit PM 2,5 und ultrafeine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 0,1 Mikrometern.

Die beiden gröberen haben einen Grenzwert. Für den kleinsten, für Ultrafeinstaub, gibt es dagegen bisher keinen Grenzwert - obwohl viele Experten ihn für besonders schädlich halten, da er so tief in den Körper eindringen kann. Feinstaub gilt unter anderem als krebserregend.

Welche Rolle spielt der Verkehr beim Feinstaub?

Der Straßenverkehr in urbanen Gebieten ist sowohl eine Quelle für Stickstoffdioxid als auch für Feinstaub. Er entsteht nicht nur in den Motoren, auch der Abrieb von Reifen und Bremsen trägt zur Feinstaubbelastung bei. Einer der größten Feinstaub-Verursacher ist allerdings die Industrie. Feinstaub entsteht zudem im Haushalt - von der Heizung über den Staubsauger bis zu Kaminöfen. Und auch durch die Landwirtschaft gelangt Feinstaub in die Luft.

Welche Grenzwerte gelten für Feinstaub und Stickstoffdioxid?

Die Grenzwerte für Feinstaub sind in der EU-Richtlinie 2008/50/EG über Luftqualität und saubere Luft für Europa geregelt. Dabei geht es um eine maximale Menge an Schwebeteilchen pro Kubikmeter Luft.

Auch für Stickstoffdioxid gibt es EU-weite Grenzwerte. Für die Außenluft beträgt dieser zurzeit 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel. Die Weltgesundheitsorganisation fordert allerdings deutlich niedrige Werte. Der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter wurde 2018 in mindestens 35 Städten überschritten.

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