Stand: 29.05.2017 21:00 Uhr  | Archiv

Wie gefährlich ist unsere Kleidung?

von Simona Dürnberg

Die Klamotten in unserem Kleiderschrank bestehen häufig aus Baumwolle oder Polyester - doch nicht selten macht ein Cocktail aus Chemikalien mehr als ein Fünftel des Gewichts von Hose oder Kleid aus. Zwar verzichten deutsche Produzenten auf viele der gefährlichen Stoffe, nur wird hierzulande kaum noch Kleidung hergestellt: Schätzungsweise 90 Prozent der in Deutschland verkauften Mode stammt aus dem Import - zum größten Teil aus China, der Türkei oder Bangladesch. Die dort verwendeten chemischen Substanzen sorgen dafür, dass der Pullover weich, das Hemd knitterfrei und die Regenjacke wasserabweisend werden.

Outdoor-Kleidung besonders belastet

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Outdoor-Artikel wie Wanderschuhe sind häufig mit bedenklichen Chemikalien belastet.

Unberührte Landschaften bei Wind und Wetter: Hersteller von Outdoor-Bekleidung werben betont mit Naturverbundenheit, schädigen aber die Umwelt - und uns Menschen. Das kritisiert zumindest Greenpeace. Laut einer aktuellen Untersuchung der Umweltschutzorganisation weisen 36 von 40 getesteten Outdoor-Artikeln teils hohe Konzentrationen von fluorierten Chemikalien (PFC) auf. Sowohl bei der Herstellung als auch beim Tragen der Kleidung können die schädlichen Substanzen in die Umwelt gelangen, dort sind sie biologisch nicht abbaubar und reichern sich in Lebewesen an. Die Chemikalien stehen außerdem in Verdacht, Krebs zu erregen und sich störend auf den Hormonhaushalt und das Immunsystem auszuwirken.

Klamotten vor dem ersten Tragen waschen

Obwohl Reißverschlüsse Blei absondern und bügelfreie Hemden Formaldehyd freisetzen können, sind nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) keine gefährlichen Auswirkungen durch chemische Substanzen für uns Menschen zu erwarten. Und in der Tat konnten Studien über bedenkliche Textil-Chemikalien bislang nicht klären, wie und ab welcher Menge sie die Gesundheit schädigen.

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Neue Kleidung sollte vor dem ersten Tragen unbedingt gewaschen werden.

Wer den Kontakt mit bedenklichen Stoffen dennoch vermeiden will, sollte neue Kleidungsstücke vor dem ersten Tragen unbedingt waschen. Andernfalls kann der Chemie-Cocktail über den direkten Hautkontakt in unseren Körper dringen - vor allem, wenn wir schwitzen. Die Aufnahme der Chemikalien ist ebenso durch die Atemluft möglich. Die Verbraucherzentrale Hamburg macht außerdem darauf aufmerksam, dass Kinder Textilien häufig in den Mund nehmen - dadurch ist eine orale Aufnahme der Chemikalien wahrscheinlich.

Die Schattenseiten der schnellen Mode

Jährlich kauft jeder Deutsche durchschnittlich 70 Kleidungsstücke - dabei gelten anscheinend zunehmend die Regeln der sogenannten Fast Fashion: Die Kollektionen großer Modehersteller wechseln immer häufiger und schneller, die Klamotten werden billig verkauft - und nur wenige Male getragen.

Während sich Verbraucher durch das Waschen der Kleidung vor gefährlichen Substanzen schützen können, leiden bei der Herstellung vor allem die Textilarbeiter. Die Bekleidungsindustrie verlagert die Produktion zunehmend nach Asien. In den dort angesiedelten Fabriken herrschen zum Teil sehr schlechte Arbeitsbedingungen. Die Angestellten hantieren mit den eingesetzten Chemikalien - oftmals ohne die notwendige Schutzkleidung. Die toxischen Abwässer der Fabriken gelangen außerdem in die Flüsse - und damit auch ins Trinkwasser.

Es geht auch ohne Chemie

Zwar lassen sich die fluorierten Chemikalien bislang noch nicht vollkommen ersetzen, doch es gibt umweltfreundliche Alternativen, die in vielen Fällen ausreichen können. Ein Greenpeace-Test mit vier PFC-freien Produkten bewies, dass die Chemikaliengruppe nicht zwingend nötig ist, um Bekleidung wasserdicht und schmutzabweisend zu machen. Kleinere Labels wie Paramo, Puya oder Fjällräven verzichten vollkommen auf die gefährlichen Stoffe. Im Zuge einer Greenpeace-Kampagne haben sich weitere Hersteller bereit erklärt, bis 2020 bedenkliche Substanzen gegen harmlose auszutauschen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen | plietsch. | 29.05.2017 | 21:00 Uhr

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