Stand: 29.10.2019 15:59 Uhr  | Archiv

Wie Plazentahaut kranke Augen heilen kann

Nahaufnahme eines Auges mit grauer Iris (Montage). © Andrejs Pidjass - Fotolia.com Foto: Andrejs Pidjass
Bei Verletzungen der Hornhaut kann die Amnionmembran dem Auge helfen, sich selbst zu heilen.

Die Plazenta, auch Mutterkuchen oder Nachgeburt genannt, wird bei Geburten in der Regel achtlos entsorgt. Doch es gibt auch die Möglichkeit, nach einem geplanten Kaiserschnitt die Plazenta zu spenden und damit anderen Menschen zu helfen. Die innere Haut der Plazenta, die sogenannte Amnionmembran oder Eihaut, besteht aus embryonalem Gewebe, das schützend das Fruchtwasser und das heranwachsende Kind umgibt. Diese Haut ist stark und elastisch - und sie enthält Stoffe, die die Wundheilung fördern können. Als embryonales Gewebe enthält die Amnionmembran keine immunmodulatorischen Stoffe und wird daher bei der Transplantation nicht abgestoßen.

Aufbereitung im Gewebelabor

In einem Gewebelabor wird die innerste Haut der Plazentaspende aufwendig von der restlichen Nachgeburt getrennt, in Form gebracht und so konserviert, dass sie ihre heilenden Eigenschaften behält. Anschließend wird sie an verschiedene Krankenhäuser im ganzen Land verschickt.

Reparatur von Hornhautverletzungen

Augenkliniken setzen die Amnionmembran zum Beispiel bei Oberflächenverletzungen der Hornhaut ein, wenn konservative Therapien mit Augentropfen nicht anschlagen, weil die Hornhaut nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu regenerieren. Für die Transplantation der Plazentahaut in die geschädigte Hornhaut wird nur das Auge betäubt, der Patient bleibt wach. Die Amnionmembran enthält Wachstumsfaktoren, die die gesunden Hornhautzellen wieder zum Wachsen anregen. Außerdem wirkt sie entzündungshemmend. Sind durch Krankheit oder Verätzung tiefe Wunden in der Hornhaut entstanden, lassen sich diese mit der Plazentahaut füllen. Sie verwächst dann mit den körpereigenen Zellen. Außerdem kann die Membran wie ein biologisches und wundheilungsförderndes Pflaster auf die oberste Schicht der Hornhaut vernäht werden, um diese vor Erregern zu schützen. Nach einer Woche fällt sie von allein wieder ab.

Manchmal Probleme beim Sehen

Allerdings ist die Amnionmembran nicht ganz so durchsichtig ist wie die Hornhaut. Muss sie großflächig eingesetzt werden, beeinträchtigt sie deshalb das Sehen. Manche Betroffene sind dann doch auf eine Hornhauttransplantation angewiesen. Dennoch lohnt sich auch in diesen Fällen die Plazentahauttransplantation im Vorfeld, denn die Hornhaut eines Spenders sollte wegen der höheren Abstoßungsgefahr nicht auf ein entzündetes Auge transplantiert werden.

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Experten zum Thema

Dr. Erik Chankiewitz, Klinikdirektor
Augenklinik
Klinikum Bremen-Mitte
St.-Jürgen-Straße 1
28205 Bremen
(0421) 497-52 62
www.gesundheitnord.de/

Dr. Bernhard Nölle, Stellvertretender Direktor
Klinik für Ophthalmologie (Augenheilkunde)
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 3
24105 Kiel
www.uksh.de/augenklinik-kiel

Weitere Informationen
Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG)
https://gewebenetzwerk.de/

Dieses Thema im Programm:

Visite | 29.10.2019 | 20:15 Uhr

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