Stand: 25.06.2018 11:04 Uhr  | Archiv

Was hilft gegen Verstopfung?

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Eine Verstopfung kann äußerst schmerzhaft sein.

Bei Verstopfung können Betroffene unterschiedliche Symptome haben: Viele klagen über Blähungen, Schmerzen und harten Stuhl. Früher hieß es: Wer weniger als dreimal die Woche Stuhlgang hat, leidet unter chronischer Verstopfung. Heute dagegen weiß man: Nicht die Frequenz ist wichtig, sondern das individuelle Gefühl: Verstopft ist, wer sich verstopft fühlt. Auch Betroffene, die jeden Tag Stuhlgang haben, dabei aber unter Schmerzen stark pressen müssen, leiden unter Verstopfung. Die richtige Ernährung und Abführmittel können helfen, eine Verstopfung zu verhindern oder zu beseitigen.

Keine Vergiftung von innen

Bei einer chronischen Verstopfung ist die Lebensqualität der Betroffenen oft stark eingeschränkt. Zu einer oft befürchteten "Vergiftung von innen" kommt es jedoch nicht. Die Ursachen können vielfältig sein:

  • Zu einer vorübergehenden Verstopfung führen oft Änderungen der Lebensgewohnheiten, zum Beispiel im Urlaub oder nach ungewohnter Bewegungsarmut.
  • Bei dauerhafter Verstopfung liegen oft funktionelle Störungen der Darmtätigkeit mit einer verlängerten Passagezeit des Nahrungsbreis vor. Als Nebenwirkung von Medikamenten kann Verstopfung zum Beispiel nach der Einnahme von Schmerzmitteln vom Morphin-Typ (Opiaten) oder Psychopharmaka (Antidepressiva) auftreten. Eine chronische Verstopfung kann aber auch Symptom einer Erkrankung wie Parkinson, Schilddrüsenunterfunktion, Neuropathien oder Tumoren sein.

Wenn zusätzlich zur Verstopfung weitere Symptome wie ungewollter Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder Schmerzen auftreten oder sich die Verdauungsgewohnheiten plötzlich ändern, sollten Betroffene zum Arzt gehen.

Wie wird Verstopfung diagnostiziert?

Um die Ursache der Verstopfung zu finden, ist ein ausführliches Arztgespräch mit einer Stuhlanamnese (zum Beispiel mithilfe eines "Stuhltagebuchs") und einer körperlichen Untersuchung notwendig. Dabei spielt neben der Häufigkeit der Stuhlentleerung (Defäkation) insbesondere die Stuhlkonsistenz eine entscheidende Rolle. Mithilfe einer Dickdarmspiegelung (Koloskopie) lassen sich einengende Tumoren oder Divertikel entdecken.

In einigen Fällen wird auch die Transportgeschwindigkeit im Dickdarm bestimmt. Dazu schlucken Betroffene an sechs aufeinanderfolgenden Tagen kontrastmittelhaltige Kapseln. Am siebten Tag wird der Bauchraum geröntgt: Der jeweilige Ort der Kapseln gibt Aufschluss darüber, wie schnell der Darm arbeitet und lässt Rückschlüsse auf die Ursache der Verstopfung zu.

Behandlung durch eine Stufentherapie

Eine Verstopfung wird in der Regel mit einer symptomatischen Therapie behandelt:

  • Im Mittelpunkt steht die Umstellung der Ernährung auf eine ballaststoffreiche Kost, regelmäßige körperliche Bewegung und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme.
  • Darmmassagen können die Bewegung des Organs anregen. Dazu kreist die Hand im Uhrzeigersinn auf dem Bauch.
  • Auch bewusste Atemübungen können sich positiv auf die Beschwerden auswirken. Durch die Kontraktion von Zwerchfell, Bauch- und Rückenmuskulatur werden Bewegungen auf den Darm übertragen. Die Anregung von Nerven am Steißbein kann positiv auf die Verdauung wirken.

So wirken Abführmittel

Bei anhaltenden Beschwerden können frei verkäufliche Abführmittel (Laxantien) aus der Apotheke oder aus dem Reformhaus helfen. Nebenwirkungen sind in der Regel nur bei dauerhafter Überdosierung zu erwarten. Nach Ansicht von Experten ist bei gegebener Indikation und korrekter Dosierung auch nichts gegen eine regelmäßige Einnahme von Abführmitteln über einen längeren Zeitraum hinweg einzuwenden. So wirken Laxantien:

  • Osmotische Abführmittel ziehen Wasser in den Darm, das den Stuhl erweicht, auflockert und das leichtere Ausscheiden ermöglicht. Zu den osmotischen Abführmitteln zählen Ballaststoffe wie indischer Flohsamen, zuckerhaltige Mittel wie Milchzucker oder Laktulose. Obwohl sie in vielen Fällen gut wirken, können sie schmerzhafte Blähungen verstärken. Der Wirkstoff Macrogol (Pulver in Beuteln) bindet ebenfalls Wasser, jedoch ohne blähende Nebenwirkungen. Die Mittel müssen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, sie helfen nicht kurzfristig.

  • Stimulierende Abführmittel fördern die Darmbewegungen, sodass der Stuhl schneller in Richtung Enddarm transportiert und der Stuhlgang eingeleitet wird. Außerdem hemmen sie die Flüssigkeitsaufnahme aus dem Darm. Dabei kann es zu Krämpfen kommen. Wirkstoffe sind zum Beispiel Bisacodyl als Dragees und Zäpfchen, sowie Natrium-Picosulfat, das es auch als Tropfen gibt. Auch die pflanzlichen Anthrachinone, zum Beispiel aus Sennenblättern, gehören zu den stimulierenden Abführmitteln. Auch pflanzliche Abführmittel können zu Darmkrämpfen führen und sind nicht immer schonender als chemische Abführmittel.

Prokinetikum kann bei hartnäckiger Verstopfung helfen

Wenn frei verkäufliche Abführmittel nicht helfen und der Arzt nach entsprechender Diagnostik die Notwendigkeit sieht, kann ein verschreibungspflichtiges Prokinetikum zum Einsatz kommen. Der sogenannte 5-HT4-Agonist ahmt die Wirkung des bewegungsfördernden Botenstoffes Serotonin im Nervensystem des Darms nach.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Torsten Kucharzik
Chefarzt Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie
Klinikum Lüneburg
Bögelstraße 1, 21339 Lüneburg
(04131) 77 22 41
www.klinikum-lueneburg.de

Dr. Martin Schmidt-Lauber, Gastroenterologe, Internist
Gastroenterologische Gemeinschaftspraxis
Unter den Eichen 26, 26122 Oldenburg
(0441) 97 39 30
www.gastroenterologie-oldenburg.de

Weitere Informationen
Gastro-Liga e. V.
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www.gastro-liga.de

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Visite | 26.06.2018 | 20:15 Uhr

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