Stand: 06.03.2018 09:26 Uhr  - Visite  | Archiv

Gebärmutter entfernen: Ja oder nein?

Ultraschalluntersuchung © Colourbox
Viele Veränderungen der Gebärmutter lassen sich per Ultraschall erkennen.

Rät der Gynäkologe zur Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie), sind viele Frauen verunsichert: Der Eingriff kann das Ende eines jahrelangen Leidensweges bedeuten. Doch kritische Untersuchungen zeigen, dass etliche Gebärmutterentfernungen der vergangenen Jahre medizinisch nicht notwendig waren.

Gründe für Entfernung der Gebärmutter

  • Jede sechste Gebärmutterentfernung erfolgt wegen einer Krebserkrankung oder einer Krebsvorstufe.

  • Bei den gutartigen Erkrankungen sind es meistens Myome, gutartige Muskelknoten, die zu einer Entfernung der Gebärmutter führen.

  • Endometriose und hormonelle Veränderungen können Blutungsstörungen und Regelschmerzen verursachen, unbehandelt auch Blutarmut (Anämie).

  • Bei einer Senkung verlieren Teile von Vagina, Gebärmutter oder der Blase ihren Halt im kleinen Becken. Druckgefühle, Probleme beim Stuhlgang oder Inkontinenz können die Folgen sein. Auch die Lebensqualität und das Sexualleben der betroffenen Frauen können beeinträchtigt sein.

Derzeit gehen die Eingriffszahlen zurück: 2016 wurden 25 Prozent weniger Gebärmutterentfernungen durchgeführt als fünf Jahre zuvor. Denn es gibt durchaus andere Möglichkeiten, starke Blutungen, Myome oder Senkungsbeschwerden zu behandeln. In welchen Fällen eine Entfernung der Gebärmutter dennoch sinnvoll ist, müssen Arzt und Patientin gemeinsam entscheiden.

Blutungsstörungen behandeln

Verstärkte Blutungen und Schmerzen können bei vielen Frauen mit der Anti-Baby-Pille oder einer Hormonspirale deutlich gebessert werden. Die Hormonspirale gibt das sogenannte Gelbkörperhormon ab, das für einen Schleimhautabbau sorgt.

Ein Ausschabung (auch Kürettage oder Abrasio genannt) kann sicherstellen, dass keine bösartige Erkrankung vorliegt. Dafür schabt der Arzt von der Scheide aus die oberflächliche Schicht Gebärmutterschleimhaut aus und lässt die Zellen feingeweblich untersuchen. Vorübergehend werden so auch die Beschwerden gebessert.

Damit die Blutung nicht immer wieder kommt, kann die Schleimhaut dann als dauerhafte Lösung mit Hitze, Laserstrahlen oder auch mit einer Elektroschlinge verödet werden, die sogenannte Goldnetzelektrode arbeitet mit Hochfrequenzstrom.

Ist tatsächlich eine komplette Entfernung der Gebärmutter notwendig, sollte wenn möglich der Gebärmutterhals erhalten bleiben. Das ist für die betroffenen Frauen von Vorteil, denn der Gebärmutterhals kann weiterhin den Beckenboden stabilisieren.

Myome behandeln

Hormonpräparate helfen manchmal, das Wachstum der Knoten vorübergehend zu bremsen. Bei einigen Myomformen kann die sogenannte Embolisation helfen. Dabei wird die Blutzufuhr der Wucherung mit kleinen Plastikkügelchen unterbrochen, die Myome schrumpfen.

In vielen Fällen können erfahrene Operateure mit einem minimalinvasiven Eingriff die Myome gezielt herausschneiden und die Gebärmutter erhalten. Der Eingriff dauert etwa eine Stunde. Dabei werden die Instrumente samt Minikamera über kleine Einschnitte in die Bauchhöhle geführt. Dann schält der Operateur das Myom vorsichtig aus der Gebärmutterwand.

Eine weitere schonende Methode zur Myom-Behandlung ist der fokussierte Ultraschall. Dabei werden hochenergetische Ultraschallwellen von außen durch die Bauchdecke hindurch auf einen einzigen Punkt im Myom fokussiert. In diesem Brennpunkt entwickeln sich innerhalb von Sekunden Temperaturen von 60 bis 80 Grad. Dadurch wird das Myomgewebe zerstört. Einige Experten sehen in dieser Behandlungsmethode besonders für junge Frauen mit Kinderwunsch eine Alternative zur operativen Behandlung.

Hat eine Betroffene keinen Kinderwunsch oder ist die Familienplanung bereits abgeschlossen, ist die Entfernung der Gebärmutter ein sicherer Weg, um die Beschwerden zu stoppen. Liegen die Myome im oberen Teil der Gebärmutter, kann der Operateur den Gebärmutterhals erhalten und nur den Teil mit den Myomen entfernen.

Weitere Informationen
Hände auf der Tastatur eines Laptops. © fotolia Foto: bufalo66

Chat-Protokoll: Gebärmutterentfernung

Wenn der Frauenarzt zur Entfernung der Gebärmutter rät, sind viele Frauen verunsichert. Gynäkologin Kirsten Graubner hat im Visite Chat Fragen dazu beantwortet. Das Protokoll. mehr

Operation bei Beckenbodenschwäche

Der Beckenboden besteht aus dünnen Muskelplatten und Bändern und verschließt das Becken nach unten hin. Zusätzlich werden Blase, Gebärmutter und Darm durch bindegewebige Bänder an ihrem Platz gehalten.

Diese werden mit zunehmendem Alter häufig spröde und geben schließlich nach. Dadurch können Harnblase und Gebärmutter ihre Lage verändern und nach unten rutschen. In der Folge kommt es zu Inkontinenz oder Senkungsbeschwerden. Wenn Teile der Gebärmutter nach außen hin sichtbar werden, spricht man von einem Vorfall.

Bei leichteren Senkungsbeschwerden kann ein Scheidenpessar helfen, das wie ein Tampon täglich selbst eingeführt und entfernt werden kann. Pessare sind schalen-, ring- oder würfelförmig und bestehen meist aus Kunststoff oder Silikon. Sie werden in die Scheide eingeführt und haben die Aufgabe, das Scheidengewölbe zu spannen und damit die Gebärmutter abzustützen.

Bei einem ausgeprägten Vorfall der Gebärmutter in höherem Lebensalter ist die Entfernung der Gebärmutter oft die beste Lösung. Der Gebärmutterhals kann erhalten bleiben und durch Kunststoffbänder auf beiden Seiten im Becken fixiert werden, um ein erneutes Herunterrutschen zu verhindern.

Gebärmutter minimalinvasiv entfernen

Die Gebärmutter kann entweder von der Scheide aus oder per Bauchschnitt entfernt werden. Seit den 1990er-Jahren kommen drei minimal-invasive Methoden hinzu:

  • totale laparoskopische Hysterektomie (TLH)
  • laparoskopisch assistierte vaginale Hysterektomie (LAVH)
  • laparoskopisch assistierte suprazervikale Hysterektomie (LASH)

Welches Verfahren zum Einsatz kommt, hängt von der individuellen Situation ab: Wie groß ist die Gebärmutter? Gab es schon Voroperationen? Sollen Kunststoffbänder oder Netzte verwendet werden? Sollen die Eierstöcke mit entfernt werden?  

Risiken einer Gebärmutterentfernung

Die Gebärmutter bildet keine Hormone. Dennoch kann es nach einer Operation zu hormonellen Veränderungen kommen, wenn die Blutversorgung der Eierstöcke beeinträchtigt wird. Einige Frauen klagen nach der Gebärmutterentfernung über Inkontinenz oder sexuelle Probleme - vor allem, wenn auch der Gebärmutterhals entfernt wurde.

Nutzen und Risiken gründlich abwägen

Bevor sich eine Frau wegen einer gutartigen Erkrankung zur Entfernung ihrer Gebärmutter entschließt, sollte sie sich eingehend mit ihrem Gynäkologen beraten und eine Zweitmeinung bei einem anderen Arzt einholen. Denn in einigen Fällen ist eine alternative Behandlung möglich.

Weitere Informationen
Schematische Darstelleung einer Gebärmutter © colourbox

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 06.03.2018 | 20:15 Uhr

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