Stand: 12.06.2018 14:20 Uhr  | Archiv

Schleimbeutel: Ursache für Entzündung finden

Frau stützt sich am Waschbeckenrand ab und hält sich die Hüfte © Fotolia.com Foto: Y's harmony
Eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte kann sehr schmerzhaft sein.

Als Schleimbeutel (Bursa) werden kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Puffer zwischen Knochen und Sehnen bezeichnet. Rund 150 davon gibt es im menschlichen Körper. Vor allem an Knien, Ellenbogen und Hüfte bilden sie eine Gleitschicht aus lockerem Bindegewebe und Schleimhaut. Sie haben die Aufgabe, die Reibung bei Bewegungen des Gelenks zu vermindern. Bei Belastung bilden Schleimbeutel noch mehr Flüssigkeit, um plötzliche Stöße abzufedern. Lässt die Belastung nach, wird die Flüssigkeit normalerweise wieder abgebaut. Doch bei einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) stockt der Abbau: Der Schleimbeutel schwillt an und schmerzt.

Ursachen für Bursitis an Ellenbogen und Knie

Eine Schleimbeutelentzündung an Knie oder Ellenbogen tritt häufig durch Überlastung auf. Oft ist der Grund eine einseitige Belastung im Beruf: Fliesenleger strapazieren ihre Knie, Büroangestellte ihre Ellenbogen. Auch bei manchen Sportarten sind Knie und Ellenbogen ständig im Einsatz. Bei dauerhafter Überlastung kann eine Schleimbeutelentzündung chronisch werden.

Symptome und erste Behandlung

Eine akute Schleimbeutelentzündung an Knie oder Ellenbogen führt zu Schwellung, Überwärmung und Schmerzen. Das Gelenk büßt an Beweglichkeit ein und sollte unbedingt geschont und mit kalten Kompressen gekühlt werden. Wer starke Schmerzen hat, kann für zwei bis drei Tage zusätzlich ein entzündungshemmendes Schmerzmittel einnehmen. Führt das nicht innerhalb weniger Tage zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden, sollte der Betroffene einen Arzt aufsuchen. Eine Schleimbeutelentzündung muss gründlich ausheilen, damit sie nicht auf das Gelenk übergreift.

Bursitis an Ellenbogen und Knie behandeln

Hilft Abwarten und Ruhigstellen des Gelenks nicht, kann der Arzt den entzündeten Schleimbeutel mit einer sterilen Spritze punktieren. Dabei saugt er Gelenkflüssigkeit und Eiter vorsichtig ab und entlastet dadurch den verdickten Schleimbeutel. Bei einer bakteriellen Infektion des Schleimbeutels kommen Antibiotika zum Einsatz. Weitere Therapien:

  • In einigen Fällen kann eine Spritze mit Kortison die Entzündung reduzieren. Entzündet sich der Schleimbeutel immer wieder, kann eine andere Ursache dahinterstecken, zum Beispiel eine gereizte Sehne oder eine Veränderung des Knochens. In diesem Fall kann Kortison die Probleme eher verschärfen. Orthopäden warnen, dass Kortison die Sehnen schädigen kann.

  • Bei der Neurostimulation nach Molsberger (NSM) werden feine Sonden - vergleichbar mit Akupunkturnadeln - am erkrankten Gewebe platziert und unter Strom gesetzt, um körpereigene elektrische Felder zu beeinflussen. Der schwache elektrische Strom soll entzündungshemmend wirken. Allerdings wird das Verfahren nicht von der Krankenkasse bezahlt.

  • Führt ein Sehnenschaden oder eine knöcherne Veränderung zu einer Bursitis, kann eine Operation unumgänglich sein. Dabei wird das zugrundeliegende Problem repariert und der entzündete Schleimbeutel entfernt. Er wächst später wieder nach.

Bursitis an der Hüfte: Ursachen und Symptome

Anders als am Knie oder Ellenbogen werden die Schleimbeutel an der Hüfte nur selten mechanisch von außen gereizt. Dort entsteht eine Entzündung oft durch Fehlhaltung oder Fehlstellung des Hüftgelenks, des Beckens oder der Knie (X-Beine). Auch eine chronische Überbelastung, etwa langes Sitzen mit übereinander geschlagenen Beinen, kann zu einer Bursitis an der Hüfte führen.

Eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte macht sich durch Stechen, Ziehen und Schmerzen beim Sitzen, Aufstehen und Gehen bemerkbar. Die Beschwerden treten auch nachts auf. Häufig ist der Schleimbeutel auf dem "großen Rollhügel" an der seitlichen Hüfte betroffen. Dabei kommt es zu diffusen oder örtlich begrenzten Hüftschmerzen, in einigen Fällen auch zu Leistenschmerzen. Eine Schonhaltung kann die Beschwerden verschlimmern.

Ist das Becken verdreht und kippt zu einer Seite, erhöht sich hier die Spannung auf die Sehnenplatte - was zu einer Überbelastung und Entzündung des Schleimbeutels führen kann.

Bursitis an der Hüfte erkennen

Eine Bursitis im Bereich der Hüfte ist besonders schwierig zu erkennen. Denn dort liegen die Schleimbeutel so tief unter den Sehnen, dass man sie nicht ertasten kann. Die richtige Diagnose bringt eine gründliche körperliche Untersuchung, Ultraschall und Kernspintomografie. Weitere mögliche Ursachen für Hüftschmerzen:

  • entzündete Sehnenansätze
  • Risse in der Hüftmuskulatur
  • Sehnenabriss
  • Knochenabriss nach Einsatz einer Hüftprothese

Nicht mit Arthritis und Arthrose verwechseln

Durch eine körperliche Untersuchung lässt eine Schleimbeutelentzündung an der Hüfte nicht immer eindeutig von einer Gelenkentzündung (Arthritis) oder einer Abnutzung des Gelenks (Arthrose) unterscheiden. Bei einer solchen Fehldiagnose verschreibt der Arzt zum Beispiel Schmerztabletten, Spritzen und Krankengymnastik oder empfiehlt den Einbau eines künstlichen Hüftgelenks. Experten schätzen, dass viele Hüftprothesen unnötig implantiert werden, weil der behandelnde Arzt eine Bursitis an der Hüfte nicht erkannt und für Gelenkverschleiß gehalten hat.

Bursitis an der Hüfte behandeln

Um den Druck auf den entzündeten Schleimbeutel zu verringern, sollten Betroffene die Hüfte möglichst nicht beugen, längeres Sitzen, Stehen und Schlafen auf einer Seite vermeiden. Geduld und Schonung sind wichtig, denn entzündete Schleimbeutel erholen sich nur langsam. Der Arzt kann der Arzt unterschiedliche Therapien empfehlen:

  • Die Schmerzen lassen sich oft durch Kälte- und Wärmeanwendungen und entzündungshemmende Spritzen beseitigen. Gezielte Übungen können Verklebungen lösen.
  • Liegt die Ursache der Bursitis in einer dauerhaften Fehlhaltung durch eine Längendifferenz oder Fehlstellung der Beine, sollte diese mit orthopädischen Einlagen ausgeglichen werden. Ein verdrehtes Becken kann ein Osteopath wieder richten, bevor die Behandlung der Bursitis beginnt.
  • Wenn konservative Methoden ohne Erfolg bleiben, ist eine Operation des entzündeten Schleimbeutels (Bursektomie) nötig. Der Chirurg entfernt nicht nur den entzündeten Schleimbeutel, sondern glättet auch das Gewebe und schafft eine neue Gleitfläche. Anschließend verhindert ein gezieltes Training zur Kräftigung der Muskulatur, dass es wieder zu schmerzhaften Reibungen kommt.

Diese Übungen helfen bei Bursitis an der Hüfte

Diese Übungen verbessern die Beweglichkeit der Hüfte und können dadurch Schmerzen lindern:

  • Tractus iliotibialis dehnen (Seitenstellung): Stellen Sie sich seitlich an eine Wand. Das Bein mit der erkrankten Hüfte steht etwa einen Fuß entfernt von der Wand. Stützen Sie sich mit der Hand der verletzten Seite an der Wand ab. Bewegen Sie das unverletzte Bein in Richtung Wand über das verletzte Bein und stellen Sie es daneben ab. Halten Sie die Dehnung.

  • Tractus iliotibialis dehnen (im Stehen): Stehen Sie gerade. Bewegen Sie das unverletzte Bein über das verletzte Bein und stellen Sie es daneben ab. Bücken Sie sich und berühren Sie die Zehen mit den Fingern. Halten Sie die Position 30 Sekunden lang und gehen Sie wieder in die Ausgangsposition zurück. Wiederholen Sie die Übung dreimal.

  • Beinheben: Legen Sie sich mit der unverletzten Seite auf eine Gymnastikmatte. Das verletzte Bein liegt oben. Stützen Sie den Kopf mit der Hand ab. Spannen Sie die Oberschenkelmuskeln des verletzten Beins an und heben Sie das Bein leicht gestreckt acht bis zehn Zentimeter über den Boden. Halten Sie die Position einige Sekunden. Führen Sie drei Sätze mit jeweils zehn Wiederholungen aus.

  • Hip Extension: Legen Sie sich mit dem Bauch auf eine Gymnastikmatte. Die Arme liegen an den Seiten, sodass die Handflächen auf der Matte liegen. Heben Sie das erkrankte Bein langsam durch Anspannen der Oberschenkelmuskulatur. Es soll dabei gestreckt bleiben. Halten Sie das angehobene Bein einige Sekunden lang und senken Sie es langsam ab. Führen Sie drei Sätze mit jeweils zehn Wiederholungen aus.

  • Wand-Kniebeuge: Stellen Sie sich in aufrechter Position mit dem Rücken an eine Wand. Drücken Sie einen Gymnastikball oder Basketball an die Wand. Halten Sie Ihren Körper gerade und beugen Sie langsam die Knie, bis sich die Oberschenkel parallel zum Boden befinden. Während der Oberkörper nach unten sinkt, rollt der Gymnastikball am Rücken entlang nach oben. Halten Sie die Position zehn Sekunden lang. Drücken Sie sich mithilfe der Fersen wieder in die Ausgangsposition. Wiederholen Sie die Übung zehn Mal.

Weitere Informationen
Frau stützt sich am Waschbeckenrand ab und hält sich die Hüfte © Fotolia.com Foto: Y's harmony

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Gabriela von Lewinski, Leitende Oberärztin                                                  
Department Endoprothetik und Rekonstruktive Gelenkchirurgie Hüfte/Knie
Orthopädische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
im DIAKOVERE Annastift
Anna-von-Borries-Straße 1-7, 30625 Hannover-Kleefeld
(0511) 535 40
www.diakovere.de

Dr. Renate Döbber, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
Orthopädische Praxis
Am Markt 10, 25436 Uetersen
(04122) 90 92-0
www.orthopaedie-doebber.de

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Visite | 12.06.2018 | 20:15 Uhr

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