Junge Frau im Bett schaut verzweifelt und legt die Hand gegen die Stirn. © Fotolia.com Foto: Sergey

Schlafstörungen: Wie kann Naturheilkunde helfen?

Stand: 22.01.2021 20:23 Uhr  | Archiv

Naturmedizin kann bei Schlafstörungen helfen. Im Gegensatz zu den meisten Pillen haben die Methoden der Naturheilkunde keine Nebenwirkungen und fördern trotzdem einen gesunden Schlaf.

Nicht zur Ruhe kommen, schlecht schlafen: Gerade in der Zeit der Corona-Pandemie und vor allem auch jetzt im zweiten Lockdown geht es vielen Menschen immer noch oder wieder so. Schon wer dreimal pro Woche innerhalb eines Monats nicht gut ein- oder durchschlafen kann, hat nach medizinischen Maßstäben eine Schlafstörung, eine Insomnie.

Depression oder Erkrankung als Ursache für Schlafstörungen

Eine Insomnie kann auch Symptom einer Depression oder einer organischen Erkrankung sein, und sollte deshalb unbedingt ernst genommen und ärztlich abgeklärt werden. Zu den möglichen Ursachen zählen Schilddrüsenerkrankungen, ein zu hoher Blutdruck, hormonelle Umstellungen wie in den Wechseljahren oder auch psychische Faktoren wie Ängste. Sind ernste Grunderkrankungen ausgeschlossen, lassen sich Schlafstörungen oft auch mit natürlichen Mitteln wirkungsvoll behandeln. 

 

Naturheilkunde bei Schlafstörungen

Die Naturheilkunde setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe, auch bei Schlafstörungen. Statt Schlaftabletten, die schnell zu einer Abhängigkeit führen können, helfen bestimmte Rituale, den Körper auf natürliche Weise müde zu machen.

Dazu gehören zum Beispiel abendliche Spaziergänge an der frischen Luft. Anstrengende Sportarten wie Jogging sind hier eher kontraproduktiv, da sie die Temperatur im Körper steigern, während sie natürlicherweise sinkt, bevor man ins Bett geht.

Fußbad und Heilpflanzen bei Einschlafproblemen

Vor allem die Füße sollten beim Einschlafen warm sein. Eine Wärmflasche, ein Fußbad (mit Senfmehl oder Ingwer) oder "glühende Füße á la Kneipp" (leicht feuchte Socken mit Wollstrümpfen darüber) heizen den Füßen ein und unterstützen das Einschlafen.

Heilpflanzen wie Passionsblume, Hopfen, Lavendel, Baldrian und Melisse wirken leicht schlafanregend. Die Einnahme ist als Tee oder Präparat möglich. Allerdings ist die Dosierung der Präparate aus Drogerien und Discountern zu niedrig, sie müsste bei 600 bis 900 Milligramm liegen, um eine gute Wirkung zu entfalten. Im Gegensatz zu sofort wirkenden Schlaftabletten brauchen die Pflanzen zudem einen längeren Zeitraum von mindestens zwei Wochen, um zu wirken.

Sinnvoller als ein Tee oder Präparate aus der Apotheke dieser Heilpflanzen ist die Einnahme ihrer Wirkstoffe in Form von naturheilkundlichen Tabletten: Sie sind hoch genug dosiert, der oft unangenehme Geschmack der Heilpflanzen im Tee fehlt und wer vor dem Schlafengehen viel Tee trinkt, muss nachts wieder auf die Toilette.

Intervallfasten für besseren Schlaf

Gegen Übergewicht hat sich das sogenannte Intervallfasten bereits bewährt. Es sorgt aber auch für einen besseren Schlaf, denn Kalorien blockieren im Körper die Ausschüttung von Melatonin, dem wichtigsten Schlafhormon. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte deshalb mindestens vier Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen. 

Licht verhindert tiefen Schlaf

Auch völlige Dunkelheit verhilft zu einem besseren Schlaf. Störfaktoren wie leuchtende Wecker oder Standby-Lämpchen haben im Schlafzimmer nichts zu suchen. Licht verhindert einen tiefen Schlaf, denn für die Ausschüttung von Melatonin benötigt der Körper Dunkelheit.

Selbst kleine Lichtquellen reichen aus, um die Produktion des Schlafhormons zu stören. Das Handy sollte vor dem Schlafengehen möglichst längere Zeit nicht benutzt werden. Zudem sollte abends der Blaufilter des Displays eingeschaltet werden.

Meditation und Atemübungen

Wer ständig grübelt, sollte sein Gehirn 20 Minuten vor dem Schlafengehen durch Meditation oder Atemübungen "aufräumen", um Ängste, Sorgen und Belastungen nicht mit ins Bett zu nehmen. Sonst fängt das Gehirn mitten in der Nacht an, diese liegen gebliebenen Aufgaben zu bearbeiten und man wacht leichter auf.

Heiße Milch mit Honig hilft nicht

Es gibt aber auch weniger hilfreiche Hausmittel gegen Schlafstörungen: So ist die oft empfohlene heiße Milch mit Honig eher kontraproduktiv, weil sie Tryptophan, eine Vorstufe von Serotonin enthält. Serotonin hebt aber eher die Stimmung als das Schlafbedürfnis. Zudem ist heiße Milch mit Honig reich an Kalorien und bremst die Melatoninausschüttung.

Ingwertee wirkt auf manche Menschen abends anregend, auf andere aufgrund der Wärme schlaffördernd. Das muss jeder für sich selbst ausprobieren. Melatonin aus der Apotheke ist in den USA beliebt, hat aber in Studien weniger überzeugt.

 

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Visite | 26.01.2021 | 20:15 Uhr

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