Stand: 17.02.2020 19:17 Uhr  - Die Ernährungs-Docs

Ernährung bei Zystinsteinen in der Niere

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Fleisch und Wurst enthalten viel Zystin.

Sogenannte Zystinsteine sind selten und machen nur etwa jeden hundertsten Nierenstein-Fall aus. Ursache ist ein erblich bedingter Stoffwechseldefekt: Durch ein fehlendes Enzym kann der Körper bei der Verdauung den Eiweißbaustein Zystin nicht herausfiltern, sodass er sich im Urin sammelt. Die Zystin-Konzentration im Urin kann so hoch steigen, dass das Zystin ausflockt. Wenn Zystinkristalle verklumpen, entstehen Zystinsteine, die den Harnleiter verstopfen und so eine Nierenkolik verursachen können.

Basenreiche Kost und viel trinken

Die Stoffwechselerkrankung ist nicht heilbar. Man kann jedoch durch eine geeignete Ernährungsweise versuchen, die Steinbildung zu verhindern. Das Risiko, dass sich neue Zystinsteine bilden, lässt sich reduzieren durch eine ganztägig erhöhte Trinkmenge, um den Urin stark genug verdünnen. Weitere Ansatzpunkte sind eine salzarme und nicht zu eiweißreiche Ernährung und eine basenreiche, also gemüsebetonte Kost, um den Urin alkalisch zu halten.

Salzarm und vegetarisch essen - ohne Soja!

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Kartoffelsuppe aus der Dose, Ketchup, Käse, Aufschnitt, Brot: Viele Lebensmittel sind enorm salzhaltig.

Betroffene sollten möglichst vegetarisch essen, weil Fleisch viel Zystin enthält. Aber Achtung: möglichst keine Fleischersatzprodukte wie Tofu-Burger, -Schnitzel und -Frikadellen, denn auch Soja, die Grundlage für Tofu, ist ein wichtiger Zystinlieferant! Außerdem enthalten die Fertigprodukte meist zu viel Salz. Es fördert alle Arten von Nierensteinen, deshalb muss der Salzkonsum möglichst unter vier Gramm am Tag bleiben. Das bedeutet: weniger als ein gestrichener Teelöffel Salzzufuhr insgesamt - also aus fertigen Lebensmitteln und aus dem Streuer.

Eiweiß richtig dosieren

Eiweiß macht den Urin sauer, deshalb liegt die Empfehlung für Nierenkranke nur bei nur 0,8 Gramm Eiweiß täglich pro Kilo Körpergewicht. Bei einem Gewicht von 78 Kilo wären das rund 62 Gramm Eiweiß pro Tag. Tagesbeispiel für diese Dosis: ein Naturjoghurt mit Haferflocken, Nüssen, Kernen und Obst, mittags ein Quinoasalat mit Kichererbsen und Feta und abends Lachsfilet mit Ofengemüse. Betroffene sollten immer die Eiweißgehalt-Angaben in den Rezepten und auf Verpackungen beachten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Viel trinken! Mindestens 3 Liter pro Tag (auch nachts). Am besten bikarbonatreiches Mineralwasser versetzt mit Vitamin C, beispielsweise Sanddorn- oder Hagebuttenpulver, oder ungesüßte Tees.
  • Mahlzeitenstruktur: drei Hauptmahlzeiten, keine Zwischenmahlzeiten.
  • Viel Gemüse und Obst essen. Fünfer-Regel: 3 Handvoll Gemüse und 2 Handvoll zuckerarmes Obst am Tag.
  • Kohlenhydrate reduzieren! Wenig Süßes, kein Weizen und nur kleine Portionen Getreideprodukte (Vollkornbrot, -pasta, -reis). Im Vollkorn stecken gesunde Ballaststoffe.
  • Mehrheitlich vegetarisch essen: Fleisch enthält viel Zystin. Vorsicht mit Fleischersatzprodukten: Auch Soja ist ein wichtiger Zystinlieferant!
  • Keine Fertigprodukte wegen des meist zu hohen Salzgehalts und sparsam salzen.
  • Eiweiß richtig dosieren: 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht im Normalgewicht. Beispiel: Eine Frau, 65 Kilo bei 1,70 Meter (Normalgewicht), braucht 52 g Eiweiß pro Tag, am besten verteilt auf 3 Mahlzeiten. Ein Mann, 78 Kilo, braucht 62 g Eiweiß. Eiweißquellen: gute Mischung aus pflanzlichem und tierischem Eiweiß (fettarme Milchprodukte, fettreicher Seefisch, gelegentlich Geflügelfleisch).
  • Ölwechsel in der Küche: mehr hochwertige Pflanzenöle einsetzen, auch wegen der gesunden Omega-3-Fettsäuren. Dafür möglichst wenig tierische Fette.

Video: Ernährungstherapie bei Zystinsteinen
13:47
Die Ernährungs-Docs

Lebensmittel im Überblick

EmpfehlenswertNicht empfehlenswert
Brot und Backwaren, Beilagen
(1 Handvoll/Tag)
In Maßen: Vollkornbrot/-brötchen, insbesondere aus Hafer, Dinkel, Roggen, Gerste;
Haferflocken, Müsli ohne Zucker;
Quinoa; Amarant;
Vollkornnudeln, Vollkornreis, Pellkartoffeln
Weizenprodukte; Weißbrot, Toastbrot, Zwieback, Weizen- und Milchbrötchen, Croissant;
Hartweizennudeln, geschälter Reis, Pommes, Kroketten, Kartoffelbrei, Kartoffelpuffer;
Fertiggerichte, Fast Food
Snacks und KnabberkramSüßigkeiten, süße Backwaren, süße Milchprodukte (s. u.), Eiscreme; Chips, Salzgebäck
Obst
(2 Portionen/Tag)
Zuckerarme Obstsortengezuckerte Obstkonserven, Trockenobst und Obstmus
wegen hohem Zuckergehalt einschränken:
Ananas, Banane, Birne, Honigmelone, Kaki (Sharon), Kirschen, Mango, Weintrauben
Gemüse
(3 Portionen/Tag)
Alle Salat- und Gemüsesorten außer siehe rechtswegen Zuckergehalt
einschränken: Mais
wegen Zystin: Soja
Nüsse und Samen
(3 x/Woche ca. 20 g)
Chia-, Lein- und Flohsamen;
Sonnenblumenkerne
gesalzene Nüsse
Fette und Öle
(2–3 EL/Tag)
Olivenöl, Rapsöl, Walnussöl, Leinöl, WeizenkeimölSchweine- und Gänseschmalz, Butterschmalz, Palmfett, Mayonnaise, Sonnenblumenöl, Distelöl
Getränke
(mindestens 3 Liter/Tag)
bikarbonatreiches Mineralwasser, Nieren- und Blasentees, Kräuter- oder Früchtetees;
max. 1–2 Tassen: frischer Filterkaffee (besser entkoffeiniert), schwarzer Tee
Fruchtsaft pur, Softdrinks, Milchmixgetränke, Alkohol
Fisch und Meeresfrüchte
(1-2 x pro Woche)
Aal, Forelle, Heilbutt, Hering, Kabeljau, Karpfen, Lachs, Makrele, Sardinen, Sardellen, Scholle, Seezunge, Steinbutt, KrabbenFisch in Mayonnaise oder Sahne eingelegt;
panierter Fisch
Wurstwaren und Fleisch 
(selten)
Magere Varianten wie Putenbrustaufschnitt, GeflügelfleischGenerell paniertes Fleisch sowie Fleisch und Wurst vom Schwein;
Leberwurst, Weißwurst, Salami, Mortadella, Fleischwurst, Wienerle, Bratwurst, Blutwurst,  Fleischkäse/Leberkäse
Eier (max. 3-4 pro Woche),
Milch und Milchprodukte, Käse (auf Tagesdosis Eiweiß achten)
Eier;
fettarme Milch 1,5 % Fett, Buttermilch, Speisequark bis 20 % Fett, Naturjoghurt 1,5 % Fett;
Käse bis 45 % Fett i. Tr.: Schnittkäse, Weichkäse, Fetakäse, Mozzarella - besonders mager: Harzer Käse, körniger Frischkäse
Sahne, Schmand und Creme fraiche;
Pudding, Milchreis, Fruchtjoghurt, Fruchtquark, Kakaozubereitungen, Fruchtbuttermilch

 

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Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 17.02.2020 | 21:00 Uhr

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