Stand: 12.10.2015 12:40 Uhr  | Archiv

Bluthochdruck mit Kathetereingriff behandeln

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Bei einer Nierendenervation werden Nervenfasern in der Nierenarterie durch Erhitzen verödet.

Jeder vierte Deutsche leidet an Bluthochdruck. Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation gilt ein systolischer Blutdruck von mehr als 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) und ein diastolischer Blutdruck von mehr als 90 mmHg als Bluthochdruck. Der Blutdruck wird durch komplexe Mechanismen reguliert. Dabei wirken Blutgefäße, biochemische Botenstoffe (Hormone) und das Nervensystem zusammen. Die Mechanismen sind bis heute nur unvollständig geklärt. Sicher ist, dass insbesondere Erbanlagen und der persönliche Lebensstil mit Faktoren wie Bewegungsmangel, ungesunder Ernährung, Übergewicht und Stress entscheidend zur Entstehung von hohem Blutdruck beitragen.

Bluthochdruck bleibt meist lange unerkannt

Da Bluthochdruck zunächst keine Beschwerden verursacht, bleibt er oft unerkannt. Bis zu 50 Prozent der Betroffenen wissen nicht, dass sie an hohem Blutdruck leiden. Das Gefährliche daran ist, dass mit einem dauerhaft erhöhten Blutdruck das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen steigt. Die Folgeschäden wie die koronare Herzkrankheit, Herzinfarkte sowie Nierenfunktionsstörungen und Schlaganfälle sind für einen Großteil der Todesfälle in Deutschland verantwortlich. Das wichtigste Ziel bei der Behandlung von Bluthochdruck ist deshalb die dauerhafte Senkung des Blutdrucks auf normale Werte.

Zur Behandlung des arteriellen Hypertonus (Überdrucks) stehen verschiedene Medikamentengruppen zur Verfügung. In Verbindung mit Änderungen des Lebensstils gelingt es damit in den meisten Fällen, den Blutdruck effektiv zu senken und das Risiko der Komplikationen deutlich zu reduzieren. In einigen Fällen lässt sich ein hartnäckiger Bluthochdruck mit den herkömmlichen Therapieansätzen nicht erfolgreich behandeln. Seit fünf Jahren steht mit der sogenannten renalen Denervation ein umstrittener Behandlungsansatz zur Verfügung.

Wirksamkeit der Nierendenervation nicht eindeutig belegt

Bei dem Eingriff geht es um die Nervenachse zwischen Niere und Gehirn. Sie ist für die Regulierung des Blutdrucks zuständig. Werden die Nerven ausgeschaltet, kann der Blutdruck sinken. Der Aufwand der Operation ist relativ gering: Ein spezieller Katheter wird über die Leistenarterie bis in die Nierenarterie eingeführt. Durch Hitzeeinwirkung (Ablation) werden dann Nervenenden in der Gefäßwand der Nierenarterie verödet. Der Eingriff dauert etwa 40 bis 60 Minuten. Erste Studien waren vielversprechend: Bis zu zwei Drittel der mit der Methode behandelten Patienten reagierten mit einer Blutdrucksenkung. Die Wirkung setzte dabei allerdings nicht unmittelbar, sondern in der Regel erst nach drei bis sechs Monaten ein.

Doch vier Jahre nach Einführung wurde in einer amerikanischen Studie festgestellt, dass die Methode den Blutdruck nicht besser senkt als eine Placebo-Therapie. Daher übernehmen die Krankenkassen die Kosten von etwa 5.000 Euro für den Eingriff mittlerweile nur noch auf Sonderantrag. Behandelt werden in spezialisierten Zentren zurzeit nur noch ausgewählte Patienten. Heute weiß man allerdings, dass die Studie gewisse Schwächen hatte. Deshalb wird sie jetzt erneut durchgeführt - an 20 Zentren weltweit und mit einer Placebo-Kontrollgruppe.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Beitrag und Studio:
Prof. Dr. Joachim Weil
Chefarzt der Medizinischen Klinik II - Kardiologie und Angiologie
Cardiomed Nord, Sana Kliniken Lübeck
Kronsforder Allee 71-73
23560 Lübeck
Tel. (0451) 585 14 34 und (0451) 585 19 51

Im Beitrag:
Prof. Dr. Martin W. Bergmann
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie
Cardiologicum Hamburg
Schloßgarten 7
22041 Hamburg
Tel. (040) 682 80 60
Fax: (040) 68 28 06 66
E-Mail: info@cardiologicum.net
Internet: www.cardiologicum.net

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Visite | 07.07.2015 | 20:15 Uhr

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