Stand: 16.04.2018 17:23 Uhr  - Visite  | Archiv

Neues OP-Verfahren bei Bauchwandbruch

Modell der Rumpf und Oberschenkelmuskulatur © Colourbox
Häufig ist schwaches Bindegewebe die Ursache für Bauchwandbrüche, Nabel- oder Narbenbrüche.

Ein Bruch in der Bauchdecke (Hernie) macht sich als seltsame, weiche Vorwölbung am Bauch bemerkbar. Sie ist vor allem beim Husten, beim Tragen schwerer Lasten oder beim Treppensteigen spürbar und kann schmerzen, bis sie wieder in den Bauch hineingedrückt wird. Eine Hernie bleibt oft lange unbemerkt, ist aber nicht ungefährlich: Eingeweide können sich durch die Spalte in der Bauchdecke (Bruchpforte) in die Ausstülpung, den sogenannten Bruchsack, verlagern.

Rutscht eine Darmschlinge in das Loch und wird eingeklemmt, kann sie dadurch so stark geschädigt werden, dass sie in kürzester Zeit abstirbt. Eine mögliche lebensbedrohende Folge ist ein Darmverschluss mit Austreten von Darminhalt in die Bauchhöhle und einer Bauchfellentzündung.

Ursachen für Bauchwandbruch

Bauchwandbrüche können angeboren sein oder im Laufe des Lebens entstehen. Häufige Ursachen sind chronische Verstopfung, Mangelernährung und ständiges Heben schwerer Lasten.

Sie entstehen meist durch eine Bindegewebsschwäche in der Bauchwand. Das Bindegewebe besteht aus Kollagen und sieht aus wie ein Netz. Die spiralartigen Strukturen sind durch Querstreben verbunden. Menschen mit schwachem Bindegewebe haben weniger Querverstrebungen, sodass das Bindegewebe unter Belastung leichter einreißen kann.

Meist lässt sich der Bruchsack leicht wieder in den Bauch zurück schieben. Deshalb nehmen viele die Erkrankung lange nicht ernst.

Hernien behandeln

Doch Hernien sind alles andere als harmlos. Deshalb sollte ein Bauchwandbruch immer operiert werden. Ein chirurgischer Eingriff ist die einzige erfolgversprechende Therapie. Ist bereits ein Stück Darm eingeklemmt, liegt ein Notfall vor, der eine sofortige Operation erfordert. Im schlimmsten Fall benötigt der Betroffene einen künstlichen Darmausgang.

Operation mit Netz und doppeltem Boden

Die Operation eines Bauchwandbruchs gehört zu den häufigsten in Deutschland durchgeführten Eingriffen. Dazu zählen offene und minimal-invasive Verfahren, mit und ohne Kunststoffnetz. Doch mit bis zu 50 Prozent ist die Rückfallquote, abhängig von der OP-Methode, äußerst hoch.

Während Bauchwandbrüche früher mit einem Faden zugenäht wurden, setzen Chirurgen heute meist Kunststoffnetze ein, um die Bruchpforte zu verschließen. Doch auch bei den Kunststoffnetzen kommt es nicht selten zu Komplikationen: Sie können zu klein sein, verrutschen und mit den Eingeweiden verwachsen. Das gilt auch für die neueren einseitig beschichteten Netze, die von innen gegen die Bauchwand genäht werden (IPOM).

Weniger Rückfälle mit dem MILOS-Verfahren

Zu weniger Wiederholungsbrüchen, Nach-Operationen und chronischen Schmerzen kommt es beim sogenannten MILOS-Verfahren. Dabei platziert der Chirurg das Netz in den Hautschichten außerhalb des Bauchfells, zwischen Binde- und Muskelgewebe. Das Verfahren kombiniert die Vorteile offener und minimal-invasiver Operationen.

Der Chirurg führt über einen kleinen Schnitt die Instrumente und das Netz ein. Nach Entfernung des Bruchsackes und Vernähen der Bruchpforte wird das Netz außerhalb der Bauchhöhle ausgerollt. So liegt es zwischen dem Bauchfell, das die Eingeweide umhüllt, und der Bauchmuskulatur. Die Vorteile:

  • Weil das Netz den Darm nicht berührt, kann es nicht mit dem Organ verwachsen.
  • Das Netz kann nicht verrutschen, weil es allein durch den Druck aus dem Bauchraum an seinem Platz gehalten wird.

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Visite | 17.04.2018 | 20:15 Uhr

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