Stand: 15.11.2016 13:22 Uhr  | Archiv

Kniegelenk: Behandlungsfehler im OP

Bei einer schweren Kniegelenksarthrose ist der Gelenkknorpel so verschlissen, dass der Betroffene nicht mehr schmerzfrei laufen kann und schließlich nur noch ein künstliches Kniegelenk hilft. Mit rund 150.000 Eingriffen pro Jahr in Deutschland gehört die Implantation einer Knieprothese zu den häufigen Operationen. Doch jeder Vierte ist mit dem Ergebnis der Routineoperation unzufrieden. Wie eine Studie der Berliner Charité zeigt, liegt das meist nicht an schlechten Prothesen oder an falschem Gebrauch, sondern an mangelnder Übung der Operateure: Mehr als 60 Prozent der Prothesen, die ausgetauscht werden mussten, waren weniger als siebe Jahre implantiert.

Fehler bei der Operation

Die Forscher untersuchten bei fast 400 Patienten, warum der Prothesenwechsel nötig wurde. Bei jedem Vierten war das Kunstgelenk nicht stabil, bei weiteren 20 Prozent stimmte der Winkel nicht und in jedem siebten Knie fanden die Wissenschaftler eine Entzündung. Materialfehler sind heute so selten geworden, dass frühestens nach 20 Jahren Probleme zu erwarten sind. Muss eine Prothese deutlich früher gewechselt werden, deutet das auf einen Fehler während der Implantation hin.

Keine Meldepflicht für Behandlungsfehler

Viele Experten und der Medizinische Dienst der Krankenkassen kritisieren, dass es in Deutschland keine Meldepflicht für anerkannte Behandlungsfehler gibt. Deshalb sei hierzulande von einer hohen Dunkelziffer bei Fehlern mit künstlichen Kniegelenken auszugehen, während in anderen Ländern spezielle Register transparent machen, wo und in welcher Anzahl Gelenke eingesetzt werden und wie hoch die Fehlerquote ist.

Tipps zur Kniegelenk-OP

 

Nur bei hohem Leidensdruck operieren lassen, denn ein neues Knie ist kein Jungbrunnen. Die Erwartungen müssen realistisch sein: Selbst wenn alles gut läuft, kann das neue Knie Probleme bereiten.

Kritik an strukturierten Qualitätsberichten

Die in Deutschland vorgeschriebenen strukturierten Qualitätsberichte enthalten nur Angaben zu den häufigsten in einer Klinik durchgeführten Eingriffen. Um von den Krankenkassen anerkannt zu werden, müssen Kliniken 50 Kniegelenkprothesen pro Jahr einsetzen. Verteilt sich diese Zahl aber auf fünf Operateure, setzt der einzelne Arzt im Durchschnitt nur zehn Prothesen pro Jahr ein - zu wenige, um eine ausreichende Routine zu entwickeln.

Als ideales Maß empfehlen Experten 50 Kniegelenkprothesen pro Jahr und Operateur, denn die Operation erfordert viel Erfahrung um Fingerspitzengefühl, um zu einem perfekten Ergebnis zu führen.

Ansprechpartner bei Problemen

Wer Probleme mit seinem künstlichen Knie bekommt, sollte es in einem spezialisierten Zentrum vermessen lassen. Eine Wechseloperation sollte aber nur erfolgen, wenn es wirklich notwendig ist. Denn jeder chirurgische Eingriff ist mit Vernarbungen und möglichen Einflüssen auf die sogenannten Propriorezeptoren verbunden, die für die Kniefunktion wichtig sind.

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Dieses Thema im Programm:

Visite | 15.11.2016 | 20:15 Uhr

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