Stand: 27.03.2018 14:57 Uhr

Kann Fasten eine Chemotherapie unterstützen?

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Gesunde Zellen schalten beim Fasten auf "Stand-by" - von der Chemotherapie bekommen sie auf diese Weise kaum etwas ab.

Dass Fasten bei Rheumaleiden und chronischen Zivilisationskrankheiten mitunter wie ein Medikament wirkt und die Therapie mit Arzneimitteln unterstützen kann, ist bereits seit einiger Zeit Gegenstand der Forschung. Bei Krebsleiden galt Nahrungsverzicht dagegen bisher als tabu - nicht zuletzt, weil viele Krebspatienten gar nicht an der Krankheit selbst sterben, sondern an Mangelernährung. Doch nun gibt es neue Hinweise, dass ein Nahrungsverzicht über wenige Tage die Verträglichkeit der Chemotherapie steigern könnte. So zeigt eine aktuelle Studie an Frauen mit Brust- und Eierstockkrebs, dass eine Chemotherapie von den meisten Patientinnen besser vertragen wird, wenn sie 36 Stunden vor und 24 Stunden nach der Verabreichung der Chemotherapie fasten.

Eine Frau trinkt ein Glas Wasser.

Fasten während der Chemotherapie?

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Bislang galt Fasten während einer Chemotherapie als tabu. Doch nun gibt es Hinweise, dass ein kurzzeitiger Nahrungsverzicht die Wirksamkeit der Krebsbehandlung steigern könnte.

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Krebszellen werden in eine Falle gelockt

Experten erklären diesen Effekt mit der Evolution: Normale Körperzellen können mit Hunger gut umgehen, denn das haben sie im Laufe der Evolution gelernt. Wenn man fastet, fallen gesunde Zellen in eine Art Winterschlaf. Krebszellen können genau das nicht, denn sie sind kompromisslos auf Wachstum programmiert und kennen kein Fastensignal. Sie saugen daher alles in sich auf, auch die Chemotherapeutika, die sie letztlich töten. Währenddessen legen sich die gesunden Zellen in der Fastenpause zur Ruhe, schalten auf "Stand-by" und nehmen weniger Nährstoffe - und Zellgifte - auf. So bekommen sie von der Chemotherapie kaum etwas ab, während die gierigen Krebszellen den Giften ungeschützt ausgeliefert sind. Es geht also darum, den Krebs in eine Falle zu locken. Es geht keinesfalls darum, ihn auszuhungern - denn das würde sowieso nicht funktionieren, sondern nur dem Patienten schaden.

Im Tierversuch erfolgreich

In einem dieser Theorie zugrunde liegenden Tierversuch eines italienischen Forschers überlebten alle fastenden Mäuse die Chemotherapie, während in der normal gefütterten Kontrollgruppe zwei Drittel starben. Ob diese Studienergebnisse in vollem Umfang auf den Menschen übertragbar sind, ist aber noch nicht geklärt. Vor allem muss noch erforscht werden, bei welchen Krebsarten und bei welchen Zusammensetzungen von Chemotherapeutika dieses Konzept funktioniert und bei welchen nicht. Immerhin zeigte eine Studie an 2.800 Krankenschwestern über zehn Jahre, dass diejenigen, die regelmäßig Essenspausen von 14 Stunden einlegten, seltener unter wiederkehrenden Krebserkrankungen litten und eine bessere Krankheitsprognose hatten.

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Interview: Fasten bei Krebs

27.03.2018 20:15 Uhr
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Kann ein vorübergehender Nahrungsverzicht die Wirksamkeit einer Chemotherapie steigern? Interview mit Professor Dr. Andreas Michalsen. Video (05:19 min)

Niemals auf eigene Faust fasten

Ohne gründliche Aufklärung und kompetente Betreuung sollten Krebspatienten keinesfalls fasten, denn nicht jeder ist dafür geeignet. Unter einem Body-Mass-Index (BMI) von 20, nach einer belastenden Operation oder bei Begleiterkrankungen wie Diabetes, Leber- oder Nierenleiden kommt ein Nahrungsverzicht nicht infrage. Außerdem gibt es beim Fasten einiges zu beachten, wie einen Entlastungs- und einen Aufbautag, die richtige Flüssigkeitszufuhr, Bewegung und Ruhepausen. Auch Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Übelkeit können auftreten. Sie lassen sich durch gezielte Maßnahmen in den Griff bekommen.

Vegane Ernährung und Zucker-Verzicht empfehlenswert

Auch wenn der Effekt des Fastens noch nicht geklärt ist, empfehlen Experten schon heute, 48 Stunden vor und 24 Stunden nach der Chemotherapie vegan und zuckerfrei zu essen. Das bedeutet den Verzicht auf Fleisch, Käse, Milchprodukte und Eier sowie auf Süßigkeiten, Schokolade, süße Früchte und Säfte. Daneben empfehlen Experten Präbiotika zur Unterstützung der Darmflora, also zum Beispiel Chicorée, Artischocken, Topinambur, Wurzelgemüse und ganz besonders Nüsse. Zudem spricht viel dafür, dass sich mit mehr Gemüse und Obst das Risiko für eine Rückkehr der Krebserkrankung verringern lässt.

Interviewpartner

Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt
Abteilung für Naturheilkunde  
Immanuel Krankenhaus Berlin
Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde an der
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Königstraße 63, 14109 Berlin
Internet: www.naturheilkunde.immanuel.de

Dr. Annette Jänsch, Fachärztin für Innere Medizin Naturheilkunde, Homöopathie, Physikalische Medizin
Hochschulambulanz für Naturheilkunde  
Immanuel Krankenhaus Berlin
Königstraße 63, 14109 Berlin
Internet: www.naturheilkunde.immanuel.de

Weitere Informationen:
Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums
Internet: www.krebsinformationsdienst.de/

Valter Longo Foundation (engl.)
Internet: valterlongo.com

Ratgeber:
Ruediger Dahlke: Kurzzeit-Fasten.
192 Seiten, Südwest (2018), 17,00 Euro.

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